Der international kaum bekannte Musiker war in Frankreich ein Superstar. Nun starb die Rock-Ikone mit 74 Jahren.

Paris (mis) - Der französische Superstar Johnny Hallyday ist tot. Er starb im Alter von 74 Jahren an Lungenkrebs. Dies bestätigte seine Ehefrau Laeticia Hallyday der französischen Nachrichtenagentur AFP: "Ich schreibe diese Worte und kann sie doch nicht glauben. Mein Mann ist nicht mehr da. Er hat uns in der Nacht verlassen und war dabei wie in seinem ganzen Leben mutig und würdevoll."

Hallyday musste vor einem Monat wegen Atemnot ins Krankenhaus und blieb dort sechs Tage. Seither erfuhr die Öffentlichkeit nichts über seinen Gesundheitszustand, berichtet die Zeitung Le Monde. Bereits am frühen Morgen kondolierte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron dem Altstar: "Johnny Hallyday hat einen Teil von Amerika in unser nationales Pantheon gebracht." In Brüssel werden heute in der Metro ihm zu Ehren den ganzen Tag seine Lieder gespielt.

Hallyday wuchs ohne Vater auf und da seine Mutter viel arbeitete, lebte er bei ihrer Schwester. Mit deren Töchtern ging er schon als Einjähriger ab 1944 mit der Gruppe The Hallydays auf Tournee. Ende der 1950er Jahre freundete sich Hallyday mit den jungen Musikern Eddy Mitchell und Jacques Dutronc an, die sich ebenfalls vom Elvis-Virus anstecken lassen. Seine erste Single erscheint 1960. Seither galt der Sänger als Frankreichs Äquivalent zu Presley. Er wurde mit französischen Texten einer der größten Rockstars des Landes, wie auch in Belgien, Kanada und anderen französischsprachigen Ländern. Später schlug Hallyday eine ebenso erfolgreiche Schauspielkarriere ein.

Hallyday drehte mit Jean-Luc Godard und Claude Lelouch, dinierte mit den Staatspräsidenten Chirac und Sarkozy und war nach eigenen Angaben mit John Lennon, Rod Stewart und Jimi Hendrix befreundet. Letzterer spielte einst in Hallydays Vorprogramm. 1998 trat der Altrocker fünf Abende am Stück im Pariser Fußballstadion Stade de France vor jeweils 80.000 Fans auf. Zu seinen großen Hits zählen "Que je t'aime", "Oh, ma jolie Sarah", "Quelque chose de Tennessee" und "Allumer le feu". Hallyday verkaufte im Laufe seiner Karriere 110 Millionen Platten. Es heißt, jeder zehnte Franzose habe in seinem Leben schon einmal ein Konzert von dem Sänger gesehen, den alle nur "Johnny" nannten.

Weiterlesen

3 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 6 Tagen

    Vengeance war sackstark. Er und To haben sowas von geliefert

  • Vor 5 Tagen

    grandioser künstler, dem die stetige reduktion auf "elvis francais" nicht im ansatz gwerecht wird. der war ja kein ted herold oder peter kraus.

    besonders die großartige melange aus - aus der zeit heraus betrachtet - heftigem hardrock, großer psychedelischer geste und doppelbödigen lyrics zwischen frivolität, macker und zarter poesie zeigte, dass er oft weiter war als die zeitgenossen.
    anspieltipp: "riviere, ouvre ton lit" von 1968.
    https://www.youtube.com/watch?v=nrZ4sEPKBp4

  • Vor 5 Tagen

    Monsieur l'avocat, aurais tu des notions de Français? Johnny war bei uns tatsächlich DER große Rockstar. Schon ein komisches Gefühl jetzt. Ich war noch nie ein großer Anhänger von ihm, aber manche Songs bleiben natürlich für die Ewigkeit. Es gibt wahrscheinlich nicht viele Franzosen die bei "que je t'aime" oder "quelque chose de Tennessee" nicht ein bisschen Mitsingen können, sind ja auch tolle Songs. Ich habe ironischerweise durch sein Tod die frühe Rock n'roll Musik seines Kumpels Eddy Mitchell wiederentdeckt.

