laut.de-Kritik

Stramme Drums als roter Faden.

Review von

Die Eigenschaften, die eine gute Compilation ausmachen, liegen auf der Hand: Weitgefächert sollte sie sein, ohne dabei ihren roten Faden zu verlieren. Da für gewöhnlich kein Mensch eine Ansammlung ohnehin schon bekannter Stücke braucht, erweist sich eine gewisse Neuartigkeit der Tracks als unabdingbarer Vorteil. Und schließlich sollte die Compilation das haben, was oftmals etwas pathetisch als "Seele" umschrieben wird: Eine nach bestem Wissen und Gewissen ausgewählte Zusammenstellung von Liebhabern für Liebhaber.

Das in Düsseldorf ansässige Label Unique Records nimmt sein 20. Jubiläum zum Anlass eine Serie an den Start zu bringen, die offensichtlich genau diese Vorgaben zu erfüllen versucht. Dreizehn Titel mehr oder weniger bekannter Künstler, davon sieben bisher unveröffentlicht und einer nur auf Vinyl erschienen, sind da ein sehr guter Anfang.

Für die Auswahl verantwortlich zeichnen die Schweizer DJs Soulinus und Pun, die die Ehre, den ersten Teil der Reihe gestalten zu dürfen kurzerhand nutzen, um im In- und Ausland nach den schönsten und besten Jazzbreaks zu suchen. Dabei kommt ihnen ihr steigender Bekanntheitsgrad im Alpenstaat zugute: Mit Quantic und Keno 1 sind zwei Kollegen auf der Scheibe vertreten, mit denen Soulinus und Pun bereits gemeinsam aufgelegt haben.

Während Keno 1, auch bekannt als Natural Self, noch vor Kurzem gemeinsame Sache mit Kool Keith machte und mit "Poppa Heavy" für den Rap-Banger des vergangenen Jahres überhaupt sorgte, kommt er dieses Mal mit dem von Geigen untermalten "A Shadow Of The Self" in entspanntester Breakbeat-Manier daher.

Funkiger wird es direkt danach, wenn die Sweet Vandals aus Madrid Ann Sextons Hit "You're Loosing Me" aufleben lassen und Adam Gibbons alias Lack Of Afro das Eddie Roberts Quintett wie gewohnt in kleinste Afro-Funk-Teile zerstückelt. Erstaunlich, wie man eine im Original ohnehin schon großartige Nummer mit einer funky Basslinie, einem straffen Drumgerüst und anstelle eines Klaviers einer elektronischen Orgel nochmals dermaßen aufmotzen kann.

Die Orgel macht besonders dem Namen des folgenden Beitrags von Beatfanatic alle Ehre. Ansonsten sind es gerade die strammen Drums, die sich über alle Titel hinweg wie ein roter Faden durch die Platte ziehen, ob als klassischer Soul wie von Glen Anthony Henry oder mehr zum Hip Hop orientiert wie Rob Lifes Quantic-Remix.

Selbstverständlich macht das auch vor den deutschen Beiträgen nicht halt. Dusty, seines Zeichen Gründer und Chef der Münchner Jazz & Milk-Recordings, eröffnet mit seinem gewohnt progressiven "Keep It Raw". Die Berliner Radio Citizen läuten währenddessen mit "Last Exit" langsam aber sicher das Ende der Scheibe ein, wäre da nicht Deeno The Dusty Button und seine Sample-Collage mit Namen "4 O'Clock In The Morning."

So passend einfach und locker Deeno zur propagierten Uhrzeit daherkommt, so tiefsinnig einnehmend erscheint "Last Exit" zwar ohne Sängerin Bajka, dafür aber mit stakkatohafter Orgel und treibender Basslinie. Wenn das ein Vorgeschmack auf das angeblich seit über einem Jahr in Arbeit befindliche neue Album ist, erwartet uns etwas ganz Großes.

Einziger Tiefpunkt, wenn man das so nennen möchte, ist der Tim Wood-Remix der Jazzinvaders, dessen Thema mich unweigerlich an 80er Jahre US-Sitcoms à la Alf erinnert. Aber selbst der macht ja gelegentlich heute noch Spaß.

Trackliste

  1. 1. Dusty - Keep It Raw
  2. 2. The Jazzinvaders - Up & Out
  3. 3. Tombee - Super Fly Shit
  4. 4. Flevans - Loose Gardener
  5. 5. Keno 1 - A Shadow Of The Self
  6. 6. The Sweet Vandals - Loosing Me
  7. 7. The Eddie Roberts Quintet - Giorgio's Brother (Lack Of Afro-Remix)
  8. 8. Beatfanatic - Organ Madness
  9. 9. Glen Anthony Henry - Hope (Edit)
  10. 10. Quantic - We Got Soul (Rob Life Remix)
  11. 11. Leisure Allstars - Get Your Hands In The Air
  12. 12. Radio Citizen - Last Exit
  13. 13. Deeno The Dusty Button - 4 O'clock In The Morning

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