Porträt

laut.de-Biographie

The Flying Burrito Brothers

1967 sind The Byrds am Ende. In ihrer Heimat haben sie kaum noch Erfolg, die altbewährte Formel, mit schillernden Zwölf-Saiter-Gitarren den Tambourine-Man zu geben, hat sich abgelutscht. Auch die Versuche, mit Experimentalität und Hippie-Psychedelia zurück ins Gespräch zu kommen, scheitern: "The Notorious Byrd Brothers" ist künstlerisch erste Sahne, floppt aber dennoch, und David Crosby verlässt die Band.

The Flying Burrito Brothers - The Gilded Palace Of Sin Aktuelles Album
The Flying Burrito Brothers The Gilded Palace Of Sin
Musik, Glaube und LSD überwinden alle Grenzen.

Lee Hazlewood empfiehlt den verbliebenen Mitgliedern einen 21-jährigen Schützling, der von nun an den Harmoniegesang übernehmen soll. Anstatt lediglich die Truppe zu komplettieren, bringt Gram Parsons die Veteranen dazu, ein modernes Country-Album aufzunehmen. Es folgt "Sweetheart Of The Rodeo", ein weiteres fantastisches Album, wieder ohne kommerziellen Erfolg.

1968 fliegen The Byrds nach Südafrika, Gram Parsons fliegt nicht mit. Er behauptet, es liege am Rassismus der Apartheid. Nahe liegt doch, dass er es ganz einfach vorzieht, den Sommer mit seinen neuen Freunden Keith Richards und Mick Jagger in London zu verbringen.

Zurück in den USA, hat auch Chris Hillman die Byrds verlassen. Gram Parsons schnappt sich ihn, den virtuosen Pedal-Steel-Gitarristen 'Sneaky' Pete Kleinow sowie zwei Kollegen der International Submarine Band, den Bassisten Chris Ethridge und Schlagzeuger Jon Corneal, um seinen Traum von der "kosmisch-amerikanischen Musik" wahr zu machen.

The Flying Burrito Brothers veröffentlichen am 6. Februar 1969 ihr erstes Album. "The Gilded Palace Of Sin" ist ein zeitloses Meisterwerk. Nie zuvor verschmelzen die liberalen bis sozialrevolutionären, esoterischen bis existenzialistischen Ansätze der amerikanischen Gegenkultur so nahtlos mit dem konservativen Country aus Nashville. Dessen ureigene Erneuerer rütteln zwar an Themen und Dogmen, aber nicht am Sound. Die Flying Burrito Brothers tun nun beides, und das mit einer musikalischen Versiertheit, die sich nicht vor Tennessee zu verstecken braucht.

Ein Jahr später kommt der Nachfolger namens "Burrito Deluxe" in die Plattenläden. Coverversionen, wenig neues Material und das Gefühl einer gewissen Schlampigkeit im Arrangement sorgen für Enttäuschung und noch weniger Verkaufszahlen als zuvor.

Parsons' zunehmende Drogenabhängigkeit und Allüren generieren kollegialen Missmut. Seine Kollegen feuern ihn aus seinem eigenen Projekt, drei Jahre später stirbt er in einem Motel nahe des Joshua Tree Nationalparks. Während sein früher Tod nur eine weitere langweilige Überdosis in den wilden Jahren der Rockmusik ist, verschaffen ihm die Umstände seiner Beerdigung Legendenstatus. Man stiehlt die Leiche, will sie verbrennen, schafft es nicht ...

Die Burritos veröffentlichen zwischenzeitlich ein weiteres Album und lösen sich 1972 auf. Vorübergehend in Vergessenheit geraten, wecken das Ableben ihres einstigen Frontmanns und die makaberen Begleitumstände ein loderndes Interesse. Schon 1974 feiert die Band mit neuem Release in frischer Formation Wiederauferstehung.

Während die klassische Parsons-Burrito-Phase nur zwei Studioalben umfasst, bringen es die untoten Inkarnationen namens The Burrito Brothers, Sierra, The Burritos oder Burrito Deluxe mit unzähligen Besetzungswechseln auf stattliche vierzehn.

2018 erscheint "Still Going Strong" ohne ein einziges Originalmitglied, aber mit billigem Abklatsch des wichtigsten Artworks der Bandgeschichte auf dem Booklet. Man sollte sich öfter einmal vergegenwärtigen, dass die Losung "Rest in Peace" als Aufforderung zu verstehen ist.

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