laut.de-Kritik

Eine Platte für alle guten Menschen da draußen.

Review von

"Groß ist die Kraft von dem, was in deiner Seele liegt. Und uns Rhythmus macht und alles andere besiegt." Wenn man den Werdegang der Münsteraner Samba mal von Anfang an verfolgt, dann kann man ihnen jede Menge Respekt entgegenbringen. Eine enorme Ausdauer hat das Trio. Trotz Hamburger Überdosis und Kurzlebigkeit in dieser bösen Musikbranche (man wird abgeschrieben, bevor man überhaupt "Prost" sagen kann), scheint das sonnige Gemüt aus Münster mit jeder Veröffentlichung erneut.

Samba leben für ihre Musik und bringen mit "Aus den Kolonien" ihr drittes Komplett-Album auf dem freundlichen Tapete Label heraus. Die ständigen Hoch und Tiefs beschreiben sie in einer wunderschönen Pop-Collage. "Wir haben keine Angst vor Untergang in einem Top Show Down." "Hochtief" schlendert elegant, harmonisch-beschwingt durch die Facetten des Lebens. Die Musik ist so gar nicht aufdringlich und doch sehr präsent. "Tip zur Sonne" rockt sich durch die schwere Heizungsluft in deinem Zimmer.

Die kleinen Geschichten des Alltags erzählte Knut Steinert auch melancholisch-fröhlich auf dem Album Millionen ziehen mit, und schon da wusste man nicht, ob man lachen oder heulen sollte. "Aus den Kolonien" sind elf unbekümmerte Popmelodien, die durchaus Punkrock Potenzial besitzen. Und das ist gut so! "Komm davon" ist die Hymne des Tages, in der der Trompeteneinsatz die Lauscher aufrecht hält und keinesfalls als störend empfunden werden kann. Samba, die man durchaus als legendäre Indieband bezeichnen darf, kämpfen sich weiter durch den Massendschungel der Musik und beweisen wieder einmal, dass sie MEHR verdienen. "Jungs, wir wollen euch kämpfen sehen!" ("Sexzellen").

Während andere deutsche Bands die Charts erklimmen, reisen Samba weiterhin durch sämtliche Städte und spielen unermüdlich ihre Konzerte. Seit 1993 gibt es das Trio nun schon. Kann man nur wünschen, dass sie jetzt mal neben dem Tourstress größere Aufmerksamkeit bekommen und mit Tocotronic oder den Sternen auf der gleichen Hitwelle durch die Medienknaststädte surfen. Eine Platte für alle guten Menschen da draußen, die hoffentlich noch nicht ausgestorben sind.

Trackliste

  1. 1. Bis der Tag beginnt
  2. 2. Tip zur Sonne
  3. 3. Hochtief
  4. 4. Haben und Halten
  5. 5. Aus den Kolonien
  6. 6. Sie atmen durch
  7. 7. Gib mir Karma
  8. 8. Komm davon
  9. 9. Durch die Gassen
  10. 10. Sexzellen
  11. 11. In unserer Stadt

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