laut.de-Kritik

Mystisch aufgeladener Indietronic ohne Tiefgang.

Review von

Karge Landschaft, hoher Himmel, ein paar verlassene Häuser und verfallene Industrieanlagen. Die Kälte sozialistischer Zweckbau-Architektur trifft auf die klirrende Kälte des Nordpolarmeeres. Die Ortschaft Pyramiden auf Spitzbergen bietet einen tristen Anblick, der aber auch eine romantische Seite hat. 80 Jahre lang lebten in der sowjetischen Bergarbeitersiedlung knapp 1.000 Menschen, 1998 verließen mit der letzten Lore Kohlen auch die letzten Einwohner die Stadt. Heute ist sie Faszinationsort für Touristen. Und für Efterklang.

Die zum Trio geschrumpfte Band besuchte die Siedlung und ging auf Klangjagd. Etwas von der magischen Anziehungskraft der modernen Ruinen hat sie von Kopenhagen aus noch einmal 2.500 km nordwärts getrieben. Sounds wie die eines alten Flügels oder von Ölfässern haben sie dort gefunden und in ihre neuen Lieder integriert. Nur: das merkt man kaum. Die Field Recordings sind derart stark bearbeitet und sparsam eingesetzt, dass sie kaum einen Song dominieren und nur selten etwas wirklich fremd oder neuartig klingt.

Efterklang bleiben also trotz der mehr als 1.000 Aufnahmen, die sie aus Pyramiden mitbrachten, ihrem Coldplay meets Trentemøller-Sound treu. Zwar haben sie mit "Apples" oder "Black Summer" einige ihrer besten Songs geschaffen. Das Potential der zahlreichen Field Recordings nutzen sie aber nicht aus.

"Apples" mit seinem Shuffle-Beat und dem seltsam übersteuert klingenden Klavier besitzt eine gewisse Spannung. "Black Summer" sorgt mit seinen Bläsern und der zwischen Dissonanz und Konsonanz schwankenden Dynamik für eine Prise Ungeduld.

"Sedna" hingegen bietet bis auf den zarten Basslauf wenig Zwingendes, fließt halt so dahin. Dasselbe bei "The Living Layer", das beatlos und mit sphärischen Synthies ins Leere läuft. Da passiert einfach nichts. Da findet sich nichts, was einen überzeugen könnte, länger zuzuhören. Nicht nur der Gesang, die Lieder insgesamt sind unglaublich wehleidig, was allein nicht schlimm wäre. Aber sie sind das auf eine sehr zähe und schlicht langweilige Weise.

Nicht erst seit dem Anbruch des digitalen Zeitalters bieten Field Recordings die Möglichkeit, nicht wie die restlichen 90 Prozent zu klingen, die alle auf die gleichen vorgefertigten Sounds zurückgreifen. Dafür hätten Efterklang sich allerdings etwas weiter aus ihrer comfort zone wagen müssen. So klingen viele Songs immer noch nach den restlichen 90 Prozent. Über weite Strecken klingt die Platte zudem übertrieben getragen und aufgeblasen. Wer in "Piramida" gar ein Meisterwerk erkennt, lässt sich vom pathetischen Überbau der Platte blenden.

Mit der Geschichte vom verlassenen, langsam verfallendem Inseldorf haben Efterklang ihre Platte lediglich mystisch aufgeladen. Die helle, klare Klangsprache der Band passt ja auch ausgezeichnet zum kaltblauen, glasklaren Himmel und Ozean von Spitzbergen, wie sie in unserer Vorstellung existieren. Und sicher kann man angenehme Winterabende in der warmen Stube damit verbringen. Zu mehr reicht es aber nicht.

Trackliste

  1. 1. Hollow Mountain
  2. 2. Apples
  3. 3. Sedna
  4. 4. Told To Be Fine
  5. 5. The Living Layer
  6. 6. The Ghost
  7. 7. Black Summer
  8. 8. Dreams Today
  9. 9. Between The Walls
  10. 10. Monument

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3 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    Verstehe die Bewertung des Rezensenten nicht. Meiner Meinung nach hervorragende Platte, die den Vorgänger in Sachen Detailverliebtheit und tiefsinniger Melancholie noch übertrifft.

  • Vor 5 Jahren

    Ich finde das Album inkl. den Ethonaanleihen wunderbar chillig.
    Der "Rezensent" sollte mal von seinem hohen Roß runterkommen und auf Publikumsbeschimpfung verzichten, die mehr über ihn aussagt, als über das rezensierte Album - "Wer in "Piramida" gar ein Meisterwerk erkennt, lässt sich vom pathetischen Überbau der Platte blenden." - aber sonst geht es gut, ja?
    Nochmal genau hinhören würde auch nicht schaden. Aber das ist heutzutage bei "Rezensenten" wohl zuviel verlangt.

  • Vor 5 Jahren

    @Quetschkommodeee: Schön ausgedrückt, stimme dir voll zu.
    Ich finde, dass Efterklang hier ein gelungenes Album kreiert haben.

    Aber abgesehen davon ist diese Rezension wirklich ziemlich dreist.
    Natürlich ist das Bewerten von Musik eine rein subjektive Sache und daher sollte es einem egal sein, was andere schreiben. Man sollte sich als der, der die Bewertung abgibt aber auch nicht als allwissende Koryphäe des guten Musikgeschmacks darstellen. Es ist nur eine persönliche Meinung, nicht mehr und nicht weniger.
    Aber der Rezensent suggeriert hier, dass jeder der hier ein großes Album sieht, sich blenden lässt.

    Für mich ist es zwar auch kein Meisterwerk aber wenn man dieses oder irgendein anderes Album für ein Meisterwerk hält, dann ist das eben so. Das hat nichts mit ''blenden lassen'' zu tun.
    Das ist einfach eine subjektive Wahrnehmung der Musik.

    Laut.de hat einem Pur Album 5 von 5 Punkten gegeben.
    Hätte ich zwar wahrscheinlich nicht so gemacht aber ich würde trotzdem nicht auf die Idee kommen jemandem zu sagen, dass er sich da blenden lässt.
    Wenn das laut.de eben so gut gefällt, ist das doch schön und ich freue mich.
    Das ist doch das wunderbare an der Musik ! (Sollte jetzt keine Moralpredigt werden :)