Heute läuft in den deutschen Kinos Todd Haynes "I'm Not There" an. Der Film ist an das Leben von Bob Dylan angelehnt, er erzählt seine Vita in Form von sechs Handlungssträngen, die dem Zuschauer den Jahrhundertmusiker nicht unbedingt vertrauter machen.

All Along The Watchtower (mmö) - Der Regisseur Todd Haynes ("Velvet Goldmine") hat sich entschlossen, Bob Dylans Leben so zu erzählen, wie man Bob Dylans Leben wohl nur erzählen kann. So vielschichtig der Künstler selbst, so vielschichtig ist auch der Film "I'm Not There", der heute deutschlandweit in 46 Kinos in 36 Städten anläuft.

Haynes verzichtet bewusst auf ein geradliniges Biopic und lässt Richard Gere, Christian Bale, den im Januar verstorbenen Heath Ledger, Cate Blanchett, Ben Whishaw und Marcus Carl Franklin den Songwriter spielen. Bzw. eine Rolle, die an eine Persönlichkeit erinnert, die Dylan darstellt. Dem Künstler selbst am nächsten kommt Cate Blanchett, die scheinbar unendlich talentierte Oscar-Preistägerin in ihrer Rolle als Jude Quinn.

Quinn soll dabei Dylan auf der Höhe seines Ruhmes Mitte der Sechziger Jahre darstellen. Ein entsprechender Höhepunkt des Films ist die Szene, in der Dylan auf dem Newport Folk Festival die Elektrische anstimmt. Hier zeigt sich auch die Detailverliebtheit des Regisseurs: Die im Film verwendeten Mikros sind denen von Newport zum Verwechseln ähnlich (oder gar die gleichen?).

Eine weitere zentrale Rolle spielt Heath Ledger, der einen Schauspieler mimt. Er zeigt die privatere Seite Dylans, den gescheiterten Ehemann, der sich von seiner Familie entfremdet. In einer großartigen Nebenrolle brilliert an seiner Seite Charlotte Gainsbourg.

Christian Bale stellt den jungen Bob Dylan dar, der sich später zum wiedergeborenen Christen wandelt. Ben Whishaw tritt als rebellischer Poet, der sich Arthur Rimbaud nennt, in Erscheinung und übernimmt eher kommentierende Funktion. Richard Gere spielt - sehr außergewöhnlich für ihn - den alternden Outlaw Billy The Kid in einer absurden Wildwestkulisse.

Der heimliche Star des Films ist allerdings der gerade 15-jährige Marcus Carl Franklin, der einen landstreichenden Afroamerikaner spielt, der sich Woody Guthrie nennt. Dylan war ein großer Bewunderer des 1967 verstorbenen Singer/Songwriters. Franklin füllt seine Rolle dermaßen glaubwürdig und gleichzeitig angenehm altklug aus, dass er sich keineswegs hinter den großen Stars verstecken muss.

Das Problem mit "I'm Not There": Wer sich nicht gut mit Dylans Leben auskennt, ist stellenweise aufgeschmissen. Zu fragmentiert ist der Film, zu uneindeutig sind die einzelnen Stücke zusammengesetzt. Dennoch halten die 135 Minuten genug unterhaltsame Momente, surreale Begegnungen und vor allem Musik bereit, so dass sich der Kinogang auf jeden Fall lohnt.



Der Soundtrack zum Film erscheint bei Sony BMG. Auf zwei CDs interpretieren hier zahlreiche Künstler Klassiker und unbekanntere Aufnahmen des Altmeisters neu. Mit dabei sind, um nur einige zu nennen: Eddie Vedder, Sonic Youth, Calexico, Karen O, Jeff Tweedy, Tom Verlaine oder Jack Johnson.

Vor diesem Hintergrund ruft der Filmverleih Tobis zum Dylan-Coverwettbewerb auf. Wer mitmachen will, sucht sich einfach einen Dylan-Song aus, covert ihn und lädt ihn als MP3 in sein Myspace-Profil. Dann hinterlässt man unter www.myspace.com/imnottherederfilm einen Kommentar, in dem man auf seine Version hinweist. Der Einstellschluss ist der 22. März, der Gewinner des Contests erhält musikalisches Gerät im Wert von 5000 Euro.

