laut.de-Kritik

Reckt die Fäuste, mosht ums Feuer!

Review von

Ach, ja. Gitarrengötter und ihre Soloalben. Slash machts ja schon 'ne Weile, jetzt also Chef-Rager Tom Morello. Das Prinzip: elf Songs, jeder mit einem oder mehreren Gästen aus den unterschiedlichsten Genres, verbunden von unverkennbar Rage-igen Riffs.

Grob kann man "The Atlas Underground" in eine EDM-, eine Hip Hop- und eine Indie-Ecke aufteilen. Die Techno-Seite wirkt im ersten Moment deplatziert, ergibt aber dann Sinn, wenn man bedenkt, dass quasi jeder Dubstep-Wobble-Bass Anleihen vom scratchigen Spiel des RATM-Gitarristen besitzt. Das funktioniert, ob mit bangenden 808-Beats in der Vorab-Single "We Don't Need You", dubsteppiger Bassnectar-Kollabo mit Outkasts Big Boi und Run The Jewel-Schwergewicht Killer Mike bei "Rabbit's Revenge" oder "Where It's At Ain't What Is" mit Justin Bieber-Produzent Nico Stadi und Soulsänger Gary Clark Jr.

Morellos Gitarre grunzt sich mal in den Vorder- mal in den Hintergrund und verbindet die insgesamt sehr wechselhaften Genres hervorragend. Auch MCs wie Vic Mensa und Leikeli47 harmonieren fantastisch mit dem Gitarren-Sound. Sie bringen jeweils ihren Stil mit, die Rage-Röhre verwebt sich mit bouncenden Oldschool-Beats, scratcht, was das Zeug hält und macht Zack de la Rocha sicher ein bisschen eifersüchtig.

Das Indie-/Alternative-Universum hält einige Überraschungen bereit. So hat sich Morello mit Portugal. The Man und Marcus Mumford von Mumford & Sons Stimmen eingeladen, die man instinktiv eigentlich einer etwas softeren Gangart zuordnet. "Every Step That I Take" zusammen mit Whethan und Portugal. The Man kommt ganz ordentlich in Schwung, wird dann aber arg eintönig. Da hätte man sich über mehr als ein ordentlich verstörendes Gitarrensolo schon Gedanken machen können.

"Find Another Way", das Experiment mit Mumford, lässt dann sogar etwas ratlos zurück. Sicher hat Morello, wie es der Pressetext verspricht, in Studios auf der ganzen Welt aufgenommen. Das Stück klingt nach Garageband und Apple Loops. Auch der Folgetrack "How Long" gibt im Titel bereits die Frage vor, die man sich beim Hören stellt. Zwar versucht ein ordentlich knarzendes Riff und gehörig bissiger Gesang von Rise Against-Fronter Tim McIlrath noch zu retten, was zu retten ist, aber Steve Aokis Kaugummi-Techno beißt sich einfach zu sehr mit der Rage.

Das Album schließt mit "Lead Poisoning", die Wu-Tanger GZA und RZA dürfen ran, unterbrochen von bitterbösen Neurofunk-Bässen von Herobust und einem kämpferischen "Rise - We are many, you are few"-Chant. Zwar prallen auch hier die Genres derart aufeinander, dass es etwas stückhaft wirkt, insgesamt bleibt die Nummer aber ein echter Mitnicker.

"The Atlas Underground" ist eine musikalische und lyrische Kampfansage, die in weiten Teilen tatsächlich funktioniert. In den guten Momenten möchte man die Faust recken, auf die Straße gehen und ums Revolutionsfeuer moshen. In den wenigen schlechten bleibt das Feuer aber aus.

Trackliste

  1. 1. Battle Sirens (feat. Knife Party)
  2. 2. Rabbit's Revenge (feat. Bassnectar, Big Boi & Killer Mike)
  3. 3. Every Step That I Take (feat. Portugal. The Man & Whethan)
  4. 4. We Don't Need You (feat. Vic Mensa)
  5. 5. Find Another Way (feat. Marcus Mumford)
  6. 6. How Long (feat. Steve Aoki & Tim McIlrath)
  7. 7. Lucky One (feat. K.Flay)
  8. 8. One Nation (feat. Pretty Lights)
  9. 9. Vigilante Nocturno (feat. Carl Restivo)
  10. 10. Where It's At Ain't What It Is (feat. Gary Clark Jr. & Nico Stadi)
  11. 11. Roadrunner (feat. Leikeli47)
  12. 12. Lead Poisoning (feat. GZA, RZA & Herobust)

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2 Kommentare

  • Vor einem Monat

    Also diese Video mit Vic Mensa geht garnicht. Hörversuch musste nach 45 Sekunden gestoppt werden. Den Rest der Platte kenne ich nicht, habe jetzt auch nicht mehr so Lust reinzuhören.
    Die Rage-Alben habe ich geliebt, aber das hier ist für mich nur noch Rotze. Danke Tom, mach Feierabend. Die Revolution ist vorbei!

    Und dieses Coverartwork ist mal endbeschissen.

    1/5

  • Vor einem Monat

    Ich habe mich tierisch auf die Scheibe gefreut, da ich ein riesen Tom Morello Fan bin. RATM und Audioslave sind immer noch absolute Highlights in meiner Musiksammlung und Street Sweeper Social Club war auch ein sehr gutes Projekt. Nun zuletzt Prophets of Rage. Da geht man doch aus, dass Morello sein Wirken und seinen Stil auf die Spitze setzt, wenn er nach dem Nightwatch Man nun seinen selbstbetitelten Soloausflug startet. Womit rechnete ich? Einen Mix aus RATM und Audioslave-Songs. Was bekommt man? Was völlig anderes, was dem geneigtem Fan eine so derbe Ohrfeige verpasst, dass die Ohren bluten. Es gibt nur ganz wenige Songs die nach RATM klingen, und wenn es mal soweit ist, ähnelt es nur geringfügig. Ich bin der letzte Mensch auf Erden, der Künstlern eine Weiterentwicklung verneint, aber das hier ist sowas von fernab der bisherigen Hörgewohnheiten, dass es für die Fans einfach nur übel ist. Ich will keinen Dubsteb hören, ich will keine Musik, die zu 90% aus dem Computer kommt. Ich will auch keine seltsamen modernen Pop-Songs hören. Zumindest nicht von Tom Morello. Und das schlimmste ist: Der meiner Meinung nach beste Gitarrist der Welt kommt hier gar nicht zur Geltung! Puh, also ich würde sagen, dass ich mit der Scheibe meinen bisher größten Plattenfehlkauf aller Zeiten gemacht habe - nach Magma von Selig.
    Ich bin wirklich schwer enttäuscht und fühle mich schon fast beleidigt, was mir Tom Morello da auftischt. Es gibt wirklich keinen Song der mir gefällt oder den ich als 'ok' bezeichnen könnte. Ganz ganz ganz schade.

    1/5