Porträt

laut.de-Biographie

Colos

"Nichts in der Welt ist so gefürchtet wie der Einfluss von Männern, die geistig unabhängig sind", zeigt sich Colos überzeugt. "Darum mach' Dich frei von Schlechtem, befrei' Dich von Klischees und Trugbildern, die Dir eingeredet werden. Sei independent und werde glücklich!"

Zu Colos' eigener Unabhängigkeit trägt sein verschlungener Lebensweg entscheidend bei. Seine Geschichte liefert ihm nicht nur reichlich Material für Rap-Songs. Sie führt auch zu einer Einsicht:

"Ich hoffe, dass ich Leute dazu bringe, endlich mal zu sehen, dass es keine Schande ist, zu sagen: 'Ich habe Fehler gemacht.'", so Colos gegenüber rap.de. "Die meisten brüsten sich damit, wie gefährlich sie sind. Das ist Schwachsinn.".

Statt auf den längst mit Volldampf auf die Wand zurasenden Gangster-Rap-Zug aufzuspringen, setzt Colos vor allem auf eins: Ehrlichkeit. Er schlägt eine Brücke zwischen Kulturen und zeigt schonungslos insbesondere eins auf: Gewalt erwächst aus Identitätsverlust und Perspektivlosigkeit.

Colos weiß, wovon er spricht. 1981 in Prizren im ehemaligen Jugoslawien geboren, kommt er, der den bürgerlichem Namen Adthe Gashi trägt, als Kriegsflüchtling nach Deutschland. In Berlin-Kreuzberg findet der Mann mit den kosovo-albanischen Wurzeln eine neue Heimat.

Das Idyll währt jedoch nicht lange: Mit 21 Jahren läuft seine Duldung aus. Colos wird Anfang 2002 in den Kosovo abgeschoben. 18 Monate hält er es dort aus, dann kehrt er nach Berlin zurück - illegal. Ein Leben in der Anonymität: kein Spaß. Colos lässt sich trotzdem nicht bremsen und macht sein anfangs nur hobby-mäßig eingesetztes Rap-Talent zum Beruf.

Er gründet ein eigenes Label, das wenig später in Worocs VS Recordz eingeht. Mit Woroc, den MC-Kollegen ST Pain, Chagome und dem Produzenten Kazanova bildet er zudem die Crew VS Mafia. Sein Solo-Album "Honigblut" erscheint 2006.

Doch Colos bemängelt die Vertriebsstrukturen. Inzwischen hat er Sami Ben Mansour kennen gelernt und wechselt kurz darauf zu dessen Label Mellowvibes. An seinem zweiten Longplayer ist unter anderem Legende Afrika Bambaataa beteiligt: "Ich habe großen Respekt vor dem Mann. Denn er ist für mich der Koloss des Hip Hop, der Urvater."

Nach nur zwei Monaten liegt Colos "Leben Im Exil", sein zweiter Longplayer, fertig vor. Doch selbiges zerrt an den Nerven. Im Herbst 2007 ist die Grenze erreicht: Colos stellt sich den Behörden und wird im November zum zweiten Mal in den Kosovo zurück befördert.

Diesmal dauert es nur neun Monate, ehe er - dafür aber mit gesichertem Aufenthaltsstatus - nach Deutschland zurück kehren darf. Seine Frau, die ihm während der ganzen Zeit über die Treue hält, zollt er offen Dankbarkeit.

Colos agiert gleich nach seiner Rückkehr im Rahmen des Projekts "Deutschlands Vergessene Kinder", wo er seine Erfahrungen bestens gebrauchen kann. Besonders diesen entwurzelten Jugendlichen gilt sein Rat: "Mach' Dich frei von Schlechtem, befrei' Dich von Klischees und Trugbildern, die Dir eingeredet werden. Sei independent und werde glücklich!"

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