Porträt

laut.de-Biographie

Inferno

Inferno gehört zu einer der wichtigsten deutschen Punkbands der Achtziger Jahre. Das Quartett besteht in wechselnder Besetzung von 1981 bis 1992 und stammt aus Augsburg. Während dieser Zeit veröffentlichen sie drei Studioalben, eine Live-Platte sowie diverse EPs und Singles.

Gegründet wird Inferno aus Langeweile im November 1981. Donald, der sich auch Howie nennt, Igor, Zong und PZ - vier Augsburger Punks - beschließen, im Übungsraum der Punkband Skandal ein wenig rumzulärmen. Wäre freies Improvisieren in Punkkreisen nicht so verpönt gewesen, könnte man sagen, Inferno wäre aus einem bierseeligen Jam hervorgegangen.

Einen ersten Name findet die Band schnell - nach einem Discharge-Song nennen sie sich Decontrol. Das musikalische Ziel (trotz mangelnder Fähigkeit, ihre Instrumente zu spielen): schneller und härter als alle anderen.

Igor hat bald keinen Bock mehr auf den simplen Dreiakkordsport und hängt die Gitarre an den Nagel. Howie vermutet später hinter seinem Ausstieg, dass er sich 1982 mehr in der Ted-Szene bewegt als in Punker-Zirkeln.

Für ihn steigt Archi Alert ein, der von der Gruppe Sexualstraftäter kommt. Ab 1993 ist er als Archie "MC" Motherfucker Frontmann der Terrorgruppe. Zong nimmt den Neuen unter seine Fittiche, und so kommt er mit den Vorbildern aus der Hardcore-Szene der USA in Berührung.

Schon bald benennen sich Decontrol in Inferno um. Unter diesem Namen absolvieren sie in der süddeutschen Provinz erste Auftritte. Auf einem Konzert der Gruppe Normahl lernt das Quartett Vier Thomas Ziegler kennen, der das Label Mülleimer Records betreibt.

Der lädt sie ungehört zu sich ins Studio ein und Inferno spielen die beiden Songs "Wir Sind Schon Tot" und "Nationalgefühl" ein, die auf einem Sampler von Mülleimer Records erscheinen. Ziegler signt die Band.

Noch im Jahr 1982 steigt auch Schlagzeuger PZ aus der Band aus, nachdem er das Üben über den für Punks tolerierbaren Rahmen hinaus schleifen lässt. Für ihn übernimmt Lorenz "Max" Praxenthaler, bandintern nur Praxe genannt.

Mit einem der Legende nach geklauten Mischpult nimmt Inferno ein erstes Demotape auf und verschickt es - in die USA. Dort kommt es den Fanzine-Schreibern von Maximum Rock'n'Roll zu Ohren, die drauf abfahren. Angeblich steht sogar Jello Biafra, Sänger der Dead Kennedys auf den Sound aus Bayern.

Ihr erstes Album spielen sie in 3 Tagen im Berliner Music-Lab Studio ein. Es trägt den Namen "Tod Und Wahnsinn" und erscheint 1983. Maximum Rock'n'Roll ist nach wie vor beeindruckt und fragt bei Inferno an, ob sie nicht einen Track für deren Sampler "Welcome To 1984" aufnehmen wollen.

In einer eintägigen Aktion fährt die Band erneut nach Berlin, um sechs neue Stücke aufzunehmen. Auf dem Sampler selbst landet "Perfekter Mensch". 1984 spielen Inferno erstmals Gigs in Holland und Belgien.

Im folgenden Jahr erscheint die "Son Of God"-EP sowie die Split-12" mit den Japanern von The Execute. Nach einigen Gigs in Südosteuropa und Westberlin bereitet sich Inferno im Sommer 1985 auf die Aufnahme ihres zweiten Longplayers vor.

Da sie zu dieser Zeit aber weder ihrem Manager Dolf noch Ziegler von Mülleimer Records vertrauen, trennen sie sich von beiden und produzieren "Hibakusha" im Alleingang. Der japanische Begriff Hibakusha wird im Land der aufgehenden Sonne in der Regel im Zusammenhang mit den Opfern der atomaren Bombenangriffe auf die Städte Hiroshima und Nagasaki benutzt und steht als Albumtitel schon vor den Aufnahmen fest.

Diese finden wie gehabt in Berlin statt. Die Scheibe wird mit geliehenem Geld finanziert. Howie kümmert sich um den Vertrieb, die restlichen Drei besorgen die Promo. "Hibakusha" kommt 1986 beim bandeigenen Label Rise & Fall Productions heraus.

Die Tracks für ihr 1987er "Live & Loud"-Album spielen Howie, Archie und Praxe während eines Gigs im Bielefelder AJZ ein. Zong muss auf Grund eines Bänderrisses passen und ist so gezwungen, seine Bassspur in einem Augsburger Studio unter Livebedingungen nachzuliefern.

Archi trifft im Sommer 1987 eine folgenschwere Entscheidung, als er auf der Flucht vor der Bundeswehr in die kriegsdienstfreie Zone Westberlin übersiedelt. Über die Distanz verliert er die Bindung an die Band und das verbliebene Trio trennt sich im Herbst des Jahres freundschaftlich vom Gitarrero.

Der spielt mittlerweile bei Nickanuke und Vellocet. Wie erwähnt, gehört er von 1993 bis 2005 der Terrorgruppe an. Für Archi steigt bei Inferno ein alter Freund Howies ein: Andreas.

Die Folge ist ein etwas härterer Sound und - was sicher nicht direkt mit Andreas zusammen hängt - ein Wechsel zum englischsprachigen Gesang. Mit Drummer Praxe läuft es mittlerweile nicht mehr so, deshalb schmeißen sie ihn raus und stellen dafür Inferno-Fan Rolf an.

Mit ihm nehmen sie 1989 die EP "Die Ruhe Vor Dem Sturm" auf, ein Jahr später folgt das dritte Studioalbum "It Should Be Your Problem". Wiederum auf deutsch erscheint im gleichen Jahr die EP "Geschöpf Ohne Hirn". Quasi posthum kommt 1991 die Single "Die Allerletzte ..." auf den Markt.

1990 ist erst mal Schluss mit Inferno, die Gruppe löst sich auf. Einen Reunionversuch gibt es 1992 in der Besetzung Howie, Kreso (Gitarre), Bernd (Bass) und Max am Schlagzeug. Dieser bleibt jedoch fruchtlos und Inferno fährt endgültig in die Gruft ein.

Im Jahr 2007 bringt das Label Destiny Records die Doppel-CD "Pioneering Work" mit allen drei Alben und diversen Einzelstücken heraus. Im Booklet erzählen Howie und Archi die Bandgeschichte nach.

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