laut.de-Kritik

Der Leibhaftige teilt aus, über 22 Runden hinweg.

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Gesucht und gefunden: Dass Brenk Sinatra und Morlockk Dilemma aufeinander treffen, erschien bloß wie eine Frage der Zeit. Die Kombination hält, was sie verspricht: übermenschliches Gespitte auf breit gebauten Beats.

Schon das "Intro Teil 1" kündet von einem ungleichen Kampf: Morlockk gegen dich. Dein Kontrahent betritt den Ring, doch du weißt schon vor der ersten Runde, wenn ihr euch bei "Geiselhaft" tief in die Augen schaut, dass du keine Chance hast. Das soulige Gitarrensample und der leidende Bass zeugen von einem gebrochenen Mann, der kein Erbarmen haben wird, mit niemandem.

Zum Aufwärmen gibt dir Morlockk gleich eine "Kopfnuss": "Bums' deine Fotze durch den Gang, film' es auf Betamax / Sie schreibt mir Liebesbriefe auf Papier mit Herzchenmotiv, und du kannst nix ficken wie ein Hermaphrodit / es ist der Leibhaftige, der dich im Zeitraffer boxt / Morlockk geht in die Kirche und das Weihwasser kocht." Der Leibhaftige teilt aus, 22 Runden lang, bis du erschöpft zu Boden gehst und der Sieger seinen eisernen Fuß triumphal auf dein Gesicht stellt.

Die Ode an den Schlagring, "Der Sauresgeber", zeigt: An dem tiefschwarzen Humor und der Aggression hat sich nichts geändert. "Samstag Nacht gibt es Palaber vor der Sparkasse / Ein Schlag, schon fließt rote Farbe durch die Ratsgasse / und wieder schrieb die genialste aller Schlagwaffen ein neues Kapitel im Opus Magnum meiner Strafakte."

Auch die Wortgewalt, mit der Morlockk sein Anliegen ins Gesicht schmettert, ist immer noch dieselbe: "Doch heute kriegt ihr Besuch, es ist der Peter zum Pan / Ich kam durchs Schlafzimmerfenster an jenem Spätsommertag / Deine Perle sitzt auf dem Bett, studiert den Ehevertrag / Und kriegt den Eisprung in Erwartung meines Genmaterials." ("Geschenk An Die Welt")

Die Gäste auf der Doppel-EP, die man auch locker in zwei Alben hätte teilen können, machen ebenfalls, was sie am besten können: spitten. Karate Andi frisst Nachgeburten auf "Abschiebehaft", Audio88 und Yassin kommen im Halleluja-Flow daher, und Hiob erscheint wie immer als Morlockks kleiner Bruder.

Auch wenn es nachvollziehbare Gründe für eine Abneigung gegen MC Bomber gibt, so kann man ihm nicht vorwerfen, dass er nicht mit Worten umgehen kann. "Nenn' mich Khan, meine Lines sind die Reiter des Unheils / Deine Gurkentruppe flieht, sie ist zum Scheitern verurteilt / Der Zorn Gottes zeigt sich mit Gewitter erkenntlich / Ihr seid mit Twittern beschäftigt, während ihr bitter verendet", reimt Bomber, während er zusammen mit Morlockk für "Eisbein Und Grasovka" tötet.

Natürlich erfinden Morlockk und Betty Ford Boy Brenky das Rad nicht neu. Die beiden Protagonisten liefern erwartbare Ware, auch in den Nebenrollen gibt es keine Überraschungen. Doch liefert genau diese Beständigkeit den Grund, weshalb die "Hexenkessel EP I & II" so überragend ist. Beats aus der Zeitmaschine, keiner gleicht dem anderen, und doch ergeben sie ein mehr als stimmiges Bild.

Dazwischen immer wieder die typischen Filmschnipsel und Dialogfetzen, die aus Brenks und Fid Mellas Chop Shop-Reihe übrig geblieben scheinen. Die Texte des Leipzigers: wie immer schwere Kost. Intelligente Analogien auf das Leben in der Unterschicht, gepaart mit einer ordentlichen Portion Zynismus, und Reime, die alles andere in den Schatten stellen. Dabei macht sich der Eiserne Besen bereit für den nächsten Gegner.

Trackliste

  1. 1. Into Teil 1
  2. 2. Geiselhaft
  3. 3. Jesus Skit
  4. 4. Kopfnuss
  5. 5. Jack
  6. 6. Interlude
  7. 7. Abschiebehaft
  8. 8. Der Sauresgeber
  9. 9. Auflehnung Skit
  10. 10. Hochhausrotwelsch
  11. 11. Vorhang Teil 1
  12. 12. Intro Teil 2
  13. 13. Augenweide
  14. 14. Verlangen Skit
  15. 15. Geschenk An Die Welt
  16. 16. Eisbein Und Grasovka
  17. 17. Interlude
  18. 18. Cognac
  19. 19. Fadenkreuz
  20. 20. Stellungnahme Skit
  21. 21. Hexenkessel
  22. 22. Vorhang Teil 2

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