laut.de-Kritik

R'n'B-Einheits-Schlonz: Anbandeln, abschleppen, flachlegen.

Review von

"New music from Usher", schreit der Aufkleber vom Cover. Etwas wirklich Neues aus dem Hause Usher - das wäre in der Tat eine Nachricht wert. Auch, wenn sich Mr. Raymond auf seinem letzten Album vergleichsweise erwachsen gab: Den bewährten Schlafzimmersound opferte er nicht.

Insbesondere die Bebilderung des Booklets lässt ahnen: Aus dem Fahrwasser kommen wir auch diesmal nicht heraus. Einen nachdenklichen Usher sieht man da. Einen, der selbst dann keine Miene verzieht, wenn ihm das halbnackte Mädel schon zwischen den Schenkeln liegt.

Meine Güte! Ein bisschen mehr Lebensfreude stünde gerade den immer gleichen Szenarien ums Anbandeln, Abschleppen und Flachlegen gut zu Gesicht. Dass Usher die angeblich schönste Sache der Welt besingt: Angesichts des Dauerflunschs, den er zieht, könnte das leicht in Vergessenheit geraten. "There Goes My Baby", "So Many Girls", "Making Love (Into The Night)": Immerhin weiß man, was man kriegt.

Der Opener "Monstar" sorgt dann aber doch für eine handfeste Überraschung. Über eine Minute lassen die Produzenten Jimmy Jam und Terry Lewis den versprengten Soundelementen Zeit, ihren Platz zu finden. Erst dann fügen sich die Fetzen zu einem unkonventionellen Beat.

Der satt pumpende Bass bildet das Rückgrat, schräge Streicher und Ushers Gesang machen das Bild komplett. "I'm back to celebrate life." Holla! Besteht etwa doch noch Hoffnung für den an akuter Ideenlosigkeit kränkelnden R'n'B?

Das Duo Jam/Lewis gibt jedenfalls sein Bestes, um ein Allheilmittel für das schwindsüchtige Genre zu finden. Die wummernde Bassline von "Pro Lover" veredelt mit einem Spritzer Dancehall den warmen, dichten Sound.

"Mars Vs. Venus" hebt sich mit reichlich wellenförmig anbrandendem Elektro-Gefiepe ebenfalls aus der Masse des R'n'B-Einheits-Schlonz' ab. Leider ruiniert die einfallslose Gesangsperformance hier wie anderswo den an sich gelungenen Eindruck.

Zu viel Stöhnerei, zu viel Uuuh-Uuuh, insbesondere Phrasen des Kalibers "I will make love to you forever and ever" - keine Ahnung, wer das noch hören mag. Vermutlich die gleichen, die glauben, Nicki Minaj werde irgendwohin ihrer Rap-Künste, nicht etwa ihrer prallen Hupen wegen eingeladen.

Womit wir bei der Gästeliste angekommen wären: große Namen, absehbare Resultate. Ludacris wetteifert in "She Don't Know" mit Usher um den Austauschbarkeits-Pokal. Alles, das diese Nummer interessant macht, steckt in dem grandiosen Afrobeat-Sample aus dem Fundus von Ebo Taylor. T.I. in "Guilty": ordentlich, mehr aber auch nicht.

Wann Will.I.Am den Zug verpasst hat, frage ich mich schon eine ganze Weile. Vermutlich wird er wieder einmal versuchen, seine ausgenudelte Synthie-Retortenclaps-Autotune-Suppe als "next level shit zu verhökern. "OMG", in der Tat.

Der gute Einstieg verliert sich auf "Raymond V Raymond" allzu schnell. Eine durchschnittliche Münchener Freiheit-Nummer tönte inspirierter. "Lil Freak" weckt gar gruselige Erinnerungen an 90er-Müll des Kalibers 2 Unlimited.

Vielleicht hat Usher recht, wenn er in "Foolin Around" behauptet: "I know I vowed I'd never do this again / But I guess it seems to be the only thing I'm good at." Mit einer klassischen Pianoballade, produziert von Jermaine Dupri, gewinnt er zwar auch keinen Innovationspreis, wirkt aber wenigstens nicht fehl am Platz.

Trackliste

  1. 1. Monstar
  2. 2. Hey Daddy (Daddy's Home)
  3. 3. There Goes My Baby
  4. 4. Lil Freak feat. Nicki Minaj
  5. 5. She Don't Know feat. Ludacris
  6. 6. OMG feat. Will.I.Am
  7. 7. Mars Vs. Venus
  8. 8. Pro Lover
  9. 9. Foolin' Around
  10. 10. Papers
  11. 11. So Many Girls
  12. 12. Guilty feat. T.I.
  13. 13. Okay
  14. 14. Making Love (Into The Night)

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