laut.de-Kritik

Trotzreaktion mit demonstrativer Heftigkeit.

Review von

Nach dem durchwachsenen und zahnlosen Unarmed zeigen sich die Kürbisköpfe mit "7 Sinners" wieder bis an die Zähne bewaffnet. Es stand ohnein nicht zu befürchten, dass die Könige des gehoben melodischen Speedmetal zu Weichspüler-Hardrock überlaufen würden. Dennoch gestehe ich freimütig: Einen solch derben Härtegrad habe ich nicht erwartet. Mit den sieben Sündern liefern Helloween Edelstahl, so heftig wie nicht mehr seit dem honorigen "Walls Of Jericho".

Ist die demonstrative Heftigkeit reine Trotzreaktion in Bezug auf die allenthalben geäußerte Kritik an der Umsetzung des Acoustic-Albums? Oder vielmehr die befreite Rückkehr zu fettem Metal ? Schwer zu sagen. Letzten Endes ist die Antwort auf eine solche Frage wohl sekundär. Die Souveränität in der neuen Rauigkeit beantwortet schlussendlich alle Fragen.

"Are You Metal?" schleudert Andi Deris dem Publikum und der eigenen Band rhethorisch und ungewohnt grimmig entgegen. Natürlich seid ihr das! Einen solchen Zweifel gab es nie. Die anachronistischen Michael Cretu-Keyboards verpassen dem Song dennoch ein smartes Augenzwinkern. "Who Is Mr. Madman?" lädt danach zum typischen Pumpkin-Speed-Karussell. Der Track hat locker das Zeug zum Klassiker. Interessant, dass dieser charakteristische Song nicht von den alten Band-Hasen geschrieben wurde, sondern aus der Feder von Sascha Gerstner stammt.

Wer jetzt mit einem Album voller German-Melodic-Kracher rechnet, täuscht sich beträchtlich. Klassischer Heavy Metal zeitloser Prägung regiert über weite Strecken der Platte. Das ist dennoch kein Minuspunkt. Die leichte Genre-Variation steht den Hamburgern gut zu Gesicht. Vor allem zeigt sich, wie wichtig und befreiend der grenzüberschreitende Vorgänger trotz aller Schwächen für die sprudelnde Kreativität des Quintetts war. Anscheinend tut man sich jetzt nicht mehr schwer, auch unkonventionelle nichtmetallische Ideen originell in die Stücke einzubauen.

"Raise The Noise" ist so ein Fall. Inmitten des tobenden Metal-Sturmes taucht urplötzlich ein tolles 70er Querflötensolo auf, das dem konventionellen Track locker über die Hürde stählerner Konfektionsware hilft. Die Grosskopf-Komposition "World Of Fantasy" begeistert sicherlich jeden Fan, dem die Kiske Phase besonders am eisernen Herzen liegt. Das erkennbar als Dio-Hommage angelegte "Long Live The King" fügt dem Ganzen noch eine Prise alte Judas Priest-Schule hinzu. Das funktioniert spätestens ab dem dritten Hördurchgang prima und hätte dem großartigen Ronnie James sicherlich sehr gefallen.

Auf Albumlänge kann trotzdem nicht jede Komposition auf ganzer Linie überzeugen. Das textlich ambitionierte "You Stupid Mankind" fällt melodisch ein wenig ab und lässt einen zündenden Refrain schnell vermissen. Auch das episch angelegte "Far In The Future" trägt nicht über die komplette 8-Minuten-Distanz. Ideen für 10 Songs, leider ohne dramaturgisch notwendige Killerkulmination.

Dafür versöhnen "The Sage, The Fool, The Sinner" und "My Sacrifice" gekonnt mit hymnischer Wucht, die neugierig auf die Live-Umsetzung macht. Eine Ballade bringen die Kürbisköpfe auch diesmal. Hier zelebrieren Helloween ihre neue Vorliebe für filigrane Details. Besonders das unscheinbare und zarte Cello zu Beginn hat es mir besonders angetan. Das perlende Piano funktioniert dabei gut als klischeefreier Dialogpartner der Heavy-Gitarren.

Insgesamt kann man die Scheibe der Todsünden nur als gelungen betrachten. Sicherlich hätte es den einen oder anderen Füllsong nicht unbedingt gebraucht. Aber die neue Freude an gesunder Härte, gepaart mit äußerst smarten und genrefremden Arrangement-Details zeigen, dass man sich auch nach 26 Jahren Bandgeschichte keine Sorgen um eine etwaige metallische Midlife Crisis machen muss.

Trackliste

  1. 1. Where The Sinners Go
  2. 2. Are You Metal?
  3. 3. Who is Mr. Madman?
  4. 4. Raise The Noise
  5. 5. World Of Fantasy
  6. 6. Long Live The King
  7. 7. The Smile Of The Sun
  8. 8. You Stupid Mankind
  9. 9. If A Mountain Could Talk
  10. 10. The Sage, The Fool, The Sinner
  11. 11. My Sacrifice
  12. 12. Not Yet Today
  13. 13. Far In The Future

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12 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    Da müssen wir nicht lange diskutieren, sie ist schlicht Schwachsinn. Ich bleibe dabei, Helloween fahren diesen Stil seit einiger Zeit, Unarmed war ein Experiment, welches die Band einfach mal angehen wollte, weil sich der passende Zeitpunkt dafür bot und weil es einfach richtig sympathische Leute sind. Nach 25 Jahren Bandgeschichte seis ihnen gegönnt, "7 Sinners" macht da weiter, wo Helloween mit "Gambling with the Devil" aufgehört haben, sie schreiben Song mit Ecken und Kanten, haben durchaus nette Texte zu bieten und hauen einen Killersong nach dem anderen raus. Sie halten damit das Genre damit am Leben.

  • Vor 3 Jahren

    Für mich klingt die Einleitung eher so, als wäre die Möglichkeit halt grade da gewesen, das nochmal aufzuwirbeln, um nochmal Werbung in eigener Sache zu machen, um sich mit der eigenen Meinung zu profilieren. Ist halt schwer, wenn man nicht dazu in der Lage ist, Aussagen einer Band richtig aufzufassen, dann macht man eben das Mittel zum Zweck und schreibt eine vermeindlich passende Einleitung, die allerdings keinen Sinn ergibt.

  • Vor 3 Jahren

    @Anwalt: Orphaned Land sind allerdings eine riesige Ausnahme (in jeglicher Hinsicht). Bands aus der Ecke sind partout etwas politischer. Letztendlich ist das mit dem ernst nehmen oder nicht natürlich eine Sache, die wie Orang-Utan-Klaus sagte nicht vollends zu pauschalisieren.