laut.de-Kritik

Autoradio-Poprock der 1990er-Schule

Review von

Die Schule des Autoradio-Poprocks der 1990er Jahre schickt eine ihrer bekanntesten Protagonistinnen wieder ins Rennen. Sie wollte damals einfach nur ein wenig Spaß haben, bevor sie stirbt – und sie ist damit nicht die einzige, argumentierte sie weiland. Dieses Bekenntnis zur Spaßgesellschaft namens "All I Wanna Do" brachte Sheryl Crow Weltruhm, zahlreiche Grammy Awards und ein paar veritable Radio-Hits. Irgendwo zwischen sonnigem Pop, ein bisschen Rock und etwas Country hat Sheryl Crow nie so wirklich daneben gegriffen.

In den 2010er Jahren hatte Crow dann Lust auf ein bisschen Abwechslung, veröffentlichte 2010 das Memphis-Soul-inspirierte "100 Miles From Memphis". Drei Jahre später veröffentlichte sie sich mit „Feels Like Home“ eine reine Country-Platte. In den USA ist Country ja ein eigener kommerzieller Kosmos – für Crow ging die Rechnung nicht so wirklich auf. Für ihr neues Album, so die Künstlerin im Vorfeld, wolle sie sich von allen kommerziellen Gedanken lösen. "Be Myself" deutet eine Ankunft – oder eine Rückkehr – zu sich selbst an. Also wieder Autoradio-Poprock, auch gut.

Dafür hat sie sich für mit Jeff Trott und Tchad Blake auch wieder ihre alten Hawara (wienerisch für Pappenheimer) ins Studio geholt – es wurde drauflos musiziert ohne große Erwartungen, irgendwann waren ein paar Songs fertig und bald darauf eine ganze Platte. Die könnte auch aus den 1990ern stammen und zeigt Crow in gewohnter Stärke.

Sonniger Rock mit viel Twang, guten Hooks und Radio-Refrains. "Baby, if you dare / Will you meet me halfway there?", singt sie in der ersten Single-Auskoppelung. Na klar, wir sitzen doch sowieso gerade im Auto, machen wir halbe Strecke. Aber, man ist ja auch nicht mehr ein Jungspund mit nur Unsinn und Spaßhaben im Kopf, diesmal soll auf der Autofahrt auch über andere Dinge geredet werden als nur Fun, Fun, Fun.

Gott nämlich und die digitale Entfremdung. Die Liebe, sowieso, das Älterwerden. Über iPhones und die ganze moderne Technologie, die uns nicht immer nur eint und verbindet, sondern auch ein wenig vereinsamen lässt. Und über das komische Misstrauen, dass derzeit jeder gegenüber jedem hat. Über die Einsamkeit des Post-Kapitalismus (gut, sie drückt es ein wenig anders aus). Und darüber, wie wundersam die moderne Zeiten mit Selfies und Hipstern so sind. Lyrisch ist das nicht immer hochinteressant: "Hanging with the hipsters is a lot of hard work / How many selfies can you take before you look like a jerk?" – singt sie im Titeltrack. Es geht noch weiter: "I took an Uber to a juice bar to hear a new indie band play / They got 99 million followers in only one day". Am Ende geht sie dann doch wieder in ihre Lieblingsbar. Das ist auch gut so: Three Cords and the truth und so.

Kurzum: Wer Alben wie "Tuesday Night Music Club", "Sheryl Crow", "The Globe Sessions" oder "C'mon, C'mon" mag, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Trackliste

  1. 1. Alone In The Dark
  2. 2. Halfway There
  3. 3. Long Way Back
  4. 4. Be Myself
  5. 5. Roller Skate
  6. 6. Love Will Save The Day
  7. 7. Strangers Again
  8. 8. Rest Of Me
  9. 9. Heartbeat Away
  10. 10. Grow Up
  11. 11. Woo Woo

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