laut.de-Kritik

Über zehn Stunden harte Glamrock-Power.

Review von

Mit dem bereits dritten Teil ihrer "Kissology" lassen Kiss nach Vol. 1 und Vol. 2 Fans und Sammlerherzen erneut höher schlagen. Ebenso liebenswert überkandidelt wie die Band auch die Laufzeit der vorliegenden Box: die US-Rocker bieten hier über zehn (!) Stunden Live-Material von 1992 bis, darunter eine separate Bonus-DVD mit einem 16 Songs umfassenden 96er-Auftritt aus dem weltberühmten Madison Square Garden.

Es beginnt ungeschminkt: auf DVD 1 präsentiert sich die Band ohne das gewohnte Glam-Outfit bei Auftritten in Detroit (1992), und anlässlich eines Unplugged-Konzerts im Rahmen von MTV (1995). Als Ergänzung gibt es dazu ein separates Special mit Behind The Scenes-Eindrücken.

In ihrer schlichten Lederkluft wirken die Jungs um Paul Stanley wie so manch handelsübliche Muckerkollegen aus der Hartwurstabteilung. Doch nur auf die Optik bezogen!

Gewohnt zur Sache geht es dann auf DVD 2. Im Rahmen der Reunion Tour 1996 lassen es Kiss zu Classics wie "Christine Sixteen" und "Rock And Roll Allnite" richtig krachen. Dem schließt sich eine weitere, fünf Songs umspannende Performance für MTV an.

Mit "New York Groove" enthält der Auftritt eine herrlich stampfige Version des Megahits der britischen Teen-Band Hello aus dem Jahr 1975. Und ruft so besonders jene von Flitter begleitete Ära in Erinnerung.

Von den einstigen Glamrock-Helden von Beginn bis Mitte der Siebziger zählen Kiss zu den ganz wenigen, wahren Überlebenden. Damals zeitgenössischen Acts wie Hello, Mud oder Slade waren zumeist weit kürzere Karriere-Zeiten beschieden.

Marc Bolan (T.Rex) und Brian Connolly (The Sweet) spielen längst im Rock'n'Roll-Himmel. Als direktes Survivor-Pendant taugt da eigentlich in Sachen Bekanntheitsgrad nur David Bowie.

DVD 3 beschert mit drei Konzert-Parts von 1998 bis 2000 dem Fan erneut alles, was das Herz begehrt. Blitz, Rauch und Donner vernebeln die Bühne, in sprühendem Funkenregen lässt Gene Simmons seiner Zunge freien Lauf.

Stimmung im Publikum, wenn Paul Stanley während "Love Gun" in bester Tarzan-Manier an ein Seil geklammert über die Zuschauer gleitet, um sie dann mit seinen Gesangs-Parts auf einer kleinen Solo-Bühne zu beglücken. Kiss sind und bleiben einfach die wahren Monsters Of Rock.

Doch auch Ungetier hat mal klein angefangen, das belegt DVD vier mit einem frühen New Yorker Club-Auftritt aus dem Jahr 1973. Nur was für wirklich hartgesottene Fans: schäbiges, scheddriges, unklares S/W-Bild, eine festgezurrte Kamera, die nur rumpelige Zooms zulässt, und ein wahrhaft grottiger Sound. Wer das als Zuschauer in voller Länge übersteht, hat sich seine Flasche Fledermausblut zur Erholung redlich verdient.

Der komplette Rest der Box allerdings zeigt sich - mit natürlich altersbedingten Unterschieden - in guter Bild- und Tonqualität incl. Dolby Surround 5.1 bzw. Dolby Digital-Stereo-Sound. Informativ und eine gute Abrundung: das beiliegende, zwanzig Seiten umfassende Booklet mit allerlei Fotos und Liner-Notes der Musiker zu den vorliegenden Konzerten.

Über die künstlerische Bedeutung und die musikalische Klasse der Viererbande lässt sich streiten - oder eben überhaupt nicht, je nach Standpunkt. Da ist schon ein gewisser Status Quo feststellbar, der aber eben untrennbar mit dieser Band fest verbunden ist. Und den die Fans eben lieben, seit nun schon mehreren Dekaden.

Dabei geht es natürlich um die immergrüne Botschaft des glamdurchtränkten Hardrock: Fun und Party. Und das ist bei Kiss mit Songs wie "Calling Dr. Love" oder "Detroit Rock City" seit Jahrzehnten garantiert.

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Kiss

"You want the best? You got the best!" Wer diese Aussage in einer Konzerthalle um die Ohren gehauen bekommt, weiß, dass ihm gleich zwei Selbstdarsteller …

Noch keine Kommentare