laut.de-Biografie
Robert Cray
Die schwierige Situation der Musikbranche liest sich auch an solchen Tatsachen ab: Robert Cray, gefeierter Blues-Gitarrist, Gewinner von fünf Grammys, von namhaften Kollegen gecovert und geschätzt, steht nach der Veröffentlichung von "Shoulda Been Home" 2002 plötzlich ohne Plattenvertrag da.
Ende 40 und hoffnungslos arbeitslos? Nicht Cray, der schon in jungen Jahren Durchsetzungsvermögen beweist. 1953 als Sohn eines Armee-Angehörigen in Columbus, Ohio geboren, gründet er seine erste Highschool-Band in Virginia, startet seine professionelle Musikerkarriere in Oregon und landet schließlich in Kalifornien. Es ist das Jahr 1974.
1980 soll mit "Who's Been Talking" das erste Album der Robert Cray Band erscheinen. Das Label geht aber kurz vor der Veröffentlichung pleite, die Bänder verschwinden in der Schublade. Drei Jahre dauert es, neun nach der Gründung, bis "Bad Influence" in den Regalen steht - und der Bekanntheitsgrad die Grenzen der Mundpropaganda sprengt.
Das Erfolgsrezept besteht aus Blues mit einer ordentlichen Portion Soul. Begleitet von Bass, Schlagzeug und Keyboard, hat Cray die Möglichkeit, sein Gitarrenspiel und seine für das Genre erstaunlich weiche und angenehme Stimme zu entfalten. Seine dritte Platte "Strong Persuader" gerät zum erfolgreichsten Bluesalbum in zwanzig Jahren, Eric Clapton covert nicht nur das Lied "Bad Influence", sondern lädt ihn auch zu einer Reihe von Konzerten in die Royal Albert Hall ein. Cray spielt mit Chuck Berry und Tina Turner, das 89er "Don't Be Afraid Of The Dark" markiert einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere.
Im selben Jahr krempelt er seine Band um und stellt mit Jim Pugh (Keyboards), Kevin Hayes (Schlagzeug) und Karl Sevareid (Bass) die bis heute bestehende Lineup zusammen. In den folgenden Jahren erscheinen regelmäßige Veröffentlichungen, in denen die Combo verschiedene Akzente setzt. Auf "Some Rainy Morning" gerät die Gitarre zugunsten Crays Stimme in den Hintergrund, "Take Off Your Shoes" ist dagegen eher funky. Er arbeitet auch mit Genregrößen wie John Lee Hooker und B.B. King zusammen.
Trotz regelmäßiger Grammy-Nominierungen und -Siegen (der letzte 2000 mit "Take Your Shoes Off") sowie fleißigem Touren ist 2001 erst mal Schluss. Anstatt den Kopf hängen zu lassen, gehen Cray und seine Band ohne Vertrag ins Studio, produzieren die Stücke selber und nehmen sich die Zeit, neue Einflüsse zu verarbeiten. Das durchaus anhörbare Ergebnis erhält den Titel "Time Will Tell" und erscheint im Juli 2003.
Nach "Twenty" (2005) erscheint 2007 die Doppel-Live-CD "Live From Across The Pond". Darauf knüpft er sowohl von der Intensität als auch vom Repertoire an (gute) alte Zeiten an. Aufgenommen bei einem Konzert in der Royal Albert Hall, zelebriert er live ein bissiges Soul-Blues-Fest.