laut.de-Kritik

Alles wovor der Metaller Angst hat.

Review von

Lob für Babymetal? Da stimmt doch was nicht. Oder können die Japaner(innen) am Ende tatsächlich was? Obwohl Babymetal weiterhin mit vorgeblicher Trveness protzen, sind sie nach wie vor so trve wie ein handsigniertes Zayn-Shirt. Doch eben genau darin liegt ihre Stärke.

(Genre-)Grenzen kümmern die Mädels und ihre Komponisten einen Scheiß. Während sie im Opener mit Trancecore liebäugeln und das besser machen als die meisten Genreveteranen, entern sie vier Songs später in "Meta Taro" das Wikingerschiff und reiten die Folkwelle. Ebenfalls um einiges gekonnter und weniger peinlich als die meisten Saufmetalkapellen dieser Welt. Es gibt Hintergrundgrölen, Rumgefidel und dazu sogar ein bisschen Weihnachtsmarktfeeling. Warum auch immer. Hauptsache es funktioniert.

Wieder ganz anders geht es in "Awadama Fever" zu. Der Prodigy-geschwängerte Track überfordert anfangs fast ein wenig mit totalem Reiz-Overload und dem doch recht hektischen Vocal/Backing-Zusammenspiel. Nach ein paar Durchläufen findet man aber auch hierzu Zugang und erfreut sich an den wilden Elektrobeats.

Davon existieren sowieso eine ganze Menge auf "Metal Resistance", das Metallische tritt bisweilen in den Hintergrund. "From Disk Till Dawn" basiert auf einem entspannten Beat, der einen wunderbaren Kontrast zum Outburst-Refrain bietet. Das Gegenprogramm liefert "Sis. Anger", das mit lupenreinem Death Metal-Riff einsteigt.

Der Höhepunkt des Wahnsinns ist schließlich mit "Tales Of The Destinies" erreicht. Super Mario Meets Barpiano, dazu ein wenig Dillinger Escape Plan, ständige Tempowechsel und Soli, die DragonForce neidisch machen würden (die im Opener "Road Of Resistance" übrigens selbst mitmischen). Am Ende steht versöhnliches Abspannklavier. Holla, was ein Ritt.

Zum Glück nimmt "The One" die Geschwindigkeit ein wenig raus. Das Klavier bleibt, gibt der Strophe die verspielte Grundlage zu Su-Metals Gesang — der Kern eines durch und durch hymnischen Stückes Musik. Würde mich nicht wundern, wenn damit nicht nur das Album, sondern zukünftig auch jedes Livekonzert endet.

Fehlt noch ein wichtiger Bestandteil: die Balladen. Davon besitzt "Metal Resistance" zwei. "No Rain, No Rainbow", in dem einmal mehr Pianoklänge den Ton angeben, begleitet von Streichern, und "Amore". Letzteres macht ob des Kitschafaktors seinem Namen alle Ehre, bietet dazu aber ein Gitarrensolo, das vom Großmeister Friedman höchstpersönlich stammen könnte. Die ruhigeren Passagen bieten zudem Su-Metals Stimme, die der Red-Bull-Charakter der übrigen Stücke fast ein wenig einengt, den verdienten Freiraum.

In gewisser Hinsicht ist das ein riesiges Durcheinander, dem Babymetal aber irgendwie ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Schon auf dem Debüt war der Sound klar erkennbar — ihre Trademarks bauen sie auf "Metal Resistance" weiter aus. Egal ob Dubstep-affin, poppig, im tiefsten Core oder Hochgeschwindigkeitsrausch — es klingt immer nach Babymetal. Teils wegen des immer noch gewöhnungsbedürftigen Quietschens Moa- und Yuimetals, besonders aber genau deshalb, weil die Musik zu keinem Zeitpunkt versucht, in eine Schublade zu passen.

Babymetal polarisieren, sind garantiert nicht jedermanns Sache — schon gar nicht die des gemeinen Metallers — doch sie rütteln auf, öffnen jede Menge Türen. Vor allem sind sie ein Phänomen von heute. Und vielleicht exakt die Frischzellenkur, die der Metal dieser Tage braucht.

