laut.de-Kritik

Dancehall - zu 100 Prozent radiokompatibel und tanzbar.

Review von

"Mein Name ist Nosliw, vielleicht kennen Sie mich noch von MTV oder VIVA." Ganz ehrlich: Nö. Von der letzten, vorletzten und vor-vorletzten Dancehall-Schlacht allerdings ist mir Rootdowns Chefrocker bestens vertraut. Nachdem sein "Ey Jau" seit Monaten zuverlässig diverse Tanzböden überkochen lässt: höchste Zeit für einen Nachschlag in voller Länge.

Der wird traditionell "Heiss & Laut" serviert: "Also dreh den Sound an und die Heizung auf." Eine überflüssige Aufforderung, die sich angesichts des Materials, "zu 100 Prozent radiokompatibel und tanzbar, ohne diskriminierende Inhalte, für jung und alt", von selbst erledigt. Was Teka im Titeltrack elektro- und basslastig aus den Boxen rumpeln lässt, kracht so kompromisslos, dass Nosliw sich getrost wieder einmal selbst zitieren darf.

Zumal "Hört Nicht Auf" sicher nicht die schlechteste Referenz liefert: Bassface Sascha verwandelte die Vorlage seinerzeit in ein betörendes Stückchen D'n'B. Die gelungene Zusammenarbeit findet auf "Heiss & Laut" in "Ihr Könnt Mir Gar Nichts" ihre Fortsetzung: eine pumpende Kampfansage an Ängste und Engstirnigkeiten.

Wenig überraschend: Hausproduzent Teka verantwortet erneut den Löwenanteil der Riddims. Warum auch nicht? Passendere Singjay-Qualitäten als die Nosliws deckeln seine Beatsuppentöpfe ohnehin selten. Teka setzt auf die Kraft der Schlichtheit. Im Grunde genügt es schon, wenn runde Bässe unwiderstehlich voranstampfen.

Alles Weitere ist schmückendes Beiwerk, das angenehm dezent eingesetzt wird. "Ich will, dass sie wieder alle meinen Namen singen!", fordert Oberprediger Nosliw. So sei es: "Nosliw-Nosliw"-Chöre verleihen "Pramm Pramm" einen nahezu sakralen Anstrich.

Die Bassschläge in "Action" fühlen sich an, als bekäme man sie mit einem schaumstoffummantelten Vorschlaghammer eingebläut. Das bereits erwähnte "Ey Jau" liefert - neben Hands-in-the-air-Garantie - "unsere Definition von Spätschicht" frei Haus dazu. "Seid ihr noch wach, seid ihr dabei, seid ihr bereit habt ihr noch Energie im Leib, gebt mir ein 'Ey Jau!'"

Ey, jau? Schön, dann verrate ich noch, dass neben Teka noch der Mannheimer Crada an den Reglern sitzt: Auf sein Konto geht der dunkelfinstere, dschungelfeuchte Beat zu "Hör Nich Auf", der jeder Voodoo-Queen einen angemessenen roten Teppich ausrollt.

Nosliw selbst schneidert sich "Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah" und "Was Ged Aab?!" zurecht. Einmal merklich Reggae-geprägter, einmal, wenn auch in Zeitlupe, voll in die Magengrube: Der Mann hat nicht nur sein Mikrofon, sondern auch das Mischpult durchaus im Griff.

Bassrunner beschallt eine "Blockparty", zu der unter anderem Ronny Trettmann geladen ist. Trotz wuchtiger Bässe und knarrenden Synthiefundaments bleibt die positive Grundstimmung gewahrt: "Hoch die Becher!"

Gefeiert wird eine ganze Menge, doch wäre Nosliw nicht Nosliw, wenn er nicht auch ein bisschen darüber hinaus erzählen würde. So gerät "Angst Ist Deren Business" deutlich kritischer. Rap-Kollege Olli Banjo gibt sich hier die Ehre. Die Botschaft von "Maul Auf" bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung: "Wie oft sag' ich dir das schon? Versuchs mit Artikulation!"

