Porträt

laut.de-Biographie

Vega

"Ich bleibe", rechtfertigt Vega den eigentlich selbsterklärenden Titel seines Debüt-Albums, "lieber broke mit der Musik, die ich mache, als dass ich anfange, schlechte Musik zu machen, und damit reich werde."

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Nein, Vega ist kein Mann der Kompromisse. Er ist auch keiner, dem der Erfolg in den Schoß fällt. Lange muss er für seinen Status in der deutschen Rap-Szene arbeiten. Lange - und vor allem ausdauernd.

Als Sohn eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter kommt Vega unter seinem bürgerlichen Namen Andre Witter in Offenbach zur Welt. Nachdem sich der Vater schon bald aus der Verantwortung stiehlt, wächst Vega bei seiner Mutter in Frankfurt und bei der Oma in Offenbach auf.

Im Rap findet er ein Ventil für Wut und Trauer: Unter dem Kürzel VRS stellt er eine erste EP ins Internet. Viele weitere Online-Veröffentlichungen sollen folgen.

Sein Mixtape "Unzerfikkbar" zieht 2005 Kreise. Vega, inzwischen als Mitglied der Hip Hop-Crew Rare Squad unterwegs, trifft auf Sentino und Kid Kobra, die ihn wiederum mit dem Berliner Produzenten Djorkaeff in Kontakt bringen.

Ein von Djorkaeff produzierter Track erregt die Aufmerksamkeit Abroos. Er bringt Vega und Separate zusammen. Wenig später steht Vega bei Buckwheats unter Vertrag. Kollegen reißen sich geradezu um Featureparts von ihm. Zusammen mit Separate veröffentlicht Vega 2006 das Kollabo-Werk "Deutsche Probleme".

Vega - V
Vega V
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Die Probleme fangen damit allerdings erst an. Wieder und wieder wird der Release von Vegas angekündigtem Solo-Debüt verschoben. 2008 trennen sich seine und Buckwheats Wege schließlich. Vega tourt mit Casper, Maeckes & Plan B und lernt unterwegs Kool Savas kennen.

Ende des Jahres hebt Vega zusammen mit Emonex sein eigenes Label Butterfly Records aus der Taufe. Doch schon nach der Veröffentlichung von "Lieber Bleib Ich Broke" beginnen die Querelen. "Er war der Meinung, dass ich viel kommerzieller und poppiger, sprich: besser verkaufbar werden solle", so Vega später gegenüber der Juice.

In einem Statement erläutert er 2010 seinen Fans: "Es begann mit kleinen Unstimmigkeiten, ging weiter mit großen Meinungsverschiedenheiten und endete mit Klagen von Seiten meines Ex-Partners ... Mittlerweile wurde sogar mein eigener Name 'Vega' hinterrücks patentiert."

Vega streitet - um seinen und den Namen seines Labels und um das Recht, von Emonex produzierte Tracks live aufführen zu dürfen. Eine zermürbende Angelegenheit. Ein deutschlandweites Stadionverbot, das erst 2011 wieder aufgehoben werden soll, dürfte dem bekennenden Eintracht-Fan und Mitglied der Ultras Frankfurt 97 zudem auf die Laune schlagen.

Um so erfreulicher, dass sich Vega 2011 per Facebook-Posting wieder zurück unter den Lebenden meldet: "Nach langem Hin und Her, Gedanken der Aufgabe und sonstigen Streitereien bin ich sehr stolz, euch heute unser neues Label vorzustellen. Vega, Olson Rough, Face, Bosca und der Neuzugang Migo sind 'FREUNDE VON NIEMAND'."

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Vega "Gesundheitlich war ich brutalst am Arsch"
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Auch wenn Olson bald wieder aussteigt: Unter dem Banner Freunde von Niemand laufen die Dinge für Vega gut an. Er stellt fest: Insbesondere seine deepen Tracks zünden beim Publikum. "Wenn du mal erlebt hast, dass Menschen dir sagen, was ihnen deine Songs bedeuten, dann willst du nur noch solche Musik machen."

Vega ist ruhiger geworden, deswegen aber nicht weniger bissig. "Natürlich bin ich am Ende eine Mischung aus Azad, Savas und wem auch immer", räumt er gegenüber der Juice ein. "Ich habe meine Einflüsse nie verleugnet, und die liegen nun mal in Deutschland und nicht in den USA."

Den Hype um seinen einstigen Weggefährten Casper sieht Vega positiv: "Es gibt niemandem, den ich das so gönne wie Cas. Ich freu' mich riesig." Den eigenen Weg behält er dabei aber fest im Auge: "Den erfolgreichen Leuten wie Nate57 oder Casper folgen - das ist das Ziel."

Ein Ziel, das plötzlich zum Greifen nah scheint: "Vincent" chartet 2012 auf Platz fünf. "Nach dem Erfolg war eine finanzielle Sicherheit da, so dass ich die Möglichkeit hatte, mich nur um die Musik zu kümmern", beschreibt Vega der Juice gegenüber die Folgen.

So dauert es lediglich 360 Tage, ehe er Anfang 2013 "Nero" nachlegt: Trotz der kurzen Entstehungszeit alles andere als ein Schnellschuss. Trotzdem ist Vega im Nachhinein etwas unglücklich über sein Album: Es sei zu schwer, zu verbittert.

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Zu schwer ist auch Vega selbst, der 2014 sein Leben umkrempelt, mehr als 35 Kilo abspeckt und sich auf eine neue Beziehung einlässt. Passend zur persönlichen Situation dominiert nun wieder Aufbruchstimmung seine Musik, wie man im Folgealbum "Kaos" hören kann. 2016 veröffentlicht Vega nicht nur ein Kollaboalbum mit Kumpel Bosca, sondern veröffentlicht auch noch das "Dreggisch Und Roh"-Mixtape, dass von Kritikerseiten durchweg positiv aufgenommen wird.

Nach einer kurzen Verschnaufpause meldet sich Vega Anfang 2018 mit einem weiteren Soloalbum zurück. "V" erscheint erstmals über die Universal-Tochter Urban und zeigt Vegas zahmere Seiten.

Düster klingt seine Musik natürlich trotzdem noch: "Musik aus Frankfurt war schon immer so, Rap aus Frankfurt ohnehin", betreibt er Ursachenforschung. "Ich kenne keinen Frankfurter Rapper, der lustige Musik macht. Außer Rockstah vielleicht, aber bei ihm ist das familiär bedingt."

Interviews

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Alben

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Termine

Sa 26.05.2018 Aarau (Flösserplatz)
Do 07.06.2018 Frankfurt (Batschkapp)
Fr 08.06.2018 Frankfurt (Batschkapp)

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1 Kommentar

  • Vor 3 Jahren

    Für mich, einer der besten Rapper deutschlands. Schon damals sein Part auf der Beweis II von KKS war beeindruckend. Besonders wenn man bedenkt das ihn damals noch kaum jemand kannte. Wenn er sich weiter an Bosc, Timey und an die FvN Crew hält kann den jungs niemand das Wasser reichen.