laut.de-Kritik
Deutschrap braucht Stimmen wie diese.
Review von Thomas HaasWenn dieser Tage mal wieder Stimmen laut werden, die Deutschrap fehlende Haltung gegenüber weltpolitischen Themen vorwerfen, erscheinen diese zumindest nicht völlig aus der Luft gegriffen. Rapper gehen bereits bundesweit mit - so sollte man zumindest meinen - selbstverständlichen Meinungen viral. Die, die sich schon seit längerer Zeit klar positionieren, tun das für den Geschmack des allgemeinen Konsens meist zu radikal. Zugezogen Maskulin machen demnach "wutentbrannten linken Zeckenrap", Absztrakkt irritiert mit teils fragwürdigen Ansichten.
Nicht ungelegen kommt aus diesem Grund der junge Kölner Sparky aus dem Sektor West Büdchen Gang-Umfeld, der sich inmitten gleichgeschalteter Zahnrädchen, Fremdenfeindlichkeit und der eigenen Untätigkeit verloren fühlt. Nein, Sparky weiß zwar ganz sicher auch keinen Ausweg aus den abstrusen Sorgen dieser Zeit, leistet aber einen mindestens genauso wichtigen Beitrag, indem er das Unbequeme überhaupt erst einmal thematisiert.
Als unbequem empfindet Sparky zuvorderst, wie tatenlos große Teile seiner Generation bei alledem zusehen: "Wenn die Welt untergeht, bleib' ich weiterhin auf Distanz / Das ist ein Job für die Freiheitskämpfer, die mutigen Menschen und vielleicht auch Punks", bilanziert er auf "Weck Mich Nicht Auf". Der Song an sich steht stellvertretend für eine durchweg mutige Platte, die zu weiten Teilen auch Sparkys eigenen Kampf mit sich selbst abbildet.
Wie es bei textintensiver Musik allerdings meist so ist, bleibt dem Kölner dabei nur wenig Platz für ausgefallene stimmliche Variationen. Böse Zungen bezeichnen seinen Vortrag möglicherweise sogar als steif. Viel wichtiger ist allerdings seine markante Stimme, die, ähnlich wie schon sein Name, roh wie Hundegebell klingt und irgendwie auch einen eigentümlichen Weltschmerz in sich trägt.
Wirklich spannend wird es aber spätestens wieder auf musikalischer Seite. Yourz, der "Leuchtraketen" nahezu im Alleingang produzierte, reiht sich aus dem Stand ein in die Riege interessanter deutscher Newbie-Produzenten. Die Ästhetik der Platte erscheint von Grund auf rotzig und ungefiltert, zumeist trist und doch immer reich an Einflüssen.
Das Intro von "Allein" könnte unverändert auf einem Earl Sweatshirt-Album zu finden sein, "Robert Earl Davis" bedient sich gekonnt dem ansonsten im deutschsprachigen Raum eher unbeholfen verwendeten Chopped & Screwed-Sound. Als bereichernd erweisen sich auch die oft bassgewaltigen Songausläufe.
Darauf handelt Sparky, mal etwas bedeutungsschwanger, meist aber zielsicher und griffig, heikle Themen wie verquere Weltanschauungen und Nationalstolz ("Das Problem") oder das sich Fügen in die eigentlich verhasste Maschinerie ("Zombies") ab. Wer es fertig bringt, dazwischen Referenzen an King Krule oder Drake sinnvoll zu verschachteln, hat ohnehin schon gewonnen.
Dazu kommen noch fabulöse Gäste wie der sträflich unterschätzte Cosmo Gang-Soldier Bimbo Beutlin oder Simon Grohé, der für "Reise" eine erstaunlich unpeinliche Pop-Hook eingesungen hat. Mittlere Ausfälle wie "Stadtkids" bleiben die Ausnahme.