    • Vor 4 Tagen

      "der große rockstar" - ja klar. das meine ich ja. deshalb wird man dem mann m.E. nach nicht gerecht, wenn man ihn als "den elvis von frankreich" bezeichnet. denn zumindest hierzulande weckt das die assoziation, er habe nen rock n roll-abklatsch geliefert wie hiesige epigonen.

      aber der johnny war ja eben nicht epigonal sondern individuell.

      und ja: ich bin weit davon entfernt, mich als kenner der französischen musikszene bezeichnen zu dürfen. aber das grundinteresse ist schon lang vorhanden. habe hier ja auch das portrait von mylene verfasst oder depardieu rezis zu "m", aznavour und lescop.

      noir desir fand ich in deren aktiven zeiten vor der tragödie auch schon immer toll.

      barbara hat es mir ebenso angetan, biografisch wie musikalisch.

      eines der besten europäischen rockaslben des jahres ist 2017 aus meiner sicht "good" von rodolphe burger. der scheint ja eh ein toller, vielseitig begabter und engagierter mann zu sein. habe vor, mich demnächst mal deutlich in kat onoma ein zu arbeiten.

    • Vor 4 Tagen

      und natürlich gainsbourg. mit den soloalben von birkin und charlotte bin ich nicht so vetraut. aber der serge ist schon sehr meins. besonders die psychedelischen sachen mit und nach brigitte, das melody-album (meilensteinwürdig!) und das sarkastische "rock around the bunker" gefallen mir außerordentlich gut.

      falls du noch tipps hast, nur her damit :)

    • Vor 3 Tagen

      Gainsbourg ist natürlich ziemlich unerreicht. Benjamin Biolay mag ich sehr, der hat sich viel bei ihm abgeguckt, er gibt sich blasiert und pathetisch, letzteres vor allem auf die zwei ersten Platten, Rose Kennedy und Négatif. Er war mal mit Keren Ann zusammen, die ist zwar Israelisch-Niederländisch, hat aber einiges auf Französisch veröffentlicht, darunter "La disparition", später auf englisch "101", ist schon ziemlich toll. Die kleine Schwester von Biolay, Coralie Clément ist auch ganz gut, die beiden wurden hier mal vom kollegen Schuh rezensiert. Coralie ist aber austauschbarer als ihr Bruder, obwohl ich die persönlich mag, ähnlich wie Berry oder Rose, wobei letztere arg seicht ist.

      Es gibt schon viel, was empfehlenswert ist, natürlich auch je nach Geschmack. Noir Désir waren grossartig, seit der Tragödie um Marie Trintignant und der Verurteilung von Bertrand Cantat gibt es die Band nicht mehr. Cantat hat gerade eine neue, recht gute Platte veröffentlicht, ist aber natürlich extrem umstritten. Er ist eng befreundet mit der Band Eiffel, deren Musik klingt sehr änhlich, mag ich auch. Ist aber glatter und irgendwie weniger originell und authentisch als Noir Désir, finde ich.

      BB Brunes machen 60s Rock n'roll, Isaac Delusion coole Popmusik, Thomas Dutronc manouche Chanson, Mickey 3d pop rock mit ironische Texte ("la grande évasion", "matador" "on va pas mourir de rire"), wobei deren letzten Platte nicht so dolle war, ähnlich wie bei Louise Attaque (das selbstbetitelte Album war Klasse). Dann gibt's noch die altpoper von Indochine, die in den 2000er mit "paradize" und "black City" Parade gute Platten herausgebracht haben, im hip Hop die unverwüstlichen IAM ("l'école du micro d'argent" war bei euch ein Meilenstein, hat mich sehr gefreut!). Die rapper Hugo TSR (tsr crew)sind auch richtig gut, die haben richtig wut im Bauch. Ich stehe selber ziemlich auf dem Alten Folk-softie Francis Cabrel, die letzten Studioplatten wurden immer besser. Und und und... Zeit ein Ende zu finden!