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8 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Hab den Film bereits gesehen und bin sehr begeistert! Wer vorher nen bisschen Dylan-Bio studiert hat, kann sich voll und ganz auf die brilliante Darstellung der Schauspieler konzentrieren. Der Film versprüht durch seine unkonventionelle Erzählung Indi-Flair und die musikalische Untermalung ist perfekt.

  • Vor 9 Jahren

    Ich hab' den Film auch (bereits gestern) gesehen. Komisch, der schien da auch schon mehrere Tage im Programm gewesen zu sein ...

    Na egal. Ich finde ihn jedenfalls ebenfalls großartigst! Wie schon im "Zuletzt gesehen"-Thread geschrieben: Ich liebe diesen Film gerade, weil er nicht mit der Aneinanderreihung biographischer Fakten nervt oder die Konzerte, Platten und Ereignisse noch mal Revue passieren lässt, damit der Zuschauer genüsslich seine eigene Fan-Vergangenheit abfeiert. Mal ganz abgesehen davon, dass es sich um einen nach wie vor kreativen Songschreiber handelt: Der hat sich noch nie für die Einrichtung von irgendwelchen "Schreinen" geeignet.

    Das "Publikum" kommt ohnehin und zurecht schlecht bei diesem Film weg: Am offensichtlichsten bei den berüchtigten Judas-Rufen in Manchester. Aber auch Aussprüche wie "Folk ist was für Fette" sind ja eigentlich an die Adresse derer gerichtet, die diese schillernde Künstlerfigur auf irgendwas dingfest machen wollen, vor irgendeinen Karren spannen wollen. Ich erinnere mich noch an dieses seltsame einzige Dylan-Konzert in Ost-Berlin. Die halbe Stadt pilgerte da hin. Aber am nächsten Tag hieß es überall: Ach, warum hat er nicht mit seinem Publikum geredet? Als wenn es darauf ankäme. Mein Gott. Sowas kann auch nur erwarten, wer Puhdys- oder Ärzte-Konzerte toll findet.

    Ich finde es großartig, wie sich biografische Details, zeithistorische Momente und die Welt seiner surrealen Lied-Metaphorik in dem Film ineinanderschieben. Besonders natürlich das grandiose "Ballad of a thin man". Und das immer im Wechsel mit den Trivialitäten des normalen Lebens - den Eheszenen zum Beispiel oder dem besonders gelungenen Teil in der Kirche: Da ist in wenigen Minuten die ganze banale Tragik seiner jahrelangen religiösen Phase zusammengefasst.

  • Vor 9 Jahren

    ne gute suppe braucht kein maggi. :D

  • Vor 9 Jahren

    Eine Einschränkung muss man zu dem Film allerdings machen: Die Synchronisation ist schlecht. Da ist man beim Original (bzw. mit Untertiteln) sicher besser beraten. Ich hab' gestern einfach das nächst beste passende Kino angesteuert, um den Film zu sehen. Da ich ihn ohnehin so schnell wie möglich nochmal sehen will, werde ich zusehen, dann eine Originalversion zu erwischen.

    Zu dem laut-Text übrigens nochmal:

    Zitat (« Der heimliche Star des Films ist allerdings der gerade 15-jährige Marcus Carl Franklin, der einen landstreichenden Afroamerikaner spielt, der sich Woody Guthrie nennt. »):

    Ja. In der Tat. Es gibt einige wunderschöne Szenen. Sorgfältig und liebevoll gemacht bis ins kleinste Detail. Man meint geradezu, das Holz oder die Nachtluft riechen zu können. Das kontrastiert dann wieder sehr eindrucksvoll mit den (auch optisch) unterkühlten und bornierten Intellektuellen-Parties und -Gesprächen ... also kurz und gut: Herausragend. Tiefgründig. Viel zu einzigartig, um irgendeine Zahlenwertung abzugeben.

  • Vor 9 Jahren

    @Kukuruz (« Eine Einschränkung muss man zu dem Film allerdings machen: Die Synchronisation ist schlecht. Da ist man beim Original (bzw. mit Untertiteln) sicher besser beraten. Ich hab' gestern einfach das nächst beste passende Kino angesteuert, um den Film zu sehen. Da ich ihn ohnehin so schnell wie möglich nochmal sehen will, werde ich zusehen, dann eine Originalversion zu erwischen. »):

    das konnte ich leider nicht beurteilen, ich hatte auch das original gesehen. der deutsche trailer ließ allerdings schon nichts gutes erwarten ...