laut.de-Kritik

Bonamassa, Hughes, Bonham und Sherinian in Hochform.

Review von

Mit sogenannten Supergroups im Rock- und Metal-Bereich ist das ja so eine Sache. Schon seit den legendären Cream oder der Nachfolge-Organisation Blind Faith. In einer 'normalen', handelsüblichen Rockgruppe gibt es Häuptlinge und Indianer und damit sind kreative und arbeitsintensive Aufgaben je nach Ambition und Charakter der diversen Mitspieler ausgewogen verteilt. Das wirkt meistens ausgleichend und stabilisierend. Wenn sich hingegen ausschließlich musikalische Alpha-Tiere um das Feuer versammeln, ist die Haltbarkeitsdauer solch einer Formation meistens ziemlich begrenzt. Im Normalfall fliegt das ganze Konstrukt nach ein, zwei, drei Jahren oder Platten wieder auseinander.

Die Rockhelden-Ansammlung Black Country Communion um Meister-Gitarrist Joe Bonamassa, Ex-Deep Purple-Sänger und Bassist Glenn Hughes, Dream Theater-Tastenmann Derek Sherinian und Led Zeppelin-Erbe Nummer Eins Jason Bonham am Schlagzeug hat vor ihrer Scheidung immerhin drei gute Studio-Alben und eine energievolle Live-Scheibe zustande gebracht, bevor man sich im Jahr 2013 trennte. Angesichts der Tatsache, dass alle vier Musiker genug andere Aufgaben haben, erschien es unwahrscheinlich, dass die Vier noch einmal zusammen kommen würden. Aber manchmal geschehen eben Wunder und so haben wir hier ein neues, kraftvolles Lebenszeichen von BCC vorliegen.

Schon das Cover verrät so etwas wie Aufbruchsstimmung. Denn statt der üblichen düster geheimnisvollen Krähen, die die anderen Alben zieren, startet diesmal ein orange-rot-goldener Phönix mit ausgebreiteten Schwingen in den Himmel. Dieses positive Signal ist bezeichnend für die Platte. Denn sie ist rundum gelungen und könnte für manch einen Fan die beste Leistung dieser Gruppierung darstellen. Gleich der erste Hör-Eindruck zeigt, dass dieses Werk deutlich ausgewogener, geschlossener, fließender, vielfarbiger und insgesamt viel mehr als Team-Leistung daher kommt als die vorigen Alben. Sherinian erhält mit seinen Keyboards viel mehr Anteile als früher, Glenn Hughes singt weniger extrovertiert. Joe Bonamassa verzichtet ebenfalls auf überzogene Solo-Eskapaden, sondern illustriert die Stimmung und den Charakter der Songs gekonnt mit unzähligen Klangfarben.

Die zehn Songs sind alle gut bis großartig. Der Starter "Collide" mit seinen markigen Led Zeppelin-Riffs, den psychedelisch angehauchten Mellotron-Flächen und dem tonnenschweren Bonham-Drumming kreiert eine selige Seventies-Nostalgie. Das rhythmisch tänzelnde "Over My Head" hätte auch auf die letzte Deep Purple-Scheibe gepasst, und zwar als Highlight. "The Last Song For My Resting Place" erinnert mit akustischen Gitarren und Geigen-Einlagen etwas an die Styx-Perle "Boat On A River", will aber auf eingeschobene Heavy-Parts nicht verzichten.

Sehr eindrucksvoll kommt das langsame und textlich tief berührende "The Cove" daher, in dem Glenn Hughes eindringlich das traurige und unmenschliche Schicksal der Delfine beschreibt, die alljährlich zu Tausenden an der Küste von Tajii in Japan in eine Bucht getrieben und dort grausam abgeschlachtet werden. Wann zur Hölle, wann werden die Menschen endlich damit aufhören, ihre Mitlebewesen unentwegt zu quälen, zu verachten und auszurotten? Stoßseufzer Ende.

Zurück zur Musik von BCC. "Wanderlust" stellt das Prachtstück des Albums dar. Locker flockig und mehr als acht Minuten lang. Hier darf Bonamassa, der über die größte Strecke der Scheibe richtig amtlich rockt, mehr die bluesige Seite seiner Gitarre rauslassen. Auf "Awake" hat er dann den Jimmy Page drauf und haucht diesem Stück ein Feeling ein, das dem verspielten dritten Album von Led Zeppelin nahe kommt. Es ist wundervoll!

Mit dem von Klaviertupfern und Akustik-Gitarren eingeleiteten, sich nach und nach zum romantischen Breitwand-Werk entwickelnden "When The Morning Comes" endet schließlich eine großartige Rock-Platte, die nostalgisch und zeitgemäß gleichzeitig klingt. Eine schöne Wiedervereinigungs-Leistung, die den Tag überdauern wird. Da bin ich mir sicher. Willkommen zurück, Black Country Communion!

Trackliste

  1. 1. Collide
  2. 2. Over My Head
  3. 3. The Last Song For My Resting Place
  4. 4. Sway
  5. 5. The Cove
  6. 6. The Crow
  7. 7. Wanderlust
  8. 8. Love Remains
  9. 9. Awake
  10. 10. When The Morning Comes

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2 Kommentare

  • Vor 29 Tagen

    Zuerst hört man Black dog, dann irgendwas, dann For your Live, dann springt man weiter nach hinten zu Wanderlust, welches wirklich mal eigenständig wirkt. Dann noch das angepriesen Awake, welches mit seiner einfältigen aber guten Melodie wirklich nicht auf die III gehört hätte. Eher auf die Coda. Warum musste es unbedingt ein Led Zeppelin Cover Album werden?

  • Vor 28 Tagen

    Mit der Stimme von Glenn Hughes werde ich mich nie anfreunden können.