laut.de-Kritik

Hatten wir das nicht schon hundertmal - und besser?

Review von

Man kann den Herren Jon Bon Jovi, Richie Sambora und Co. ihren seit dem "Bed Of Roses"-Hype stur verfolgten Herzschmerz-Pop-meets-Bubbles-Rock-Weg eigentlich nicht übel nehmen. Warum sollte man an irgendeiner Kreuzung abbiegen, wenn die Geradeaus-Schilder mit Millionen-Verkäufen und gefüllten Stadien locken?

Und so tuckern die amerikanischen Mainstream-Könige auch anno 2013 ohne Lenkrad über die Highways von New Jersey und hinterlassen dabei massenhaft gebrochene Herzen und aufgeweichte Tissue-Vorräte bei betagten Schwiegermüttern der Jahrgänge 1960 – 1970.

Der alte "Slippery When Wet"- und "New Jersey"-Lack ist schon seit Jahren ab. Worum es im Hause Bon Jovi seit mehr als zwei Dekaden eigentlich nur noch geht, ist die Hoffnung, dass sich keiner im Stadion irgendwann mal am Schopfe kratzt und lauthals in die Runde fragt, ob vielleicht noch jemand da draußen das Gefühl hat, dass sich das Schaffen der Herren auf der Bühne nur noch im Kreis dreht. Sollte dem nicht so sein, werden die Massen auch das zwölfte Studioalbum der Band uneingeschränkt abfeiern.

Der Grund dafür ist eine wiederholt massenkompatibel aufbereitete Melange aus aalglatten High End-Schunklern ("What About Now", "That's What The Water Made Me", "Beautiful World") und süffigen Schmalz-Arien ("Amen", "Thick As Thieves", "Room At The End Of The World", "The Fighter"), die alles auffährt, was dem gängigen 08/15-Poprock-Konsumenten lieb und teuer ist.

Trotz einem mit den Jahren immer kleiner werdenden Melodie-Haushalt, brauchen die Amerikaner keine lange Anlaufzeit um Gelegenheits-Musikliebhaber in ihren Bann zu ziehen. Kantenlos und auf Hochglanz poliert tischen die insgesamt zwölf neuen Songs ordentlich auf und geben sich redlich Mühe, jede auch noch so verwinkelte Arenaecke mit Singalong-Atmosphäre zu füllen. Dabei an vorderster Front: die Akustikgitarre und wummernde Keyboards. Richie Samboras Wah Wah-Attacken positionieren sich nur noch selten im Rampenlicht und auch das Schlagzeug von Tico Torres kam schon druckvoller um die Ecke.

Stumpf und eingelullt wird die Gefolgschaft bei Songs wie "Army Of One" oder "Because We Can" wieder die Hände in die Höhe reißen und schmachtend dürften sich Frauen in den Armen liegen, wenn Beauty-Bon mit angerautem Timbre am Mikro klebt und den Kämpfer mit Akustikgitarre mimt ("The Fighter"). Doch dann lässt sich plötzlich einer im Publikum auf die Schultern nehmen, kratzt sich dabei am Kopf und fragt die anwesende Anhängerschaft: "Hatten wir das alles nicht schon hundertmal? Und besser?" Ein Weckruf? Ein Aufruf zur Meuterei im rosaroten Bon Jovi-Reich? Ein eher unwahrscheinliches Szenario, aber wie heißt es doch so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Trackliste

  1. 1. Because We Can
  2. 2. I'm With You
  3. 3. What About Now
  4. 4. Pictures Of You
  5. 5. Amen
  6. 6. That's What The Water Made Me
  7. 7. What's Left Of Me
  8. 8. Army Of One
  9. 9. Thick As Thieves
  10. 10. Beautiful World
  11. 11. Room At The End Of The World
  12. 12. The Fighter

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23 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Sambora hat doch erst kürzlich ein weiteres Solo-Album veröffentlicht. Da sollte man sicher anhören - Stranger in This Town war durchaus hörenswert. Der kann ja schon, aber mit Bon Jovi verdient er eben seine Moneten.

  • Vor einem Jahr

    "Clap you hands" - Mucke für den Famlilienausflug ins Stadion. Eigentlich könnte John jeden Songs des Albums mit Up-in-the-Air-Klatsching, der Metal-Version des Bierzeltschunkelns, beginnen. Offenbar soll das Album als Lebenszeichen der Band den Fans signalisieren, wir kommen auch in Euer Stadion, schon diesen Sommer! Denn, und das ist BonJovi wohl völlig klar, damit kann man noch Geld verdienen, über den Verkauf dieses Albums eher kaum.

    Vieleicht ist es auch nur seltsam unauhtentisch, wenn einen ältere Herrschaften zum kumpelhaften Mitklatschen animieren wollen die 2 Stunden später mit 20 Bodyguards, Strecht-Limo und Privatjet wieder verschwinden. Wenn BonJovi immer noch das gleiche machen wie vor 25 Jahren, ist das keine Zeitreise sondern ein Deja-Vu, dummerweise ein ziemlich lebendiges. Nix dagegen wenn alte Knaben rocken, aber bitte so, dass man auch merkt, dass sie irgendwie älter geworden sind. David Bowie zeigt z.B. wie das geht.
    Ansonsten sitzen BonChauvi in 5 Jahren bei der RTL in Chart-Show, wenn'se nicht aufpassen...

  • Vor einem Jahr

    Bon Jovi
    ist schlicht kein Thema (mehr) - wer da ins Stadion geht, geht auch zu Mario Barth. Nuffsaid