laut.de-Kritik

Larriva singt der Tumbleweed den Blues.

Review von

Lang lang, insgesamt fast sechs Jahre hat's gedauert, ehe Tito Larriva wieder einmal seine Tarantel aus der Dose holt und sie dem Hörer die Ohrmuschel hinauf klettern lässt.

Neuigkeiten im Programm? Absolute Fehlanzeige. Aber damit hat wohl kaum jemand wirklich gerechnet. Okay, der Einfluss von mexikanischen Klängen auf das Gesamtgefüge ist zurück gegangen, vielmehr konzentriert sich die mittlerweile umgekrempelte Band darauf, ihre Southern Rock-Wurzeln zu hegen und zu pflegen.

Das Vorhaben setzen sie in schöner Rumpeligkeit um, so dass Weichspülervorwürfe von vorneherein ins Leere laufen. Das klingt alles ganz herzhaft staubtrocken nach Tumbleweed. Und das, obwohl ein Teil des Albums - man mag es kaum glauben - in einem eher untypischen Umfeld entstand. Und zwar im beschaulichen, elftausend Einwohner zählenden Bad Iburg am Rande des Teutoburger Waldes und dort im Tonstudio Mühle Der Freundschaft. Das befindet sich auch noch in einem Fachwerkhaus an einem idyllisch plätschernden Flüsschen.

Der Kontrast zu diesem lieblich-romantischen Setting findet sich in "Back Into The Darkness" wieder. Dunkel und düster dräut zuweilen der Horizont, an dem die Sonne gerade noch ihre letzten tiefroten Strahlen über hoch auftürmende Wolkenberge schickt. Hierzu passt der zuweilen verzerrte Gesang Larrivas, der oft emotional mitgenommen klingt. Tito hat den Blues und den lässt er ungezügelt durch die Weide preschen. Aus Zeilen wie "Take me away, away from this place, away from myself, away from my face" spricht eine gehörige Portion "Nase Voll". Die klangliche Entsprechung findet sich in einer melancholisch-verzweifelten Depression wieder.

Mal etwas schleppend ("Come Out Clean") dann wieder sachte angepunkt ("If You Love me"), aber stets mit einem Hang zum angestaubten, abgehangenen und dreckig Sound trägt uns Tito seine Weisen vor. Klar, Southern Rock zählt nicht zu den innovativsten Genres des Planeten, die Kunst besteht jedoch darin, aus der gleichen Formel immer wieder nette Spezereien zu zaubern, und das gelingt den Amis ganz gut.

Besonders sticht dabei das im spanischen Idiom eingeleitete "Machete" hervor. Hier wehen staubige Böen direkt von "Spiel Mir Das Lied Vom Tod" herüber. Langsam, zurückgenommen beginnt der Song, ehe er sich im instrumentalen Mittelteil in einen schrägen, einer Jam-Session ähnelnden Klimax hinein steigert und genauso zart wieder ausklingt.

Leider dauert der komplette "Back Into The Darkness"-Spuk gerade einmal 35 läppische Minuten. Es hätten ruhig einige mehr sei dürfen, zumal es interessant wäre, Tito & Tarantula beim ausgiebigen instrumentalen Exzess zu lauschen. "Machete" macht vor, wie sich das anhören könnte.

Trackliste

  1. 1. Come Out Clean
  2. 2. Pretty Wasted
  3. 3. Monsters
  4. 4. Dust And Ashes
  5. 5. The End Of Everything
  6. 6. Now That You're Gone
  7. 7. Machete
  8. 8. Darkness
  9. 9. Murder
  10. 10. Like I Do

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