Porträt

laut.de-Biographie

The Decemberists

Man könnte meinen, die Decemberists ließen sich von den aufständischen russischen Rebellen gleichen Namens inspirieren. Die kämpften 1825 gegen Zar Nikolaus I. Doch auch wenn die Band mit ihrer Musik eine winzige Revolution anzetteln möchte, so hat ihr Name noch einen anderen Ursprung. Er soll auch die dunklen und doch warmen Gefühle ausdrücken, die Menschen in eben diesem Monat, dem Dezember, empfinden.

Vorchecking: Stone Temple Pilots, Kim Wilde
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Außerdem ab Freitag erhältlich: Snoop Dogg, The Decemberists, Juse Ju, Earthless, Ruffiction, Jennifer Rush, Bell Book & Candle, The Fratellis, Frei.Wild etc.
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Es beginnt alles in Helena, Montana, der Geburtsstadt des Frontmanns und Vordenkers der Band Colin Meloy. Seine Mutter strandet in der Einsamkeit Montanas, nachdem ihr das Leben als Hippie in einer Großstadt nicht mehr behagte. Doch Colin fühlt sich dort immer isolierter. Er beschließt, nach Portland zu ziehen und es dort als Musiker zu versuchen.

Dort angekommen, erwartet ihn zunächst eine große Enttäuschung. Alle Freunde, die er aus seiner Heimat kennt, scheinen sich in Portland nicht mehr an ihn zu erinnern, melden sich nicht, lassen ihn fallen. So beginnt der Singer/Songwriter, sich in der Folk-Szene zu engagieren. Er spielt bei Open Mics, doch die Stimmung dort bedrückt ihn. Heute beschreibt Colin diese Szene als "culturally depressed".

Nach kurzer Zeit lernt er neue Freunde kennen, die sich in der Indie-Szene seiner neuen Heimat tummeln. "Das eröffnete mir eine neue Welt", teil er in einem Interview erleichtert mit. Unter all seinen neuen Kontakten findet er Leute, die die selben Interessen hegen wie er. Anstatt allein auf Open Mics aufzutreten, gründen sie gemeinsam eine Band. Die erste, die zu Colin stößt, ist Jenny Conlee (Akkordeon, Keyboards). Nach und nach kommen auch Chris Funk (Gitarre), Nate Query (elektrischer - und Akustik-Bass) und zu guter letzt noch Ezra Holbrook (Drums, Vocals) dazu.

In nur drei Tagen nimmt die Band ihre Debüt-EP "Five Songs" auf. Colin kennt zu der Zeit zwar schon den Besitzer des Portland-Labels Rush, der hat jedoch kein Geld, die Band zu signen. Statt dessen bietet er seine Hilfe bei den Aufnahmen an. Das Album brennt die Band dann zu Hause und verbreitet es auf CD-Rs. Das Artwork besorgt Carson Ellis, die Freundin Meloys und die noch mehrere Cover für die Band gestalten soll. Auch das erste vollständige Album nehmen die Decemberists ohne einen Vertrag auf. Erst als sie schon mitten in den Aufnahmen zu "Castaway And Cutouts" stecken, bietet ihnen Hush einen Deal an.

Dass "Her Majesty The Decemberists" auf Kill Rock Stars erscheint, ist mehr oder weniger Zufall: Ein Freund der Band ist wiederum mit der Freundin des Kill Rock Stars-Besitzers befreundet. Über diese Connection gelangt eine CD der Decemberists in die Hände von Kill Rock Stars-Boss Slim Moon. Nachdem der ein Solo-Liveset von Colin - auf dem er Decemberists-Songs performte - sieht, ist der Deal so gut wie perfekt. Das zweite Album der Gruppe erscheint mit Rachel Blumberg an den Drums und Jesse Emerson am Bass.

Die folgende EP "The Tain" nehmen die fünf (wieder mit Nate Query am Bass) mit Chris Walla von Death Cab For Cutie auf. Bei der EP handelt es sich um eine Konzeptarbeit, sie basiert auf einem irischen Gedicht mit dem selben Namen. 2005 folgt das nächste Album "Picaresque". Die Band geht im Spätsommer 2004 ins Studio, produziert es wieder gemeinsam mit Chris Walla. Die Violinistin Petra Haiden unterstützt das Quintett bei den Aufnahmen. Das Album sorgt für Aufhorchen in der Indieszene, mit "The Sporting Life" und "Sixteen Military Wives" verzeichnet das Album zwei kleine Hits.

Ende 2005 unterschreibt die Band einen Major-Deal bei Capitol/EMI. Doch Team-Chef Colin Meloy beteuert: "Wir sind die selbe Band und wir werden weiter die selbe Musik machen, wenn nicht noch stranger." Im Frühjahr 2006 geht es wieder ins Studio, um die Aufnahmen für "The Crane Wife" zu beginnen. Wieder einmal besetzt sich die Schießbude um, John Moen übernimmt die Drums von Blumberg. "The Crane Wife", das vierte Album der Decemberists, erscheint Anfang Februar 2007 in Deutschland, nachdem es bereits im Oktober 2006 in den USA heraus kommt.

Es ist nach einem alten japanischen Märchen benannt und beinhaltet eine große Bandbreite verschiedener Sounds; zwei der Songs sind mit über zehn Minuten recht episch geraten. Ihrer Liebe zum Geschichtenerzählen bleibt die Gruppe treu und wagt sich 2009 mit "The Hazards Of Love" gar an ein Konzeptalbum, das die tragische Geschichte von Margaret und ihrem Lover William zum Thema hat. Fiktionale Stoffe, interessant aufgearbeitet, bleiben bei den Decemberists in guten Händen.

Nur zwei Jahre später erscheint "The King Is Dead", das mittlerweile sechste Album der Band. Die Decemberists spielen es auf einer entlegenen Farm im Bundesstaat Oregon ein, unter anderem mit Peter Buck. Colin Meloy nennt das R.E.M.-Gründungsmitglied als wichtigen Einfluss auf die Songs. "The King Is Dead" ist äußert erfolgreich, die Single "Down By The Water" in zwei Kategorien für den Grammy nominiert. Mit "We All Raise Our Voices To The Air" erscheint das längst fälllige Live-Dokument der Band auf einem Doppel-Album.

In tieftraurige Lagerfeuer-Klangwelten flüchtet sich 2015 "What A Terrible World, What A Beautiful World". Kein Wunder: Meloy thematisiert u.a das Massaker, das sich im US-Bundesstaat Connecticut an einer Grundschule ereignete, wo ein Amokläufer 26 Menschen erschoss. Ist der Sound dieser Platte noch klar im Soundkosmos der Band zu verorten, kleiden die Decemberists 2018 auf "I'll Be Your Girl" ihre Melancholie in ein ungewohnt elektronisches Outfit.

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