laut.de-Kritik

Bouncen auf dem Drahtseil über dem Abgrund.

Review von

"The story is dark like the place where this story starts." Diese Zeile aus "The Runaway" könnte "Ill Manors" gut als Warnhinweis voran gehen.

All jene, die Plan B seines letzten Albums wegen leichtfertig für einen Soul-Sänger halten, dürften angesichts dieses finsteren Ausbruchs Mühe haben, ihre Augäpfel im Kopf zu behalten. Wer hingegen sein Debüt "Who Needs Action When You Got Words" feierte, bekommt erneut Grund zur Freude: Plan B flowt wieder, und wie!

Auch, wenn sein Gesang untadelig ausfiel: Im Streufeuer des Silbenhagels, der nun wieder präzise über den Trommelfellen niedergeht, mutet jede Zeile, die dieser Mann nicht rappend von sich gibt, wie die blanke Verschwendung an. Auf "Ill Manors" zieht Plan B alle Register, präsentiert sich in den verschiedensten Gemütsverfassungen von gefühlvoll bis grenzenlos angepisst - nur keine Sekunde zahnlos.

"Ill Manors" flankiert den gleichnamigen Kinofilm, in dem Plan B erstmals Regie führte. Der Streifen beleuchtet die Existenz verschiedener aus unterschiedlichen Gründen gescheiterter Existenzen im Londoner East-End. Klar, dass die musikalische Untermalung eines Überlebenskampfs auf den Straßen nicht gerade erbaulich ausfällt.

Erbaulich nicht, nein. Dafür aber düster, beklemmend und in nahezu körperlich erfahrbarer Weise intensiv. Plan B reißt seine Zuhörerschaft von der ersten Sekunde an vom Hocker, behält sie im Würgegriff und zwingt sie, ihn auf seiner halsbrecherischen, Seelen zerfetzenden "urban safari" zu begleiten.

"You bloody rich kids never listen", damit muss Schluss sein. Plan B reitet die energischen Streicher von Peter Fox' "Alles Neu" auf dem Weg in die revoltierenden Vorstädte schier zuschanden, ehe sich unheilvoll "I Am The Narrator" zusammenbraut. Stimmen, Geräuschfetzen, Sirenen und eine halsbrecherische Flucht machen den cineastischen Eindruck komplett und lassen auch ganz ohne Film die Bilder im Kopf loslaufen.

Immer wieder durchwabern jamaikanische Schwaden die Szenerie. Dick pumpende Bässe, dubbiges Echo, getoastete Zeilen begleiten die Raps durch den Großstadt-Dschungel. An andere Stelle setzen Plan B und Al Shux, die gemeinsam den Großteil der Produktionen verantworten, aber auch E-Gitarren ein ("Playing With Fire"), wagen doch wieder einen kurzen Abstecher in den Soul ("Deepest Shame") oder setzen einmal mehr auf Streicher und angebluesten Gesang ("Lost My Way").

Ganz entfernt erinnert der stolpernde Sound von "Drug Dealer" an eine Zirkusarena. Plan Bs Zeilen allerdings lassen keinen Raum für Clows-Klamauk, sie schlagen einem mit der Handkante gegen den Kehlkopf. Der Kerl balanciert auf dem über den Abgrund gespannten Drahtseil nicht etwa, er bounct - so wie er in "The Runaway" auf dem schmalen Rand des Vulkankraters steptanzt.

Verpackt in pointierte Wortsalven erzählt Plan B die erbärmlich deprimierenden Geschichten einer fehlgeleiteten, halt- und hoffnungslosen Generation, der von vorne herein die Aussicht genommen wird, jemals dem Abwärtsstrudel zu entrinnen. Aus den Teufelskreisen aus Drogensucht, Prostitution, Armut, Rachefantasien und Gewalt gibt es keinen Notausgang.

Ein Fluchtversuch endet - siehe "The Runaway" - unweigerlich noch tiefer im Sumpf. Plan B illustriert den Sturz ins Bodenlose abwechslungsreich, wenn auch Schwarz in Schwarz. "If you don't believe in something you'll fall for anything." Wie wahr.

Wer danach noch nicht genug hat, für den liegt der Deluxe-Edition des Albums zusätzlich der Original-Film-Score bei. Noch mehr Drama, noch mehr Endzeitstimmung. Noch mehr Faszination.

Trackliste

Ill Manors

  1. 1. Ill Manors
  2. 2. I Am The Narrator
  3. 3. Drug Dealer feat. Takura
  4. 4. Playing With Fire feat. Labrinth
  5. 5. Deepest Shame
  6. 6. Pity The Plight feat. John Cooper Clarke
  7. 7. Lost My Way
  8. 8. The Runaway
  9. 9. Great Day For A Murder
  10. 10. Live Once feat. Kano
  11. 11. Falling Down

Original Ill Manors Film Score

  1. 1. Your Mother Was A Prostitute
  2. 2. My Boy's A Mad Boy Y'Know
  3. 3. Michelle
  4. 4. Bullet In His Head
  5. 5. Did You Just Call Me A Cunt?
  6. 6. See, It Didn't Kill Me Did It
  7. 7. Pity The Plight Score
  8. 8. Hope In Hell
  9. 9. Waiting For The Sun Score
  10. 10. What's That? It's A Baby
  11. 11. Rescue
  12. 12. Pity The Fate Score
  13. 13. Altered Score
  14. 14. Ed Woz Ere
  15. 15. I Have Always Loved You

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LAUT.DE-PORTRÄT Plan B

Aufgewachsen im Londoner Problemviertel Forrest Gate, prügelnde Stiefväter, Alkoholismus, Drogenvergangenheit. Das ist der Stoff, aus dem Plattenfirmen …

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