laut.de-Kritik

Wie die Inhaltsangabe eines Softdrinks.

Review von

Sasha folgt dem Beispiel von Sarah Connors erfolgreichem "Muttersprache" und singt von nun an auf Deutsch. Damit reiht er sich in die lange Schlange der "Songpoeten" wie Mark Forster, Johannes Oerding und Max Giesinger ein. Der jungen deutschen Künstler, die sich "Singer/Songwriter" schimpfen, aber an deren Songs bis zu fünf Komponisten beteiligt sind. Er sollte aufpassen: Wer sich als Letzter am großen Buffet anstellt, läuft Gefahr, nur noch die angetrockneten Reste zu bekommen.

Dabei greift Sasha auf allgegenwärtige Autoren wie Ali Zuckowski, Martin Fliegenschmidt, Hannes Büscher, Robin Grubert oder Sera Finale zurück. Autoren, deren Titel sich durch die ganze hiesige Musiklandschaft ziehen. Neben den bereits Genannten gehören Adel Tawil, Wincent Weiss oder Annett Louisan zu ihren Kunden. Als gemeinsamer Nenner findet sich ausgerechnet Helene Fischer. Kein Wunder, dass die hiesige Musiklandschaft so gleichförmig klingt. Sie ähnelt einem Sündenpfuhl, in dem der Partner von einem zum anderen gereicht wird. Wessen Name schließlich auf dem Endprodukt steht, spielt im Grunde keine Rolle mehr.

Um zwischen all den Wir/Du/Ich-Texten über die Liebe und das Leben einen Bezug zum Künstler zu bekommen, gibt es noch die ordentlich mit Nostalgie überzogenen, autobiografischen Songs. Der Weg vom Schlüsselkind zu "Sing Meinen Song" zu "Schlüsselkind". Ein Lied an sein junges Ich, dem er nichts anderes mitzuteilen hat als: "Auch wenn manche Tage nicht einfach sind / Glaub mir, wenn ich dir sage / Du kriegst das hin." Na, danke. Leere Ratschläge, die man an schweren Tagen weder von Freunden, den eigenen Eltern, noch von seinem eigenen älteren Ich braucht. Darauf eine Grapefruit.

All dies zusammen führt zu ebenso austauschbaren Balladen wie Texten. "Wo wäre ich nur / Wo wäre ich ohne dich? / Wer weiß / Das wichtigste / Du bist das wichtigste für mich / Vielleicht / Hält das ewig hier / Das mit dir und mir", singt Sasha in "Du Fängst Mich Ein" und könnte ebenso die Inhaltsangabe eines Softdrinks rezitieren, ohne dass das Lied dabei an Gehalt verliert. "Wasser / Kohlensäure / Farbstoff 150d / Säurungsmittel / Immer wenn ich abheb' / Immer wenn ich abdreh' / Kommst du und fängst mich ein."

Natürlich muss da etwas mehr her, das Publikum erwartet die geliebten Wandtattoo-Sprüche. "Leben Danach" hilft da prompt: "Doch auch wenn du gerade im Dunkeln stehst / Irgendwann endet auch der stärkste Regen." Gib niemals auf. Träume deinen Traum. Keine Angst vor der Wahrheit. Engel kann man nicht kaufen, aber man kann ihnen begegnen. Wir richten Küchen mustergültig ein. Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch.

Dass man diese Weisheiten nicht zwanghaft in Balladen verpacken muss, zeigt Sasha, wenn er wie im Opener "Weiße Weste" mal so richtig wie Wutz rauslassen will. "Jeder Fehler macht das Leben erst perfekt", gibt er in diesem weichgespühlten Soul-Pop im "Let Me Entertain You"-Stil von sich. Ein offenbar nicht zu unterdrückter Hang zu schlechten Wortspielchen führt zu Songtiteln wie "Nichtgeschwindigkeit" und "Frohes Neues Ja". In "Gorilla" - "Wuuuh!" - mischt er Dancehall-Einflüsse, klingt dabei aber mehr nach Culcha Candela als nach Seeed. Dabei verfügt Sasha doch über beste Voraussetzungen, er hat "Sonnenstrahlen im Kopf und den Bauch voller Lieder" ("Bauch Voller Lieder"). Tut das nicht weh?

Mit "Zwei Herzen" schreibt er mit Elias Hadjeus und Benjamin Bistram aka Biztram zusammen die Hymne aller Timelords vom Planeten Gallifrey, von denen es bekanntlich nicht mehr all zu viele gibt. Der Doktor singt munter mit: "Wie oft wollt' ich schon bleiben / Wie oft bin ich doch gegangen / Und wie oft dacht' ich, ich bin fertig / Wollt' wieder neu anfangen / ... / Ich lass' mich einfach treiben / mit dem Steuer in der Hand / … / Zwei Herzen / In meiner Brust schlagen zwei Herzen / Mal lauter, mal leiser und nicht immer im Takt / Aber in meiner Brust hab' ich für zwei Herzen Platz."

Dank Sashas Teflon-Image fällt der Sprachwechsel auf "Schlüsselkind" nicht weiter auf. Ratzfatz vergisst man, dass er überhaupt mal englisch gesungen hat. Der Preis dafür: Er verstärkt ab sofort die gesichtslose Masse der "Songpoeten", deren Album-Werbung zwischen Trivago-Mann und der Check 24-Familie nicht weiter angenehm auffällt.

Trackliste

  1. 1. Weiße Weste
  2. 2. Polaroid
  3. 3. Du Fängst Mich Ein
  4. 4. Immer Wie Immer
  5. 5. Genug Ist Genug
  6. 6. Der Junge
  7. 7. Schlüsselkind
  8. 8. Leben Danach
  9. 9. Gorilla
  10. 10. Nichtgeschwindigkeit
  11. 11. Jekyll & Hyde
  12. 12. Zwei Herzen
  13. 13. Frohes Neues Ja
  14. 14. Bauch Voller Lieder

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