Trackliste

  1. 1. Road Of Resistance
  2. 2. Karate
  3. 3. Awadama Fever
  4. 4. Yava!
  5. 5. Amore
  6. 6. Meta Taro
  7. 7. From Dusk Till Dawn
  8. 8. GJ!
  9. 9. Sis. Anger
  10. 10. No Rain, No Rainbow
  11. 11. Tales Of The Destinies
  12. 12. The One

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14 Kommentare mit 9 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

  • Vor einem Jahr

    Babymetal - Metal Resistance

    Du hörst auch jeden Scheiß. Wenn man Babymetal hört, gut findet und es in einem längeren Text versucht zu erklären, dann hat man nicht mehr alle sieben Sinne zusammen. Gelegentlich erweckt man gern den Anschein als wäre das so. Im großen und ganzen glaubt man ja an das Gute im Menschen auch bei sich selber.

    Von einer Überforderung bei Babymetal zu sprechen ist eine Bankrotterklärung gegenüber dem eigenen Verstand und damit dem Zugang zu Musik bzw. zulassen was bei Musik immer Grundzutat war und ist. Menschen, egal welcher Nation, egal welcher Bildung an Instrumenten, egal welcher äußerlichen Maskerade tragen ihre Töne zusammen und unterhalten uns. Am Rande mischen Menschen am Mischpult, gut geölte Manager, fette Label geben im Idealfall Geld aus für eine teure Produktion und schicken die neue Sensation durch die Lande und reihenweise kreischende und geifernde Musikjournalisten schreiben sich die Seele aus dem Leib. Meinetwegen dürfen sie alle auch anschließend in Ohnmacht fallen.

    Das ist das Monster was hier Geburtstag feiert und da sind wir bei den Japanern. Die lieben Godzilla (1954) und Godzilla muss frei sein und nicht nur Tokio plätten. Am besten kommt auch noch King Kong um die Ecke und plättet unsere westliche Welt gleich mit. Seit 1933 dem ersten King Kong Film funktioniert das.

    Nun drücken die Japaner (siehe oben) unseren sieben westlichen Sinnen Babymetal auf die Ohren und die Augen. Und es ist ein Fest für mindestens diese zwei Sinne. Über andere Sinne könnte ich jetzt anfangen zu spekulieren. Das würde dem Anlass entsprechend (Kindergeburtstag) aber arg schlüpfrig werden, also verweise ich freundlich wie ich bin auf die Animawelle (niedliche kleine, schlanke Asiatinnen mit Glubschaugen) die die gesamte westliche Weltordnung seit Jahren überspült. Nun also das noch mit Metal, Techno und einem Affenzahn vorgetragen, äußerst ansehnlich. Mach die Augen auf und höre in dein Herz, was eine perfekte Mischung, nur King Kong verliert diesmal wieder gegen Godzilla. Nun ja das war auch nur ein dummer Riesenaffe der auf blonde Frauen stand. Eine schlanke Asiatin (ohne Glubschaugen) die dazu noch was im Hirn hat, ist mir lieber. Drei davon verstoße ich aber auch nicht. Ok ich wollte ja nicht spekulieren.

    Gruß Speedi

  • Vor 7 Monaten

    Alles wovor der Metaller Angst hat? Das einzige wovor ich Angst habe sind diese dummschwätzerischen Musik-'Journalisten', die jeden Scheißdreck hochjazzen und sich noch ganz toll bei ihren Kindergarten-Provokationen fühlen. Und vor diesen komischen wasserfällig-labernden völlig unbösen Anwälten, die sich anscheinend noch den letzten Mist reinziehen und zu ALLEM noch irgendeine wichtigtuerische Meinung und ungefragte Ratschläge haben. Keine Erdung, kein Standpunkt, keine Substanz - nur endloser Allesfresser-Gefälligkeits-Dünnschiss pur und eindeutig zu viel Zeit. Allen wohl und keinem wehe. Unerträglich. Frohes Schaffen noch ;-)