Auch wenn Sparky die "Leuchtraketen" wohl eher als Symbol fürs Verlorensein vorsah, dürften sie hoffentlich bald eine zweite Bestimmung erhalten: die nämlich, auf seinen ehrlichen, selbstreflektierten und klugen Rap aufmerksam zu machen. Zu wünschen wäre es allen voran auch dem Deutschrap. Der braucht mehr denn je Stimmen, die auch wirklich etwas zu sagen haben.


5 Kommentare mit 14 Antworten
Hört sich ziemlich anstrengend an, was das Hören der Single auch bestätigt hat: https://www.youtube.com/watch?v=OQEFcLFGJHQ Ihr seid alle nur Zombies, kriegt nichts mit und seid mega die Spießer. Das hat ja noch nie jemand gesagt, Hammertrack.
"Stadtkids" setzt den bisherigen Eindrücken die Krone auf. "Wein aus dem Pappbecher/stilecht von Aldi" Wow… "Für immer abgefuckte Stadtkids" und dazu sieht man irgendwelche Hipster in teuren Klamotten. Das Ganze sollt vermutlich an Marteria erinnern.
"Allein" https://www.youtube.com/watch?v=0MzORr64rPs ist, ich habe es nicht ganz zu Ende gehört, Prinz Pis Regenmacher in noch schlechter.
Der Track ist doch ein alter Hut: https://www.youtube.com/watch?v=KC406-8aoDg
Hab grad mal die Comments gelesen; Prinz-Pi-Hörer stellen sich vor:
"Leute Leute Leute!!!!! Prinz Pi macht einen anderen Sound etwas zeitloses!!!!! aber inhaltlich und lyrisch ist er besser den je!!! damals sagte wir keiner versteht ihn weil er seiner Zeit voraus ist...... Jetzt haben wir wieder das gleich Problem die meisten von uns verstehen ihn nicht mehr!!!!! ein Tipp von mir schaut euch Zeitgeist an oder die Thesen von jiddu !!!! Wir müssen die Augen öffnen und nicht wegschauen die Politik und das Geld machen uns noch komplett kaputt!!!!!! So jetzt hasst mich oder macht die Augen auf
"
oder er hier
"Der größte Trick der schlauen Menschen war es Gott und Teufel zu erfinden um die dumme Schafherde unter Kontrolle zu halten. Götter gibt es so lange wie Meschen andere Menschen beherrschen."
gottogott. den hatte ich wirklich schon verdrängt.
"Der größte Trick der schlauen Menschen war es Gott und Teufel zu erfinden um die dumme Schafherde unter Kontrolle zu halten. Götter gibt es so lange wie Meschen andere Menschen beherrschen."
wo er recht hat ...
Zombies mit einem feinen Beat
Hast du dem dazugehörigen Album damals nicht 4 von 5 Punkten gegeben, freddy?
War und ist ja auch absolut angemessen. Den Regenmacher haten ist, weil stärkstes Stück der Scheibe, eh Kappes.
Naja, retrospektiv habe immer mehr das Gefühl, dass Pi von Anfang an überschätzt wurde beziehungsweise, dass ich halt 15 war, als ich das gefeiert hab.
Kontra K, ick hör dir trapsen
Habe mir ja sagen lassen, dass das hier das neue Schatzi vom Crazemaster ist.
Wurde ich belogen? Lächerlich?
Wtf?

Forty soll sich bitte mal hart ficken, der Schwanz. Das ist dann genauso wie bei Kanye: In 2 Wochen kommt Baude um die Ecke und behauptet, dass ich Sparky Fanboi hoch 10 bin.
ich war ebenfalls dabei, wie du sparkys albung in den höchsten tönen gelobt hast, neben dem neuen teesy ua.
ziemlich dünnes eis mal wieder
Ja ok, wenn molten das sagt, dann muss es wohl so gewesen sein, denn er ist ja Ehrenmann unter Ehrenmännern.
Die Schlinge zieht sich langsam zu
So Lachkick gerade.
Man kann doch keinen hören, der wie ein Köter heißt.
'n Scheiß braucht Deutschrap Stimmen wie diese.