laut.de-Kritik

Die Finnen haben mal wieder alles richtig gemacht.

Review von

Die Spannung, die immensen Erwartungen, die auf Tuomas und Nightwish in den letzten zwei Jahren gelastet haben dürfte, wird nun mit einem Mal weitgehend von ihnen abgefallen sein. "Dark Passion Play" ist veröffentlicht, die Welt da draußen weiß um die neue Sängerin, und die Zukunft scheint für die Band rosiger denn je auszusehen.

Keine Frage, es wird auch einige enttäuschte Gesichter geben, aber wenn man sich nicht total auf Tarja als Sängerin von Nightwish fixiert hat und ein wenig offen an die neue Scheibe heran geht, wird man mit fantastischer Musik belohnt. Der Kurs von Tuomas, weiterhin keine Kompromisse einzugehen und jedem Song genau das zu geben, was er benötigt, hat sich einmal mehr ausgezahlt und "Dark Passion Play" zum absoluten Spitzenalbum gemacht, an dem sich alle anderen Bands messen müssen, die in ähnlichen, musikalischen Gewässern fischen wie die Finnen.

Wo andere Bands ihren Opus Grande gerne mal bis zum Schluss aufsparen, gehen Nightwish mit "The Poet And The Pendulum" gleich in die Vollen. Wer ohne Kenntnis der Vorabsingles an die Scheibe heran geht, unterliegt vielleicht zunächst dem Irrtum, dass auch Anette eher im Opernbereich trällert, denn im düsteren Intro erklingt zunächst ein sehr heller Sopran. Dieser stammt aber nicht von der Schwedin, die zum ersten Mal nach zwei Minuten den Ton angibt. Und sieh da, die Dame geht ausgesprochen rockig zur Sache und macht dem bombastischen Mammutwerk ordentlich Feuer unterm Arsch.

Allein schon dieser Song beinhaltet alles, was man von Nightwish kennt, liebt und erwartet. Vom atmosphärischen Anfang über die rockige, stark orchestrierte Strophe hin zu einem spartanischen, sehr emotionalen Mittelteil und letztendlich zum furiosen Finale. Der nächste Kracher folgt dicht auf mit der aktuellen Single "Bye, Bye Beautiful". Der Titel macht schon klar, um was es geht, und auch der Text klingt sehr verbittert und frustriert. Kein Wunder, dass Marco den Chorus singt und entsprechend wütend klingt, immerhin sind die Riffs nicht weniger heavy.

Dass "Amaranth" als Single ausgekoppelt wurde, sollte inzwischen eigentlich keinen mehr verwundern. Schließlich geht der Song schon nach dem ersten Durchlauf ins Ohr und setzt sich dort auch auf Dauer fest. Sehr poppig, aber wohl exakt deswegen so eingängig - schlecht ist die Nummer echt nicht. Wieder eine ganze Spur rockiger geht es danach bei "Cadence Of Her Last Breath" zu, doch mit "Master Passion Greed" fragt man sich ganz ehrlich, welche CD man da gerade im Player hat. Einmal mehr greift Marco zum Mikro und peitscht in gehörigem Tempo durch die Strophe, ehe es im Chorus wieder orchestraler zugeht.

Kein Wunder, dass man danach erst mal wieder runterkommen muss, und so folgt mit "Eva" die Ballade, mit der Anette der Öffentlichkeit zum ersten Mal vorgestellt wurde. Warum das ausgerechnet dieses Lied war, bleibt das Geheimnis der Band, denn es handelt sich wohl nicht um die beste Ballade der Bandgeschichte.

Anstatt gleich wieder richtig loszulegen, steigern sie Tempo und Bombast mit dem epischen "Sahara" eher gemächlich und gehen in das düstere "Whoever Brings The Night" über. Allerdings fehlt der Nummer irgendwie der letzte Funke, der den meisten anderen Songs innewohnt.

Sehr poppig und fast schon ein wenig zu süßlich geht es bei "For The Hear I Once Had" zu, doch der Track strahlt trotz des Titels etwas sehr Optimistisches aus und hat seinen Charme. Dass Marco auch durchaus eine sanfte Seite hat, stellt er im akustischen "The Islander" unter Beweis. Der Track funktioniert auch im Irish Pub, und als ob man noch einen draufsetzen will, geht es mit dem instrumentalen "Last Of The Wilds" gleich mal genauso Irisch mit Geige und Flöte weiter.

Mit "7 Days To The Wolves" biegen sie so langsam auf die Zielgerade ein. Wieder recht episch und vom Tempo her eher gedrosselt entfaltet sich der Song erst nach und nach. Den Refrain singen Marco und Anette im Duett, und es zeigt sich, dass die beiden sehr schön mit einander harmonieren. Den Schlusspunkt setzt schließlich eine weitere Ballade mit dem Namen "Meadows Of Heaven". Die macht deutlich mehr her als "Eva", vor allem, wenn gegen Ende sogar eine Gospelsängerin zum Einsatz kommt.

Von ein, zwei mittelprächtigen Songs abgesehen, haben Nightwish auf "Dark Passion Play" alles richtig gemacht. Anette ist weit davon entfernt, ein bloßer Tarja-Klon zu sein, trägt auf ihre Art aber etwas mindestens ebenso Besonderes zu den neuen Songs bei. Man darf echt gespannt sein, wie die Dame die alten Songs interpretieren wird.

