laut.de-Kritik

Die Hardrock-Supergroup zündet explosive Brandbomben.

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Wie eine Schlange windet sich die Gitarre im Ohr. Erdige Vocals setzen ein und besingen die Unbill des Lebens, "until you strike the match and burn it down". Eine Sekunde später bricht das Rockgewitter los: So lässig zaubert das Titelstück des vierten The Dead Daisies-Studioalbums echtes Titty Twister-Feeling aus dem Hut. Drumherum fliegen zehn weitere Hardrock-Brandbomben, von denen neun zünden.

Ständige Besetzungswechsel verliehen der Formation um das einzig konstante Mitglied David Lowy lange eher Projektcharakter. Doch damit ist endlich Schluss: Das Line-Up der letzten Jahre blieb im wesentlichen erhalten und wuchs zur echten Band. Einzig Drummer Dean Castronovo ist diesmal neu an Deck.

Auch wenn die Namen des Quintetts der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt erscheinen mögen: Die Liste weltbewegender Acts, bei denen sie entweder Mitglied oder Studio-/Live-Musiker waren, liest sich ehrfurchtgebietend und wirkt kaum topbar: Whitesnake, Dio, Mötley Crüe, Thin Lizzy, Bad English, Journey, Ozzy Osbourne, GZR, Steve Vai, Ted Nugent, House Of Lords, Dolores O'Riordan und sogar Lady Gaga.

Wer solche Schwergewichte in die Waagschale wirft, sorgt automatisch für eine entsprechend hohe Erwartungshaltung. Doch hier hat der Hörer nichts zu befürchten. "Burn It Down" entpuppt sich als kraftstrotzendes Rock-Monster mit Klassikerpotenzial.

Zuallererst fällt der ebenso knallende wie kristallklare Sound auf. Producer Marti Frederiksen (Def Leppard, Foreigner) hat mit Anthony Fox (L.A.Guns, Great White, Santana) ganze Arbeit geleistet und eine der aktuell besten Genreproduktionen überhaupt abgeliefert. Besonders Fox' edler Mix rechtfertigt jeden Kniefall. Man höre nur, wie er in "Judgement Day" dem derben Heavyrock-Salat einen niedlichen Eggshaker gegenüberstellt, ohne die organische Einheit des Sounds zu gefährden. Mehr Weltklasse geht kaum.

Der musikalische Reiz der Band liegt in ihrer Janusköpfigkeit. Mit einem Stiefel steht sie fest im Hardrock. Der andere Fuß marodiert vor allem instrumental gern in klassischen Heavy Metal-Gefilden (etwa "Resurrected" oder "Rise Up"), alles gekonnt abgerundet mit ein wenig ledrigem Blues hier und einer Prise Melodic Rock dort.

Frontman Corabi passt zu diesem Konzept wie die Faust aufs Auge. Sein räudiges Raubein-Organ klingt, als habe man es erst in Bourbon eingeweicht, um es hinterher in der Wüste zu trocknen. Die grenzenlose Energie beeindruckt durchweg und lässt trotz breitbeinigen Muskelspiels genug Raum für einen starken emotionalen Ausdruck. Anspieltipp hierzu: die Strophe von "What Goes Around".

Highlights gibt es etliche. So ist "Leave Me Alone" genau jene Sorte Brecher, den man sich von AC/DC nach "Stiff Upper Lip" vergeblich erhoffte. Das balladeske "Set Me Free" klingt hingegen dezent nach Whitesnake, dabei ungleich besser als alles, das David Coverdale seit Jahren serviert.

Als Sahnehäubchen gibt es zwei Cover. Der Rolling Stones-Klopper "Bitch" steht den Dead Daisies. Besonders Corabis Gesang reicht Testosteron-König Jagger erstaunlich gut das Wasser. Recht sauer wird die Sahne jedoch bei T.Rex' "Revolution". Zu viel Macho, zu wenig Flair, um den Charme des blumigen Originals auch nur entfernt einzufangen. Die Bolan-Nummer bleibt jedoch der einzige Schwachpunkt auf der ansonsten starken Platte.

Trackliste

  1. 1. Resurrected
  2. 2. Rise Up
  3. 3. Burn It Down
  4. 4. Judgement Day
  5. 5. What Goes Around
  6. 6. Bitch
  7. 7. Set Me Free
  8. 8. Dead And Gone
  9. 9. Can't Take It With You
  10. 10. Leave Me Alone
  11. 11. Revolution

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