laut.de-Kritik

Future dribbelt Drake schwindelig.

Review von

Don't believe the hype? Im September 2015 pushen Drake und Future mit ein paar Kollabo-Tweets das Internet ans Limit wie Rick Ross. Und lassen es dann mit der wahrhaftigen Veröffentlichung des iTunes-Mixtapes "What A Time To Be Alive" explodieren. Talk the talk, walk the walk, doch taugt das Tape überhaupt, Hype hin, Hype her?

Nach mehrmaligen Durchläufen ist klar: Future hat hier trotz Drakes Superstarstatus ein Heimspiel. Trap-Mastermind MetroBoomin holt minimalistisch-hypnotische Bass-Monster aus den Maschinen und ab geht es als Gangster in den Club, Fuffies in die Luft. Bereits im Opener "Digital Dash" dribbelt Future seinen Drizzy in der Telefonzelle schwindelig.

"I was born to get this money in this life of sin / I bought up before they got my dog on murder again / See the fire come out the ass on the Lamborghini / When you say you love a nigga do you really mean it / When I was sleepin' on the floor you shoulda seen how they treat me / I pour the Actavis and pop pills so I can fight the demons."

"Big Rings" lädt Drake zwar mit prägnanter Hook ("Cause I got a really big team / And they need some really big rings / They need some really nice things / Better be comin' with no strings") ins Striplokal ein, doch als Future seinen Flow anwirft und harte Trap-Zeilen wie "I run with kidnappers, I'm talkin' 'bout kidnappers / I'm talkin' 'bout murderin' niggas, I'm talkin' 'bout carjackers / You just a battle rapper, I'm an official trapper / Niggas be droppin' subliminals, they're just some jibber jabber" droppt, rückt Drake wieder in den Hintergrund. Wie gesagt, so viel Gangsta Rap ist definitiv nicht Drakes Wohlfühloase.

Vielleicht liegt es daran, dass das Projekt für den 6 God aus Toronto das "fastest we've pulled something together" war. Er und seine noch verbliebenden Ghostwriter brauchen anscheinend länger als Hendrix alleine. Man kann auch nicht sagen, dass die Chemie zwischen beiden mies wäre, ganz im Gegenteil. Auf "Live From The Gutter" zum Beispiel drosseln Boi-1da und Metro Boomin Drake-genehm das Piano und die Lyrics werden nachdenklicher. Der Song funktioniert, doch trotzdem mixt im Endeffekt genau einer die Drogen von Molly bis Koka: Future.

Einzig beim Ausnahmetrack des Albums - "Diamonds Dancing" – agieren die Zwei auf Augenhöhe und liefern einen, wenn nicht den, Top-Hit des Jahres ab. Über einen luftigen Tune wird sich croonend mit den schönen Dingen des Lebens duelliert. Future ist "sipping on Dom Perignon for no reason" und feiert "in the middle of the club, no jersey" ordentlich ab, während Drake seiner Frau schon mal die Leviten liest, sie nach seiner Rückkehr von der Tour nicht zu nerven ("And you know what I need from you when I get home
You better not be on the phone / Talking up a storm like you usually do / Talking up your friends like you usually do / Telling them I never spend time with you / It's hard to find a time we been
").

Ab Mitte des Mixtapes merkt man die Kurzfristigkeit jedoch auch Future deutlich an (bei "Scholarships", "I'm The Plug" oder "Jumpman"). Einzig das von Produzent Neenyo smooth inszenierte "Plastic Bag" sticht noch einmal krass hervor. Drake blüht wie gehabt auf seinen Sounds auf und Future beißt sowieso alles weg wie ein Monster.

Nachdem sich die Nebelschwaden des Marketings verzogen haben, wird sichtbar: "What A Time To Be Alive" ist die zweite, gute Future-Scheibe im Sommer – nur eben mit vielen Drake-Features - die vor allem mit "Diamond District" das Wouldacoulda-Klassiker-Potential eines ausgereiften Kollabo-Albums des Duos zeigt. Um mit dem Anfangsvers von Chuck D zu sprechen: "Don't believe the hype, it's a sequel".

Trackliste

  1. 1. Digital Dash
  2. 2. Big Rings
  3. 3. Live From the Gutter
  4. 4. Diamonds Dancing
  5. 5. Scholarships
  6. 6. Plastic Bag
  7. 7. I'm the Plug
  8. 8. Change Locations
  9. 9. Jumpman
  10. 10. Jersey
  11. 11. 30 for 30 Freestyle

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Drake

"I want the money. The money and the cars. The cars and the clothes. The hoes. I suppose I just want to be successful." Genauer wurden die kapitalistisch …

LAUT.DE-PORTRÄT Future

Komisch eigentlich, dass keinem Rapper vor ihm dieser einprägsame Künstlername eingefallen ist: Nayvadius D. Wilburn (* 1985) findet sein favorisiertes …

6 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Hat Drizzy echt Ghostwriter am Start? :suspect:

    • Vor 2 Jahren

      Soweit ich weiß sind es keine Ghostwriter sondern richtige Writer, da er in seinen Werken die jeweils in den Credits listet.