Davor, in müffelnde Gutmenschelei abzugleiten, bewahrt Nosliw trotz seiner unanzweifelbaren Ernsthaftigkeit eine ordentliche ironische Distanz zu seinem eigenen Schaffen, die sich im Intro wie den eingestreuten Skits manifestiert.

Zwar wirkt der eine oder andere Tune - alte Dancehall-Krankheit, wer spielt im Ernstfall einen Song schon wirklich aus? - ein wenig zu lang. Gegen Ende plätschert mir das Album zudem eine Spur zu entspannt und drucklos aus. Aber: Mann kanns ja nochmal anwerfen. Was soll ich dann mehr sagen, als: "Nach allen Höhen und Tiefen find' ich es immer noch geil."

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Pramm Pramm
  3. 3. Action
  4. 4. Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah
  5. 5. Hör Nicht Auf
  6. 6. In Da Club (Skit)
  7. 7. Ey Jau
  8. 8. Heiss & Laut
  9. 9. Blockparty mit Ronny Trettmann
  10. 10. Angst Ist Deren Business mit Olli Banjo
  11. 11. Ihr Könnt Mir Garnichts
  12. 12. Maul Auf
  13. 13. Sista Sabine (Skit)
  14. 14. Wass Ged Aab?!
  15. 15. Immer Nur Bergauf

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LAUT.DE-PORTRÄT Nosliw

Schon im Mutterbauch mit Reggae von Peter Tosh, Jimmy Cliff und Konsorten beschallt, hat Nosliw als Deutscher einen besonderen Bezug zur ursprünglich …

20 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Mir ist Nosliw ja etwas suspekt, da ich ihn für ein typisches deutschreggae Phrasenschwein halte. Und die ähnlich substanzlos sind wie bei Mono & Nikitaman, aber das Olli Banjo, erklärter Deutschreggae "Feind" (siehe den Free Track "ich kiff mich tot").

    Naja werd mal reinhören

    "Du fragst dich vielleicht womit genau ich ein Problem hab // In Deutschland hat mir Jamaika einfach zu viel Makeup" Banjo

  • Vor 8 Jahren

    na, gerade banjo scheint kein problem mit nosliw zu haben. :D

  • Vor 8 Jahren

    Zitat («
    "Du fragst dich vielleicht womit genau ich ein Problem hab // In Deutschland hat mir Jamaika einfach zu viel Makeup" Banjo »):

    mörderreim! :boring: :tumble:

  • Vor 8 Jahren

    @Frane (« @Elmo i.G. (« @Alex («
    Zitat («
    "Du fragst dich vielleicht womit genau ich ein Problem hab // In Deutschland hat mir Jamaika einfach zu viel Makeup" Banjo »):

    mörderreim! :boring: :tumble: »):

    ähm?! das IST ein mörderreim. »):

    find ich auch. »):

    Kein Mörderreim, aber cool :D

  • Vor 8 Jahren

    ...das is meiner meinung nach einfach nich nosliws ecke, dancehall kann er, aber was auf dem album drauf is geht schon mehr richtung dnb und deshalb kann ich mich damit nich anfreunden..
    mittendrin und mehr davon waren 2 hammer alben, "ey jau" auch echt überragend, aber auf dem neuen album hat ers übertrieben.
    egal, künstler wie er leben von der vielfalt und auch vom "ausprobieren", ich hoffe er findet wieder zu seiner alten klasse, und etwas intelligenteren texten zurück..

    dass m&n nur flache texte haben sollen find ich irgendwie daneben. da sollte sich der autor des artikels fragen ob er nicht selbst ein "phrasenschwein" ist.
    schonmal texte wie "yeah" "boom" "es kommt anders" angehört.

    ich habe ca. 3600 reggae singles hier, ich lege auf, davon sin 80% jamaikanischer reggae der letzten 7-8 jahre, und beim großteil dieser lyrics gehts immer um glauben/conciousness, feiern, kiffen, frauen und battyman's, da bietet der deutsche reggae meiner meinung nach um einiges mehr vielfalt, toleranz und intellekt.

    ...soweit