laut.de-Kritik

Die Thrasher aus Arizona knüpfen an alte Glanzzeiten an.

Review von

Flotsam And Jetsam haben im Herbst ihrer Karriere noch einmal einen richtigen Qualitätssprung hingelegt. Nach einem leider lang anhaltenden Tief überzeugte das US-Quintett auf den zurückliegenden Alben "Flotsam And Jetsam" (2016) und "The End Of Chaos" (2019) wieder vollauf. Und auch das aktuelle Langeisen "Blood In The Water" ist den Thrashern aus Phoenix, Arizona aber mal so richtig gut gelungen. An die legendären Erstlingswerke "Doomsday For The Deceiver" und "No Place For Disgrace" reicht das 14. Studioalbum der seit 1986 aktiven Amis zwar nicht heran. "Blood In The Water" ist jedoch ein abwechslungsreiches, technisch hochstehendes Heavy Metal-Album geworden, das sich erneut variabel zwischen den Polen Thrash-, Speed- und Powermetal bewegt.

Das Quintett um die Gründungsmitglieder Eric "AK" Knutson (Gesang) und Gitarrist Michael Gilbert steigt mit dem Titeltrack "Blood In The Water" und "Burn The Sky" vielversprechend ein. Die Tracks verbinden Rotz und Durchschlagskraft mit progressiven Elementen. Das darauf folgende "Brace For Impact" besticht mit seinem knackigen Einstiegsriff, einem tollen Solo im Mittelteil und geschickt gesetzten Breaks. Auch "A Place To Die" feuert die volle Thrashbreitseite ab, bevor es mit "Walls" etwas bedächtiger zugeht. Die Gitarrenarbeit orientiert sich am Riffhandbuch eines Jake E. Lee und den Gitarrenharmonien á la Iron Maiden. Wie etwa Heathen oder Sanctuary versehen Flotsam And Jetsam knallharten Thrash mit gefühlsstarken Melodien.

Das liegt auch am überragenden Sänger "AK", der mit seiner melodischen Stimme der Band das gewisse Extra verleiht, jeden Ton trifft und auch in den höheren Lagen nicht zu der nervigen Eierkneifer-Fraktion gehört. Mit "Cry For The Dead" befindet sogar eine Halbballade auf dem Album, die allerdings immer wieder von schnelleren Parts unterbrochen wird. Nicht so prall ist das leicht nach Nu Metal klingende "Wicked Hour". Dafür kickt "To Many Lives" mit seinem geilen Doublebass-Start und den schädelspalterischen Riffs um so mehr. "Reaggression" gefällt mit einem tollen Spannungsbogen und einem gewitterartigen Gitarrensolo.

Gegen Ende der Scheibe geht den Flotts ein bisschen die Puste aus. Es hätte sich bestimmt niemand beschwert, wenn die beiden letzten Stücke "Undone" und "7 Seconds" fehlen würden. So ist die Gesamtspielzeit von fast 55 Minuten ein wenig zu lang geraten. Ein weiteres, kleines Manko ist der von Jacob Hansen etwas steril und makellos produzierte Sound. Da hätte es ruhig etwas mehr Dreck sein können. Ansonsten freuen sich alle Fans anspruchsvoller Thrashmusik über ein bärenstarkes Album.

Trackliste

  1. 1. Blood in the Water
  2. 2. Burn the Sky
  3. 3. Brace for Impact
  4. 4. A Place to Die
  5. 5. Walls
  6. 6. Cry For the Dead
  7. 7. The Wicked Hour
  8. 8. Too Many Lives
  9. 9. Dragon
  10. 10. Reaggression
  11. 11. Undone
  12. 12. 7 Seconds

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2 Kommentare

  • Vor 3 Monaten

    »Doomsday For The Deceiver« finde ich überwertet. Die stärksten Alben der Band sind für mich: »No Place For Disgrace«, »Cuatro«, »Drift« und »Flotsam And Jetsam«. Was das aktuelle Album und obige Rezension betrifft: meine Zustimmung. Nur, verstehe nicht: Warum soll ein makellos produzierter Sound ein Manko sein? Und steril klingt das in meinen Ohren auch nicht.

  • Vor 3 Monaten

    Schon nach den ersten paar Songs wieder das gleiche Problem wie auf der letzten Platte: das Getrommel von Ken Mary. Viel zu weit nach vorne gemischt, zu viel Kabinettstückchen, zu wenig songdienlich.