laut.de-Kritik

Großstadt, Schokolade und Sex: Was will man mehr?

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Die vier Briten Matthew Healy, Adam Hann, Ross MacDonald und George Daniel machen schon seit Schulzeiten gemeinsam Musik. In den Anfangstagen kann sich das Quartett aber noch nicht recht entscheiden, ob es lieber in die Fußstapfen von Velvet Underground, Sigur Rós oder Boyz II Men treten will. Heute - ein knappes Jahrzehnt später - herrscht Klarheit in Manchester: "Wir wissen was wir sein wollen, wir wollen einfach viele Dinge. Wir wollen nicht in eine Schublade gesteckt werden, denn dazu gibt es einfach keinen Grund", sagt The 1975-Frontmann Matthew Healy.

Was wie ein vom Label aufgedrückter Promo-Zweizeiler klingt, entpuppt sich schnell als eine auf den Punkt genaue Beschreibung des musikalischen Ist-Zustands der 75er. Fernab von genormten Genre-Schubladen mixen sich die Insulaner ihr eigenes Soundgebräu und bedienen sich dabei der musikalischen Highlights der letzten drei Jahrzehnte.

Vor allem die Achtziger stehen bei The 1975 hoch im Kurs. Da wären beispielsweise Songs wie "Talk!", "Heart Out" oder "Settle Down" – locker aus den Ärmeln geschüttelte Synth-Pop-Dreiminüter, für die ein Großteil der Bundfaltenhosen-Träger vor 25 Jahren Haus und Hof verkauft hätte.

Nicht minder locker und unbeschwert stolziert das Quartett in vermeintlich hausbackener Allerwelts-Pop-Garderobe ("Robbers") umher. Ebenso maßgeschneidert präsentieren sich slappende Funk-Zweiteiler à la "Girls", "She Way Out" oder "Pressure". Die Eckpfeiler ihres Schaffens markieren die Engländer gleich zu Beginn, wenn sich The Edge-Anschlagtechniken, Indie-Pop-Sphären und in Hall gebettete Gesangseinlagen zu einem detailliert arrangierten Ganzen vereinen ("The City", "Chocolate", "Sex").

Plötzlich erwachen diverse Revoluzzer-Erinnerungen zu neuem Leben und verbannen all die schaurig skurrilen Musik-Momente ins Nirwana, als Typen wie Roland Orzabal, Marc Almond oder Midge Ure noch die großen Bühnen der Welt regierten. Danke dafür.

Da stören sich die verwöhnten Gehörgänge dann auch nicht mehr an überflüssigen Filler-Brücken ("An Encounter", "12") oder völlig deplatzierten Piano-Tränen ("Is There Somebody Who Can Watch You"). "And this is how it starts", haucht Healy ins Mikrofon. Wir sind gespannt, wie's weitergeht.

Trackliste

  1. 1. The 1975
  2. 2. The City
  3. 3. M.O.N.E.Y.
  4. 4. Chocolate
  5. 5. Sex
  6. 6. Talk!
  7. 7. An Encounter
  8. 8. Heart Out
  9. 9. Settle Down
  10. 10. Robbers
  11. 11. Girls
  12. 12. 12
  13. 13. She Way Out
  14. 14. Menswear
  15. 15. Pressure
  16. 16. Is There Somebody Who Can Watch You

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