laut.de-Kritik

Nicht viel Neues von den Klingenschwingern...

Review von

Vor fünf Jahren waren die Two Lone Swordsmen mal ein ziemlich heißer Scheiß, Andrew Weatherall sowieso der coolste Producer überhaupt, und sein Kumpel Keith Tenniswood, naja, auch er war irgendwie cool, selbst wenn man noch mal nachschlagen musste, wie der zweite Schwertmann eigentlich heißt.

Nun also eine Remix-Werkschau. Das ist ja schön und gut, aber all zu viele Hähne haben danach nun nicht wirklich gekräht. Das Ergebnis zeigt warum. Two Lone Swordsmen hatten ihre große Zeit Mitte der Neunziger, und genau so klingen ihre Remixe. Weit weg und ein wenig überholt. Eben "Deep down and dirty", wie die Stereo MC's den Sound der Swordsmen mit ihrem Songtitel am besten beschreiben, den sie hier so lalala durch den Remix-Wolf drehen.

Six By Seven werden im Gegensatz zum trägen Stereo MC's-Mix super-technoid in ein dunkles Loch getrieben, das praktisch von einem noch dunkleren und noch böseren Kratzen lebt. Schnell geht es auch bei Howie Bs "Angels Go Bald Too" zu. Weatherall und Tenniswood mögen es dann aber doch lieber etwas zurückgelehnter und mit dickem, fettem und – ganz wichtig – dunklem Bass. Das können sie auch weitaus besser. Der Mix von St. Etienne "Heart-Failed" z.B. kommt entspannt dubbig und dazu noch so schön mit elektronischem Fiepsen verfeinert, dass es wohl nicht viel Idealeres zum Tütenbauen gibt.

Die zwei Schwertmänner machen ihre Sache also ziemlich gut, doch selbst wenn es einige Lichtblicke gibt, bleibt bei den meisten Remixen ein Beigeschmack der Mittelmäßigkeit. Die Remixe für Lali Puna und Texas, sind typische tausendmal gehörte Relax-Geschichten, die sich schnell verlieren. Auch Calexico teilen dieses Schicksal. In "Untiteled 3" ist zwar nicht mehr viel von den Wüsten-Gauchos zu hören, dieser durchschnittliche Elektro-Song mit Zischen hier und da ist aber auch nicht gerade das Höchste der Gefühle.

Two Lone Swordsmen machen eigentlich alles richtig. Für sie. Aber diese Zusammenfassung ihres Schaffens zeigt doch deutlich, in welch minimale Abgründe elektronische Musik heutzutage abgedriftet ist. Damals hieß es noch, hau rein was geht. Überladen wirken deshalb viele der Remixe, und irgendwie auch stehen geblieben. Eine mit dem Synthesizer bearbeitete Stimme wie im zehnminütigen Primal Scream-Mix reißt heute niemanden mehr vom Hocker.

Auch der old-schoolige Remix von Force Legato ist … naja, sagen wir es ruhig … doch sehr Anfang Neunziger. Wer darauf steht kann nichts falsch machen. Wer die Schwertmänner aber vor allem ihrer Innovationslust und Experimentierfreudigkeit wegen schätzt, kann getrost auf diese Remix-Schau verzichten und auf das ebenfalls dieses Jahr escheinende Album warten.

Trackliste

  1. 1. Good Souls (TLS remix) - Starsailor
  2. 2. Decoding the Hacker Myth (TLS Dub) - Alter Ego
  3. 3. Deep Down and Dirty (TLS Remix) - Stereo MCs
  4. 4. Heart Failed (TLS Dub) - St. Etienne
  5. 5. Visions (TLS Vocal mix) - Slam
  6. 6. System (TLS remix) - Force Legato
  7. 7. Stuka (TLS remix) - Primal Scream
  8. 8. All Exhale (Rude Solo mix) - Luke Slater
  9. 9. Eat Junk Becomes Junk (TLS remix) - 6 by 7
  10. 10. Put Your Arms Around me (Electric for Bird mix) - Texas
  11. 11. Angels Go Bald Too (Swordsmen mix) - Howie B
  12. 12. Nin Com Pop (TLS remix) - Lali Puna
  13. 13. Untitled 3 (Virus style mix) - Calexico

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