laut.de-Kritik

Das Narrativ für musikalische Innovationen der Zukunft.

Review von

Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen. Über eine abschließende Bewertung dessen, was nun wahr ist und was nicht, führt die Menschheit seit jeher erbitterte Konflikte, die sich auf die Ebene eines jeden Menschen herunterbrechen lassen, gipfelnd in der Frage: Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?

"Eine Tatsache hat sich kaum ereignet, fünf Minuten später liegt der eigentliche Grund bereits im Dunkeln: getarnt, ausgeschmückt, entstellt, zerquetscht, ausgelöscht durch persönliche Wahrnehmung und Eigeninteresse." Giuseppe Tomasi di Lampedusa wählte diese Worte 1958 in seiner Abhandlung über die politischen Umwälzungen in Sizilien im 19. Jahrhundert.

Dieses Gefühlskonvolut fällt Bruce Soord in die Hände. Der Kopf der britischen Artrocker The Pineapple Thief merkt direkt, dass sich mit Blick auf das Hier und Jetzt nichts geändert hat. Zwar kursieren Begriffe wie "Fake News" und "Verschwörungstheorien" als Abgrenzung zum "Mainstream". Gerade die neoliberale Losung "Jeder ist seines Glückes Schmied" begünstigt eine separierte und individualisierte Einstellung zu Mensch und Umwelt. Soviel zum konzeptuellen Hintergrund.

Seit 2016 steht dem 43-jährigen Multiinstrumentalisten der Meister der metrischen Maskierung zur Seite. Schlagwerker Gavin Harrison, der bereits mit den Prog-Granden der Vergangenheit (King Crimson) und Gegenwart (Steven Wilson) Karriere machte, schickt sich nun an, mit The Pineapple Thief das Narrativ für musikalische Innovationen für die Zukunft zu zimmern.

Soord prägt die Songs mit seinem sanften Gesang und agiert häufig in Falsett-Lagen. Neu ist, dass er sein Frequenzspektrum erweitert und herunterschraubt. Hierbei erinnert er an die Artrock-Kollegen Matt Berninger (The National) und Guy Garvey (Elbow). Ähnlich wie bei Mariusz Duda von Riverside, kommt das tiefe Timbre besonders bei den Balladen "Too Many Voices" oder "Driving Like Maniacs" zur Geltung.

Die Härte des Vorgängers "Dissolution" ist passé. In punkto Abwechslungsreichtum knüpft das Quartett an die Klangvielfalt von "Your Wilderness" an und lehnt sich mit Blick auf das Songwriting an das poppige "Magnolia" an, ohne in Gefälligkeit abzudriften. Auf der Soundebene sticht der Einsatz der Marimba im Titelstück hervor. Der längste Track "Our Mire" geht gleichzeitig mit seiner fluffigen Rock-Gestik als eingängigstes Stück ins Ziel.

Trackliste

  1. 1. Versions Of The Truth
  2. 2. Break It All
  3. 3. Demons
  4. 4. Driving Like Maniacs
  5. 5. Leave Me Be
  6. 6. Too May Voices
  7. 7. Our Mire
  8. 8. Out Of Line
  9. 9. Stop Making Sense
  10. 10. The Game

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4 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    "Soviel zum konzeptuellen Hintergrund."

    "Auf der Soundebene sticht der Einsatz der Marimba im Titelstück hervor."

    Anfang und Ende des Reviews? Schon arg kurz geraten oder Yan? Jin und nicht richtig yang halt! ;)

  • Vor 2 Monaten

    Ich war etwas besorgt, dass mir die Review zu viel vorweg nimmt. Die Sorge war unnötig.

  • Vor 2 Monaten

    Ein ums andere Mal wärmt er die Ideen von Herr Wilson auf.

    • Vor 2 Monaten

      Ist nicht ganz verkehrt. Die ganz großen, eigenständigen Songs findet man bei Pineapple Thief jedenfalls nicht. Harrison ist etwas unterfordert und bereichert die Stücke sehr mit seinem phänomenalen Gefühl.

    • Vor 2 Monaten

      Hab ich auch so empfunden. Okay für nebenher, aber es fehlt das besondere, wie es zb das erste Alt-J Album hatte.

    • Vor 2 Monaten

      Zugegeben, seit Harrison bei TPT trommelt, klingen die drei Alben seitdem schon nur aufgrund von Gavins unverkennbarem Drumming etwas nach Porcupine Tree und auch Soord hat seine Art zu Schreiben mehr in diese Richtung verschoben. Aber auf ganzen 10 Alben vorher hatte die Band einen sehr eigenständigen Sound, der mit Wilson nicht viel zu tun hat und den ich trotz der Länge mancher Songs auch nicht im Prog sondern eher im Alternative verorten würde. Auf den besten Alben der Band ist Soord imo songwritingtechnisch locker auf einem Level mit Wilson. Und keinen Plan, was Alt-J damit zu tun haben aber da spielen Pineapple Thief natürlich sowieso in einer anderen Liga.

    • Vor 2 Monaten

      Wieso in einer anderen Liga? Prog machen die doch wenig bis gar nicht. Sanften Poprock eher. Das Schlimmste ist, dass er Kram im Radio laufen kann, Alt-J eher nicht.

    • Vor 2 Monaten

      Na ja, Raven und HCE waren schon Prog.

    • Vor 2 Monaten

      Yo c0190h! Ich hatte doch genau geschrieben, dass ich sie nicht mal im Prog sehen würde, mit andere Liga war anderes Level gemeint. Aber irgendwie verstehe ich gar nicht, was du mir sagen willst, vielleicht warst du einfach betrunken. Ist ja auch voll egal, Hauptsache du pumpst nächsten Sommer wieder fleißig das neue Albong von Cro und schiebst ordentlich Welle!

  • Vor 2 Monaten

    Trotz des grässlich geschriebenen Reviews - hier hat für mich bereits der Titel einen neuen Tiefpunkt definiert - habe ich jetzt reingehört und finde es nett und ein bißchen belanglos, die oben attestierte Wilson- Nähe höre ich auch, ist ja aber nicht schlimm - Innovation der Zukunft ( sic!) ??? Gute 3 wegen des Wohlklangs ...