laut.de-Kritik

Boy/Girl-Gesang trifft Neo Folk.

Review von

Bei Vandaveer handelt es sich um das Projekt des amerikanischen Singer/Songwriters und Multi-Instrumentalisten Mark Charles Heidinger, der seine Aktivität bei der Indiepop-Band The Apparitions seit geraumer Zeit eingestellt hat, um voll und ganz seiner Alternative Folk-Affinität zu frönen.

Mit seinem Debüt "Grace & Speed" (2007) hat er bereits äußerst beeindruckend vorgeführt, wie wunderbar es klingen kann, wenn man die LoFi-Attitüde mit instrumentaler Reduktion und bezaubernden Melodien kombiniert. Mit "Divide & Conquer" legt Heidinger nun seinen Zweitling vor, der den melodischen Weg des Debüts weitergeht, mit dem Country und Pop flirtet und auf eine aufwändigere Produktion setzt. Der Schönheit dieser Songs tut das keinen Abbruch.

Der stimmlich mit einer Klangfarbe irgendwo zwischen Damien Rice und David Gray ausgestattete Heidinger hat diverse Musiker an seiner Seite, die das Werk mit Gitarren, Percussion, dem Piano, einem Glockenspiel und dem Bass ganz behutsam instrumentieren und hier und da entrückte Chorgesänge beisteuern. Und vor allem hat er mit Rose Guerin eine fantastische Sängerin an seiner Hand, die den Liedern mit ihrer betörenden Zweitstimme den Stempel aufdrückt.

Die berauschendsten Stücke sind dann auch jene, in denen der Gesang der beiden in absoluter balladesker Harmonie aufgeht ("Divide & Conquer", "Long Lost Cause", "Beverly Clearys 115th Dream") und dessen eindringliche Emotionalität ein Gesangspaar wie The Swell Seasonlocker in den Schatten stellt.

Daneben taucht das Ensemble im langsamen Walzertakt in den dezent entrückten Gothic-Folk ein, den auch das Ensemble Timber Timbre auszeichnet ("Fistful Of Swoon", "The Sound & The Fury"), versprüht entspannte akustische Heiterkeit ("Woolgathering") lädt zum Mitschunkeln im ¾.Takt ein ("A Mighty Leviathan Of Old"). Daneben überrascht er mit einer Pianolinie à la Keane und einer Melodie, die sich an Bob Marleys "Redemption Song" anzulehnen scheint ("Before The Great War").

Heidinger offenbart mit diesem Album seine Vielfältigkeit, die sich aber stets aus ohrgängigen und vermeintlich schlichten und unkomplizierten Melodien speist. Es ist eine Gratwanderung mit der stetigen Gefahr, in das allzu liebliche Pathos zu stürzen, die der Liedermacher aber leichtfüßig meistert. Die Kunst besteht darin, musikalisch zu ergreifen, ohne prätenziöse Macharten anwenden zu müssen. Ein solches Selbstverständnis zeichnet Vandaveer aus.

Auch wenn das Werk gerade wegen der einnehmenden Qualität und Größe der Melodien durchaus mutigere kontrastierende Brüche und Irritationen vertragen hätte, ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sich bei Mark Charles Heidinger um einen jederzeit überzeugenden Songwriter handelt. Auf große Gesten und Extrovertiertheiten ist diese Band nicht angewiesen, um in der Neo Folk meets Kammerpop-Szene für das ihr gebührende Aufsehen zu sorgen.

Trackliste

  1. 1. Fistful Of Swoon
  2. 2. Woolgathering
  3. 3. A Mighty Leviathan Of Old
  4. 4. Turpentine
  5. 5. Divide & Conquer
  6. 6. Resurrection Mary
  7. 7. Before The Great War
  8. 8. Long Lost Cause
  9. 9. The Sound & The Fury
  10. 10. Beverly Clearys 115th Dream

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