      Jedenfalls ist es nichts neues, dass Drake seine Texte nicht selber schreibt. Inwieweit das ganze offiziell passiert ist wieder 'ne andere Sache. Es gibt ja auch diverse Reference Tracks für seine Hits.

  • Vor 2 Jahren

    Totaler Rotz.Auch bei absoluter Taubheit, nur schwerlich zu ertragen !

  • Vor 2 Jahren

    Gibt's das Ding nur bei Itunes? Akzeptiert der Laden denn inzwischen Paypal?

    Ich bin nach wie vor kritisch. Von Drake hab ich bisher nur die ersten drei Mixtapes gehört. Die waren ganz ok, aber mir dann doch zu soft.

    Über Future muss man nichts sagen denke ich. Ganz klar man of the year.

    • Vor 2 Jahren

      Ja, bislang nur bei Apple Music und iTunes. PayPal nicht, soweit ich weiß. Ich mache das immer mit ClickandBuy.

      Man kann das Teil definitiv gut durchhören. "DS2" ist schon 'ne Stufe geiler, aber Future dominiert auch hier ordentlich. Die Review passt schon.

      Bin ja gespannt, was Baude dazu sagt. :D

    • Vor 2 Jahren

      Werd ich dann wohl auch so machen. Die nächsten Tage hab ich keine Zeit um beim Saturn 'ne Karte zu kaufen. Kann ich die Daten überall hinkopieren oder meckert der, wenn's bspw. weg vom Rechner mit Itunes und auf 'nen Androidhandy soll?

      Die Exklusivstreuung geht mir jetzt schon auf den Sack. Bei FWA war's genauso ätzend. Der Titel war auch etwas irreführend. Das hatte ich bei Livemixtapes runtergeladen und kurz darauf wurde es offline genommen, weil das FREE Weezy Album doch kein Free Album war, sondern Tidal Exklusiv.

      Ich bin gespannt. Dieses Jahr sah's bei mir in der Playlist in etwa so aus:

      1. 56 Nights
      2. DS2
      3. B4.DA.$$
      4. Beastmode
      5. Monster

      Future dominiert einfach. :D

      Baudes Wertung wird in etwa so aussehen:

      Drake = ungehört 1/5
      Future = 5/5

      Das ganze ergibt dann eine 3/5 und nach mühseligem herausschneiden der Drakeparts eine 4/5

    • Vor 2 Jahren

      Da bin ich leider überfragt. Ich nutze immer noch meinen völlig verkratzten iPod nano der 4. Generation, bis das Teil endlich mal den Geist aufgibt, und hab noch überhaupt keine Musik auf meinem Smartphone. :D

      Die Exklusivstreuung ist echt der Härtetest für die Käufermoral... Diesmal war es mir das aber wert. An Future führt 2015 ja mal definitiv kein Weg vorbei, auch wenn meine Playlist wohl nicht ganz so krass ausfallen würde. Da mischen Xatar, Celo & Abdi oder Teile des Dre-Albums auch ordentlich mit.

      Haha, könnte glatt hinkommen. :D Bin auf weitere Reaktionen gespannt.

  • Vor 2 Jahren

    Drake mixtape dieses Jahr war huge. Futures schreibe hat ich kein Zugang zu. Mal schauen was des kann, aber wenns future dominiert, ists eher nix...

  • Vor 2 Jahren

    Noch nicht angehoert. Mische mir aktuell sehr frueh schon 70 Tropfen Promethazin + 70 Tropfen Codein in die Sprite, um raus zu sein. Stress in den Strassen, Stress in der Beziehung, Stress mit der Therapeutin. Hoffentlich bald wieder dolo am rollen, dann bringe ich auch genug Motivation dafuer auf, Wheelchair Jimmy ausgiebig zu haten. Der fuck boy.

  • Vor 2 Jahren

    Das lief jetzt in den letzten Tagen doch recht haeufig, und gegen hooks von Drake hatte ich ja noch nie was. Aber sobald der anfaengt zu rappen.. es ist auch immer noch so: Chemie haben die 2 ueberhaupt keine, und Jimmy ist von den meisten beats einfach heillos ueberfordert.

    Reko hat es richtig vorausgesagt: 3/5 wegen Future und ohne Drake waeren es 4.