laut.de-Kritik

Wächst mit jedem Tanzschritt. Und wächst. Und wächst.

Review von

Jagwar Ma versetzen das Vereinigte Königreich derzeit in Ekstase. Mit old Noel Gallagher haben die Australier dort sogar einen prominenten Fan, den sie selbst als eines ihrer größten Vorbilder betrachten. Vielleicht empfindet Gallagher die Musik aus Down Under als eine Fortschreibung seiner eigenen Madchester-Vergangenheit.

Das Trio aus Sydney liefert mit "Howlin" ein Mosaik. Eine manische Baggy-Party in der Echokammer. Eine dieser Platten, die uns so viel sagt, aber schlussendlich nicht zu greifen ist.

Doch weder heult das Trio uns auf ihrem Debüt irgendwas vor, wie der Titel nahelegt, noch möchte man selbst heulen. Eine solche Gefühlsregung wäre ja als Bekenntnis an sich viel zu direkt für die Herren um Bandkopf Jono Ma. Ein bisschen mehr Kreativität und Tüftelei im Soundbild muss es schon sein. Deshalb kriegt man das Album schwer unter den berühmten Genre-Hut: Detailreiche, elektronische Musik mit seichten Vocals – oder einfach nur verspieltes Madchester?

"Howlin" hat so seine Phasen und wirkt trotzdem wie aus einem Guss. Der erste Track "What Love" gehört zur ersten Sorte. An- und abschwellende Vocals und eine minimalistische Melodieführung geben die Richtung für den Rest des Langspielers vor. Auch wenn im folgenden "Uncertainty" seichte Gitarren und akustische Drums hinzu kommen: Der Sound bleibt tanzbar. Daran ändert die Übernahme der Gitarrenmusik im Mittelteil der Platte absolut nichts. Mit diesen psychedelischen, teils beachboys-esken Soundgeflechten erinnern Jagwar Ma teils sogar an eine clubtauglichere Version ihrer Landsleute von Tame Impala ("Come Save Me").

Als stünde einem der nasskalte Tanzschweiß nicht sowieso schon auf der Stirn, fährt mitten in dieses Indie-Intermezzo der kühle minimalistische Track "Four". Die Hüften bitte im Akkord weiterkreisen und am Ende zur slighten Bluesrock-Gitarre abspacken. Höhepunkt der Stilüberschreitung: "Exercise", das zunächst die Bassline des vorangegangenen Tracks irgendwie komplementär fortsetzt, sich dann aber plötzlich und unbemerkt vom organischen zum synthetischen Song wandelt.

Den Schluss und die Krönung in dieser Disziplin unternimmt "Backwards Berlin", das den Hörer in eine fast schon folkige Klangwelt entführt, klirrende Synths und Off-Beat-Klampfen erinnern an die Perfektion des Weirdo-Materials von Devendra Banhart. Klar, um dem Album auf voller Länge etwas abgewinnen zu können, mag es vielleicht eine Weile dauern. Doch gerade die zuweilen eingängigen Passagen sorgen dafür, dass "Howlin" mit jedem Tanzschritt wächst. Und wächst. Und wächst. Ganz ohne gejaule.

Trackliste

  1. 1. What Love
  2. 2. Uncertainty
  3. 3. The Throw
  4. 4. That Loneliness
  5. 5. Come Save Me
  6. 6. Four
  7. 7. Let Her Go
  8. 8. Man I Need
  9. 9. Exercise
  10. 10. Did You Have To
  11. 11. Backwards Berlin

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