laut.de-Kritik

Der schwarze Peter geht nur an die Bildregie.

Review von

Feiertag für die Porcupine Tree-Fangemeinde. Endlich isses so weit: Die Mannen um Steven Wilson werfen ihre erste DVD auf den Markt. Dass soundtechnisch alles im Lot ist, sollte bei den Produzenten-Fähigkeiten des Frontmanns eigentlich klar sein. Dementsprechend sonisch drückt der Sound auch aus den Boxen. Selbst wer nicht zu den Glücklichen gehört, die ein 5.1-fähiges Equipment ihr Eigen nennen können, darf sich am Stereo-Sound der DVD gütlich tun und lauscht dennoch genüsslich der Band-Performance.

Was aber - wie fast immer bei Live-DVDs - überhaupt nicht geht, ist die Frequenz der Schnitte. Bitte! Bittebittebittebittebitte liebe Bildregie! Schreibt euch und am besten der gesamten Zunft der Bilder-Schnipsler endlich einmal ins Gebetsbuch, hinter die Ohren oder wo sonst noch Platz ist: Nein, die Qualität der filmischen Umsetzung eines Konzertereignisses steigt eben NICHT proportional zu der Anzahl der Cuts. Wer im Hasenficktempo durch ein Konzert juckelt, der bekommt am Ende höchsten einen epileptischen Anfall.

Was die Performance der Chicago-Gigs betrifft, ist die Band über jedweden Zweifel erhaben. Eingespielt und professionell bis zum Anschlag musizieren sich die fünf Musiker durch das Programm. Dass jenes locker doppelt so lange hätte ausfallen können, liegt in der Natur der Sache. "Radioactive Toy", "She's Moved On", die Liste der Songs, die der Fan hier ebenfalls gerne vertreten gesehen hätte, ließe sich beliebig fortsetzen. Der schwarze Peter bleibt in diesem Fall bei der Band hängen und die hat bei der Songauswahl letzten Endes doch ein geschicktes Händchen bewiesen.

Angefangen bei "Open Car" bis zu den finalen Klängen einer äußerst unterhaltsamen "Trains"-Version (inklusive Saitenriss und unfreiwilliger Pause) kommt eine angenehme Spielfreude zum Tragen. Wilson, wie so oft im schwarzen Longsleeve T-Shirt, mimt den zurückhaltenden Host. Spärliche Ansagen prägen das Bild. Da wünscht man sich, er würde sich ab und an mal offener geben. Der Begeisterung der Chicagoer tut das jedoch keinen Abbruch. Wieso auch? Schließlich kommen die Anwesenden in den Genuss einer in jeder Hinsicht starken Darbietung. Die Songs des jüngsten Studioalbums "Deadwing" betten sich hierbei schön in die Setlist ein. Am Ende fällt kaum auf, dass die Band insgesamt fünf Songs daraus spielt. Ganz groß: "Arriving Somewhere But Not Here", das auch live einen Status als zentrales Stück inne hat.

Was die Ausstattung betrifft, so kann man sich das Meckern sparen. Über Geschmacksfragen wie das an vielen Stellen bewusst gekörnt gestaltete Bild, die etwas einfallslose Kameraführung und fehlende Totalen darf getrost gestritten werden, ändert am positiven Gesamteindruck jedoch kaum etwas. Speziell was die Kamerafahrten betrifft, zeigen die beiden im Extra-Teil enthaltenen Aufzeichnungen des Rockpalast-Auftritts, was möglich gewesen wäre.

Die Extras der zweiten Disc sind zwar überschaubar, aber geschmackvoll ausgewählt. Lasse Hoile dominiert mit seiner Ästhetik das Erscheinungsbild. Eine stilvolle Fotogalerie geleitet den Betrachter durch Backstage- und Konzertszenen. Die Leinwandprojektionen der drei Songs ("Halo", "Mother & Child Divided" sowie "Start Of Something Beautiful") sind einzeln anwählbar und funktionieren auch ganz prächtig als Alternativ-Musikvideos, zumal sie - wie auch Gavin Harrisons perkussiver "Cymbal-Song" - im klaren 5.1-Sound vorliegen.

Das Unternehmen "Arriving Somewhere ..." kann als rundum gelungen angesehen werden, auch wenn Geschmacksfragen an der einen oder anderen Stelle zu Irritationen führen mögen. Sowohl für PT-Einsteiger als auch langjährige Fans beherbergt das DVD-Doppelpack mehr als nur das ein oder andere Bonbon.

Trackliste

Konzert

  1. 1. Revenant
  2. 2. Open Car
  3. 3. Blackest Eyes
  4. 4. Lazarus
  5. 5. Hatesong
  6. 6. Don't Hate Me
  7. 7. Mother And Child Divided
  8. 8. Buying New Soul
  9. 9. So Called Friend
  10. 10. Arriving Somewhere But Not Here
  11. 11. Heartattack In A Layby
  12. 12. The Start Of Something Beautiful
  13. 13. Halo
  14. 14. The Sound Of Muzak
  15. 15. Even Less
  16. 16. Trains
  17. 17. End Credits

Extras

Live-Performance von "Futile" und Radioactive Toy (Rockpalast)

Lazarus Promo-Video

Lasse Hoile-Filme für "Halo", "The Start of Something Beautiful" und "Mother And Child Divided"

Gavin Harrison "Cymbal Song" in 5.1 Surround Sound

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