Porträt

laut.de-Biographie

Steasy

"Eigentlich wollte ich nur 'ne geile Quali machen", rekapituliert Steasy seine Entscheidung, doch noch einmal beim Battlerap-Contest VBT anzutreten. "Ich wollte die Nummer eins im User-Voting werden - und dann aussteigen."

Ein Plan, der auf mehreren Ebenen misslingt: Steasy - ganz früher als Perstil Precious, damals jedoch schon unter dem Alias Persteasy unterwegs - landet in der Gunst der Zuschauer lediglich auf Platz drei. Aus dem Ausstieg wird ebenfalls nichts: Statt verfrüht das Handtuch zu werfen, marschiert er bis ins Finale durch.

2013 eröffnet Steasy das Splash! - sein zehntes, wie er Visa Vie im Interview entgegen freut: Der erste Slot des Festivals ist seine Trophäe für den Sieg beim Turnier. Das war beileibe nicht sein erstes: Im Jahr zuvor scheitert er im Viertelfinale am späteren Gewinner Klaus Bukkake. In früheren Ausgaben gab er freiwillig auf, mal weil er "keine Lust mehr" verspüre, ein anderes Mal wollte er seine Rückrunde nicht ausgerechnet an dem Tag bestreiten müssen, an dem das EM-Finale stieg. Auch, wenn mancher das als fadenscheinige Ausreden zu deuten versucht: So lange Steasy mitspielt, gibt der Erfolg ihm regelmäßig Recht.

Die Reimliga Battle Arena, wo Steasy (genau wie Cro oder Kollegah) Skills, Fans und erste Lorbeeren sammelt, erweist sich auch in seinem Fall als harte, aber effektive Schule. 2004 beginnt Steasy dort seinen Weg als Rapper. Zwei Jahre später verzeichnet seine Bilanz zwanzig geschlagene Schlachten, darunter 14 gewonnene und zwei Remis.

"Powerposerrap und Indietrash" nennt Steasy selbst seinen Stil. Beobachtern springt neben der Cap und der Sonnenbrille zuallererst seine plakativ zur Schau getragene Arroganz ins Gesicht. Selbstverliebtheit und Eitelkeit nutzt Steasy als Stilmittel.

Die penetrante Ich-bin-der-Geilste-Attitüde lässt sich allerdings aus zwei Gründen problemlos aushalten: Zum einen ist, was der Typ zu bieten hat, halt einfach tatsächlich ziemlich geil. Zum anderen zeigt sich in jedem Interview recht schnell, dass hinter der blasierten Kunstfigur doch eigentlich ein ganz bodenständiger Kerl steckt.

Der erblickt das Licht der Welt als dritter Sohn seiner Eltern. Dass das Nesthäkchen von Beginn an verwöhnt wird, kommt in den besten Familien vor. Die älteren Brüder sorgen für die adäquate Hip Hop-Sozialisation, doch natürlich lernt der Junge "etwas Richtiges": In Kiel studiert er erfolgreich Sport und Deutsch fürs Lehramt an Gymnasien.

Mit dem Bachelorabschluss in der Tasche und zum Master fehlt auch nicht mehr viel, bleibt Steasy 2013 allerdings viel Zeit, um seinen Durchmarsch beim VBT zu zelebrieren. Schon, als seine erneute Teilnahme publik wird, kommt die Frage aller Fragen auf: Wird es nicht langsam Zeit für ein Album?

Es beginnt, was Steasy später "die längste Promophase der Deutschrap-Geschichte" nennen soll. Er lässt seinem Featurepart auf Hollywood Hanks Album-Klassiker "Soziopath" zwar zwei EPs folgen (eine davon in Kooperation mit seinem Federballklikke-Crewkollegen Zarte Lust entstanden). Zweimal geht er zusammen mit Weekend auf Tour. Das locker angekündigte Album allerdings, das kommt und kommt nicht.

Steasy schlägt die Angebote mehrerer Labels in den Wind. Er zieht vor, die Sache im Alleingang zu stemmen, ganz ohne Zeitdruck und Vorgaben von außen. So ziehen eben auch einmal mehrere Jahre ins Land: "Statussymbol" erscheint im Herbst 2017.

"Technisch bin ich nicht der krasseste", zeigt Steasy kein Problem mit derlei Kritik. "Das ist jedem bewusst. Das geb' ich auch zu." Aber Technik ist ja bekanntlich nicht alles.

Wenn der Pionier des Poserraps plötzlich Einblicke in Persönlichkeit und Privatleben gestattet, sich dabei aber stets selbst der nächste bleibt, dann zeugt das von einer Attitüde, mit der man weit kommt, im Rap-Zirkus - noch viel weiter als bis auf die Bühne des Splash!-Festivals.

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