laut.de-Kritik

Auftritt mit Orchester in mäßigem Klanggewand.

Review von

Die Idee klingt verlockend: Um ihr neues Album "Algiers" vorzustellen, traten Calexico im Juni 2012 in Wien und Potsdam mit klassisch anmutender Begleitung auf. Einmal mit dem Radio-Symphonieorchester Wien, das andere mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Zur Setlist gehörten nicht nur Stücke aus ihrer neuen Scheibe ("Epic", "Para", "The Vanishing Mind", "Fortune Teller"), sondern auch der eine oder andere 'Hit' aus der Vergangenheit.

Dazu zählt auch der Opener, der leider die zwei wesentlichen Schwachpunkte der Sessions aufzeigt. Das ist einerseits der dumpfe Sound, der auch im weiteren Verlauf nicht wesentlich besser wird, andererseits die Mühe, die Sänger und Gitarrist Joey Burns hat, stimmlich mitzuhalten. So, wie er gegen Ende des Openers fast schon brüllt, muss es Probleme gehabt haben, sich selbst zu hören.

Mit einem Orchester auf der Bühne zu stehen ist auch nicht so einfach wie mit der eigenen Band, schließlich ist es aufgrund der Anzahl an Instrumenten träger und auch lauter. Dabei zeigt "Frontera/Trigger" auch, wie viel Arbeit hinter dem Projekt steckte, denn die Orchester dienten nicht lediglich als Keyboardersatz, wie so oft in solchen Fällen, sondern durften auch eigens komponierte Passagen einstreuen.

Kaum überraschend klingt das Gefüge zwischendrin arg nach Filmmusik, ganz deutlich in einem der besten Stücke der Band, "Black Heart". Es wäre nicht weiter verwunderlich, wenn die Produzenten der James Bond-Schmonzetten bei Calexico anklopfen würden, um sich diese Version auszuleihen.

Das grandiose "Minas De Cobre", im Original ("The Black Light", 1998) mit einer Schreibmaschine als Taktgeber, könnte dagegen in einem Spaghetti-Western unterkommen. Ennio Morricone hat hier deutliche Spuren hinterlassen. "Inspiracion", samt spanischen Text, klingt dagegen eher wie ein kubanisches Stück.

Bevor das Album mit zwei Nummern aus "Algiers" endet, sorgen Calexico mit "Crystal Frontier" noch für eine kleine Überraschung – aus dem mitreißenden Original ist zwölf Jahre später eine melancholische Ballade geworden. Zumindest zu Beginn, denn in der zweiten Hälfte haben die Bläser ihren großen Einsatz.

Ursprünglich als Beigabe der Deluxe-Ausgabe von "Algiers" erschienen, kommt "Simpatico" nun auch als eigenständige Scheibe auf den Markt. An sich keine verwerfliche Sache. Schade nur, dass die Klangqualität nicht mit dem schönen Cover mithalten kann. Und dass Paul Niehaus, der grandiose Pedal Steel-Gitarrist, nicht mit von der Partie war.

Trackliste

  1. 1. Frontera/Trigger
  2. 2. Epic
  3. 3. The News About William
  4. 4. Black Heart
  5. 5. Minas De Cobre
  6. 6. Inspiración
  7. 7. Two Silver Trees
  8. 8. Para
  9. 9. Quattro
  10. 10. Crystal Frontier
  11. 11. The Vanishing Mind
  12. 12. Fortune Teller

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1 Kommentar

  • Vor 4 Jahren

    Die 3 Punkte gehen voll in Ordnung. Ich vermute mal stark, dass einfach zu wenig Zeit zum Rehearsal oder gar Soundcheck war. Insbesondere merkt man das, wenn man sich die jeweils andere Variante der Songs anhört (also zum Beispiel Crystal Frontier mit dem FM4 Orchester -> gibt's auf Youtube). Das Orchester ist da stellenweise so dermaßen daneben, man kann das Unwohlsein auf der Bühne regelrecht spüren. So klingt die CD dann auch.
    Und ja, Joey hat schon mal souveräner gesungen.
    Als Bonus zu "Algiers" ein nettes Zuckerl für die Fans, alle anderen greifen lieber zu "World Drifts In (DVD)".