laut.de-Kritik
Robert Smith als Gastmusiker bei den grimmigen Schotten.
Review von Kerstin KratochwillDie grimmigen und grummligen Schotten von The Twilight Sad veröffentlichen mit "It's The Long Goodbye" ihr mittlerweile sechstes Album, das erste seit sieben Jahren, denn Sänger und Songwriter James Graham musste mit Verlust und Krisen fertig werden. Dieser schmerzliche Prozess, die psychischen Probleme und die Verletzlichkeit des Einzelnen, finden nun eine musikalische Verarbeitung in emotionalen und ergreifenden Songs.
Mit den pulsierenden Mitteln des Post-Punk, stürmischen Gitarren und jede Menge Distortion entstand so "It's The Long Goodbye", das fast eingängigste Werk der Indie-Alternative-Rocker. Am schwindelerregend schönsten berührt das im mantra-artigen, fast folkloristischen "Back To Fourteen", einem nostalgischen Blick zurück mit dem schimmernden Bass-Spiel von Robert Smith.
Der The-Cure-Mastermind ist wohl ihr prominentester Fan, und so sind The Twilight Sad erneut Vorband der New-Wave-Eighties-Legende, wenn diese im Juli gleich drei Shows in Berlin spielt. Musikalisch passt der düstere Post-Punk-Sound mit eightieslastigen sowie shoegazigen Einsprenkseln der Schotten sowieso, und so ist Robert Smith diesmal auch als Gastmusiker an Keys, Bass oder zusätzlichen Gitarren dabei – unter anderem bei den Tracks "Waiting For The Phone Call" oder dem ausufernd melancholischen "Dead Flowers". Die inzwischen auf ein Duo geschrumpfte Band mit Andy MacFarlane, der ansonsten für einen Wall Of Sounds an den Gitarren sorgt, wird hier so kurzzeitig zum Trio, das in ihrem Hang zum Gothic hier nur noch mehr schwelgt.
Mit sympathischem schottischen Akzent singt Frontman Graham über Trauer und Zerrissenheit – fast zeitgleich verlor er seine Mutter an die Demenz und sein Sohn wurde geboren. Musikalisch übersetzt bedeutet dies, dass die Band alle in ihrer Musik vorhandenen Extreme ausleuchtet: Roh und verspielt zugleich, tieftraurig und zornig gleichermaßen, melancholisch auf der einen Seite und energiegeladen auf der anderen.
Diese Spannweite umhüllt das Geheimnisvolle, das The Twilight Sad stets zu umgeben scheint. Aber trotz all ihrer Kühle ist dies eine Band, die wärmt: Kryptisch und kathartisch in einem – fungieren die neuen Songs geradezu therapeutisch tröstlich.


6 Kommentare mit 2 Antworten
Wieder ein hammer Album von den jungs...
Eine Frage hätt' ich: sind sie denn grimming, weil sie Schotten sind oder obwohl sie Schotten sind? Bitte um Aufklärung. Werd' bis dahin mal reinhören.
Für mich klingt die Band wie Edinburgh im Regen - und keine Stadt liebe ich mehr!
)
Ihre Musik ist grimmig...
Oh wow, eine meiner Lieblingsbands!! Aber noch nicht gehört - bin gespannt!
Dieser Kommentar wurde vor 3 Tagen durch den Autor entfernt.
Das versetzt mich in ganz andere Zeiten. Starkes Album.
So ganz 100% holt es mich nicht ab. Insgesamt klingt es etwas weniger trist und grimmig, als man es von TTS gewohnt ist. Die Band hat sich ein wenig geöffnet und bringt (analog dem Cover) Farbe mit in Spiel. Trotzdem sehr geil, braucht aber vielleicht mehrere Anläufe. Insgesamt hat mich aber die neue James Blake da mehr abgeholt, da war ich sofort Feuer und Flamme für den Sound!