Porträt

laut.de-Biographie

Rickie Lee Jones

"Always an outsider to the cities I create ... unable to stay here", schreibt Rickie Lee Jones in ihrem Gedicht "No. 12". Autobiografisch gemeint oder nicht liefert sie damit eine passende Beschreibung ihres bisherigen Lebens und ihres künstlerischen Schaffens.

1954 in Detroit geboren, verbringt sie ihre Jugend mehr oder weniger on the road. "Mein Vater war ein Jack Kerouac-Charakter. Er reiste durchs Land, suchte nach Jobs, schrieb Lieder und Geschichten und zog weiter, wenn nichts mehr ging. Das Auto war das Symbol seiner Hoffnung. Meine Mutter war ein weiblicher Kerouac, obdachlos, unzähmbar, immer unterwegs. Sie versuchte ständig, das Bett durchs Schlüsselloch ins Auto zu kriegen. Sie schaffte es", erzählt Jones in einem Interview.

1973 zieht Rickie Lee ins kalifornische San Diego und hält sich mehrere Jahre mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Neben einem abgebrochenen Studium widmet sie sich vor allem der Musik und tritt mit ihrer Gitarre in Bars und kleinen Lokalen auf. 1977 erhält sie einen Plattenvertrag und schlägt ein Jahr später mit ihrem Debüt "Rickie Lee Jones" gleich richtig ein: Nachdem sie in fünf Kategorien nominiert ist, erhält sie den Grammy für den "Best New Artist".

Nicht nur mit ihren poetischen Texten, die sich mit persönlichen wie auch gesellschaftlichen Themen befassen, auch mit ihrem durchaus attraktiven Äußeren baut sie sich eine treue Gefolgschaft auf. Dabei bleibt sie dem Wanderdrang ihrer Jugend treu. Einer von mehreren Partnern ist Tom Waits, dem sie Ende der 70er Jahre zu ersten Erfolgen verhilft. Sie zieht aber auch oft um, von der West- an die Ostküste, anschließend zurück an die Westküste, dann nach Frankreich und schließlich wieder in die USA. Mittlerweile lebt sie in Olympia, Washington.

Ihrer musikalischen Karriere tut das keinen Abbruch, obwohl sich die Ortswechsel in ihren Platten widerspiegeln. "Ihre Stimme hört sich manchmal an wie das einsame Pfeifen einer Lokomotive in der vom Winde verwehten Prärie, andere Male ist sie kaum mehr als ein Lachen, das sich in ein Flüstern oder einen Seufzer wandelt" schreibt ein Journalist der New York Times etwas pathetisch. Dabei veröffentlicht sie neben eher eingängigem Material, das regelmäßig zur Grammy-Zeremonie führt, auch mehrere experimentelle Alben.

"Flying Cowboys" (1990) und die aus Coverversionen bestehenden Sammlungen "Pop Pop" (1991) sowie "It's Like This" (2000) kommen auch beim großen Publikum an. "The Magazine" (1984) und "Ghostyhead" (1997) sind dagegen konzeptuell; unter Fans gelten sie als Höhepunkte der Musikgeschichte, im Business dagegen eher als eigenhändig geschaufelte Gräber.

Im Oktober 2003 erscheint mit "The Evening Of My Best Day" ihr erstes Album mit neuem Material seit 1997. "Die Wahl von George Bush, die Verabschiedung des 'Patriot Act', die Monopolstellung der Medien und ihr Missbrauch der Sprache - mir wurde klar, dass endlich jemand Klartext reden musste", erklärt sie kampflustig bei seiner Veröffentlichung.

Das wieder erwachte Interesse an Rickie Lee führt 2005 zu einer Durchforstung ihres Back-Kataloges, das im Box-Set "Duchess Of Coolsville" mündet. Die Compilation umfasst reguläre Album-Tracks, Demos, Coversongs und Live-Material. Im selben Jahr lädt sie Lee Cantelon ein, sein Buch "The Words" zu vertonen. Seine Idee bestand darin, diverse Musiker den Text des Buches - eine moderne Bearbeitung der Lehren Jesu - rezitieren zu lassen. Jones, schon immer Nonkonformistin, wirft den Plan über den Haufen und macht stattdessen ein ganzes Album mit eigenen Songs daraus. "The Sermon On Exposition Boulevard" erscheint im Februar 2007 in Europa, gefolgt von weiteren sehr hörenswerten Studioalben wie etwa "Balm in Gilead" (2009).

Als umstrittene und undirigierbare Künstlerin zieht Jones von ihrem Debüt bis heute ein beachtliches Interesse auf sich. Neben mehreren Grammys erhält sie 2001 mit dem Premio Tenco die höchste italienische Auszeichnung für Singer/Songwriter. Es folgt die Veröffentlichung von Gedichten und Essays, die auch auf ihrer persönlichen und schön gestalteten Webseite zu finden sind.

Alben

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