laut.de-Kritik

Die Post-Grunge-Knaben covern sich in die zweite Liga.

Review von

Die siebziger Jahre: Kaum eine andere Dekade hat musikalisch mehr Einfluss auf aktuelle Rock-Combos genommen als das Jahrzehnt voll Glitter, Glamour, Punk und purem Rock. Auch die Post-Grunge-Knaben von Puddle Of Mudd lassen zuhause gerne das Vinyl tanzen und schütteln ihr Haupthaar zu Klängen aus einer Zeit, in der zwischen brachialer Revolte und glitzernder Disco-Kugel alles möglich schien.

Was liegt also näher, als den Ikonen von einst Tribut zu zollen? Über die Veröffentlichung eines Coveralbums kurz vorm Feste mag man ja denken wie man will. Wenn die Songauswahl stimmt und die Protagonisten mit Herzblut und Innovation an die Sache rangehen, rückt das offensichtlich erscheinende Reibach-Kalkül in den Hintergrund. Doch schon so manch etablierter Act hat sich mit diffusen Song-Interpretationen seiner Helden das Genick gebrochen und rennt seither den verblichenen Erfolgen aus der Vergangenheit hinterher.

Puddle Of Mudd sollten sich schon jetzt die Sprintschuhe schnüren, denn was das Trio aus Kansas City mit "Re:(Disc)Overed" angerichtet hat, erfordert einen langen Atem für die Zukunft. Über die Tatsache, dass die Titelauswahl mit Evergreens wie "The Joker", "All Right Now", "Cocaine" oder "D'yer M'aker" ungefähr so viel Überraschungspotential birgt wie ein leerer Osterkorb, kann man ja noch hinwegsehen. Vielleicht schaffen es die Verantwortlichen ja, den musikhistorischen Originalen ihren eigenen Stempel aufzudrücken.

Leider lassen Puddle Of Mudd aber so ziemlich alles vermissen, was als Daseinsberechtigung eines derartigen Unterfangens gelten könnte. Es liegt nicht an der satten Produktion, die eingerosteten Song-Dinos wie "Gimme Shelter" oder "With A Little Help From My Friends" bisweilen sogar ordentlich Feuer unterm Hintern macht.

Es liegt auch nicht an Sänger Wes Scantlins näselnder Stimme, die in überproduzierten Grunge-Songs sicherlich was her macht, Songs wie "T.N.T." oder "The Joker" aber bereits nach zwei Silben ruiniert. Vielmehr geht es um mangelnden Respekt am Original, wenn die Fundamente nicht nur einfach eins zu eins geklont werden, sondern sich zudem noch eine aufdringliche Lustlosigkeit breitmacht, für die einem fast schon die Worte fehlen.

Wenn man schon hinrotzt, dann wenigstens mit Stil, mit Ecken, Innovation und Kanten. "Re:(Disc)Oered" ist in dieser Symbolik einfach nur rund, obendrein lieblos eingespielt und überflüssig. Spätestens wenn sich Wes Scantlin in "D'yer M'aker" und "T.N.T." aufmacht, Robert Plants und Bon Scotts stimmliche Inbrunst mit Füßen zu treten, schlägt es dem Fass den Boden aus.

Trackliste

  1. 1. Gimme Shelter
  2. 2. Old Man
  3. 3. T.N.T.
  4. 4. Stop Dragging My Heart Around
  5. 5. Joker
  6. 6. Everybody Wants You
  7. 7. Rocket Man
  8. 8. All Right Now
  9. 9. Shooting Star
  10. 10. D'yer M'aker
  11. 11. Funk #49
  12. 12. Cocaine
  13. 13. With A Little Help From My Friends

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2 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    naja...ich kann der Kritik zu großen Teilen zustimmen. Dennoch finde ich es nicht unsympathisch, dass man sich an einem Coveralbum versucht, mit den Songs, die einen inspiriert haben. Bei jedem Song schwingt die Puddle of Mudd- note mit. Obwohl ich kein Fan bin, darf man ruhig mal einhören...Klassiker die schon super sind neu aufzunehmen ist immer irgendwie kacke und oft auch langweilig. Aber allein die Mühe, belohne ich mit zwei Punkten.

  • Vor 2 Jahren

    "Come Clean" hat mir damals noch gut gefallen und höre ich heute hin und wieder noch.
    Das Coveralbum ist jedoch mehr als schwach. Kann da der Kritik nur zustimmen. Es geht noch nicht einmal um die Songauswahl (wahrscheinlich würd auch ich TNT covern wollen). Die Platte ist schlicht und einfach belanglos und niemand weiß, was man damit anfangen soll. Dazu wurden die Songs einfach nur lieblos auf CD gerotzt...