Trackliste

  1. 1. Poet and the Pendulum
  2. 2. Bye Bye Beautiful
  3. 3. Amaranth
  4. 4. Cadence of Her Last Breath
  5. 5. Master Passion Greed
  6. 6. Eva
  7. 7. Sahara
  8. 8. Whoever Brings the Night
  9. 9. For the Heart I Once Had
  10. 10. Islander
  11. 11. Last of the Wilds
  12. 12. 7 Days to the Wolves
  13. 13. Meadows of Heaven

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45 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Man sollte das Album mindestens 10 mal gehört haben, bevor man sich an eine Kritik wagen kann; denn jeder Song ist anders und ganz speziell für sich zu sehen. Die Schönheit eines jeden Songs entfaltet sich dem Hörer erst nach mehrmaligen Betrachten und selbst Lieder, die Anfangs nicht gefallen mochten, entwickeln auf einmal ihren Charme. So bleibt für mich nur zu sagen, dass fast jeder Song auf dem Album eine Nummer eins für sich ist. Nur der letzte Song geht mir mit dem Gospel-Gedöns gegen Ende immer noch auf die Nerven ;)

    Also...ich stimme der Laut.de Kritik zu.

    Und die neue Sängerin passt wirklich optimal zu dem neuen Album der Finnen. Tarja hätte manche Lieder nicht so treffend rübergebracht wie Anette es tut.

    Es steht Nightwish drauf und es ist auch Nightwish drin. Meine Schlussfolgerung ist, dass Nightwish letzten Endes nie Tarja sondern immer Tuomas war bzw. die Musik an sich.

    Sodalle. Ich hör jetzt mal wieder was Nightwish...noch ist es nicht langweilig nach 4 Tagen Dauerhören :D

  • Vor 7 Jahren

    für die musik kann man meiner meinung nach wirklich vier punkte geben, die ist wieder mal einmalig gut.. habe immer gerne nightwish gehört eben wegen tarja.. man hatte das gefühl das sie die lieder mit einer leichtigleit singt und immer noch zulegen konnte, was aufgrund ihres immensen stimmvolumens auch immer möglich war..

    klar ist die neue sängerin eine richtig gute, aber mir persönlich klingt das zu sehr nach pop. das ist auch der grund warum ich "ähnliche" bands wie within temptation oder epica nicht lange hören kann, dieser helle gesang, da bekomm ich mit der zeit "zahnschmerzen"! trotz allem ein richtig gutes album und nightwish und ihrer neuen sängerin viel glück..

  • Vor 7 Jahren

    War von der Single nicht sehr angetan, für mich gehört Tarja zu Nightwish, aber werde bei Gelegenheit mal reinhören.

  • Vor 6 Jahren

    Ich kann TheRaven nur zustimmen. Anette wird tatsächlich hörbar vom Orchester fast weggeblasen (--> "Eva" bestes Beispiel)! Ich habe auch gehört, dass Nightwish sich in Zukunft Schritt für Schritt dem Metal abwenden wollen und es wie in ihrer Anfangszeit wieder akustischer angehen wollen. Da Tarja nun weg ist, haben sie ja auch keinen Grund mehr, Metal spielen zu müssen, damit es zur Stimme passt (das war die ursprüngliche Begründung für den Wandel "Angels Fall First" --> "Oceanborn"). Wäre also nur eine mehr als logische Entwicklung. Und das würde der Stimme von Anette sicherlich entgegen kommen.

  • Vor 5 Jahren

    "die band, die ewig scheiße ist. "

    Tja und du bist dumm! Weil wenn du die Musik und die Band scheiße findest,warum belästigst du uns hier mit deinem 3.Grundschulklasse- Satz "die band, die ewig scheiße ist. "
    Warum gibst du dich mit etwas ab,dass du scheiße findest -> du brauchst Aufmerksamkeit!

    Zum Album: besser als die anderen Alben,weil da haben mir nur einige Songs gefallen! Ich mag diesen Operngesang einfach nicht!

    Öhm,an die Klugscheißer:
    die Stimme von Anette hat nichts mit Mainstream zu tun,sondern ist einfach eine andere Stimmlage! Auch eine Sängerin mit Opernstimme kann Mainstream sein,weil Mainstream nichts mit einer Stimme sondern mit der Musik zu tun hat!

    Nein,mir gefällt der hellere Gesang besser!

    Ich habe alle Within Temptation Alben und die sind auch echt gut!
    Aber was die Musik an sich betrifft,muss der liebe Robert Westerholt noch zum Unterricht von Meister Holopainen gehen! Weil was Toumas aufs Papier bringt ist echt der Wahnsinn! Ich hoffe,dass man von ihm noch lange was hören wird,selbst wenns Nightwish nicht mehr gibt (was hoffentlich nicht so schnell der Fall sein wird)!

    Top Album!

  • Vor 5 Jahren

    @immu (« ...Nur der letzte Song geht mir mit dem Gospel-Gedöns gegen Ende immer noch auf die Nerven ;) »):

    aaaaaalter lahs, gerade dieser ist finde ich der beste auf der ganzen cd!