laut.de-Kritik

Der Dreck von Kyuss trifft die Heavy-Kante von Mastodon.

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"Vatan" bedeutet auf Persisch Heimat. Jenseits enger Grenzen weiten Samavayo diesen Begriff aus und verorten sich musikalisch zwischen westlichen popkulturellen und traditionellen östlichen Einflüssen. Bringt das Trio das Nationen-Dilema im Opener "Prevarication Nation" auf den Punkt, öffnen sie sich im nachfolgenden Titeltrack, in dem sie ein Gedicht der iranischen Dichterin Simin Behbahāni vertonen. Persischer Sprachfluss auf rockigen Schemata funktioniert erstaunlich gut, auch weil Frontman Behrang Alavi den Song fließen lässt und der Stimme in der Komposition genügend Raum lässt. Ein Lo-Fi-Synthie leitet mit seiner Sirenen-Adaption den Track "Sirens" ein, der als kürzester Track auch live für gehörig Alarm sorgt.

Der Dreck von Kyuss und die Heavy-Kante von Mastodon sind wichtige Sound-Komponenten. Gemessen an den C-Parts des Openers und von "Sirens" tritt die vetrackt-hypnotische Manier von Tool besonders zutage, die diese auf "Lateralus" zur Meisterschaft geführt haben. Allgegenwärtig thronen über allem die Urväter sämtlicher Metal-Stile, Black Sabbath. Somit erfindet die Band das Rad nicht neu, sondern dreht es äußerst gekonnt und geschmackvoll, wozu auch der spärliche Einsatz elektronischer Sounds beiträgt ("The Hate Of Thousands").

Der rohe, fuzzige Bandsound lebt vom Zusammenspiel der Rhythmus-Gruppe in Person der Brüder Andreas und Stephan Voland. Darüber setzt Alavi mit seiner raumgreifenden Stimme zwischen Maynard James Keenan und Troy Sanders kraftvoll-melodische Ausrufezeichen. Das Psychedelische im Band-Sound klingt besonders in den Strophen durch, in dem Stimme und Band zu einer Einheit verschmelzen.

Die zweite Hälfte gestaltet die Band in Sachen Dynamik abwechslungsreicher. In "Marionette" nähern sich Samavayo balladesken Tönen an, während sie im straighten "Time To Die" ihren älteren Werken am nächsten stehen und somit der alten Soundanalogie 'Fuel' - einem Gemisch aus Rock und Pop - huldigen. "Children Of Kobane" überwältigt mit seinem tagesaktuellen Bezug. Mit seinen schwelgerischen und ausufernden Parts lässt sich mit "Vatan" sehr gut Weltflucht betreiben. Der Text um die Belagerung der syrischen Stadt holt den Hörer wieder ins Hier und Jetzt zurück.

Samavayo liefern mit "Vatan" eine Retro-Platte in homogenem Stil mit zukunftsweisender Message und großartigen Melodien ab, die sich nicht hinter Kollegen wie Kadavar oder Monkey3 verstecken muss. Das symbolisch-hintergründige, vornehmlich in Grün- und Gelbtönen gehaltene Artwork rundet diese Perle des Undergrounds noch zusätzlich ab.

Trackliste

  1. 1. Prevarication Nation
  2. 2. Vatan
  3. 3. Sirens
  4. 4. The Hate Of Thousands
  5. 5. Marionette
  6. 6. Time To Die
  7. 7. Children Of Kobane

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LAUT.DE-PORTRÄT Samavayo

Der Name Samavayo hat seinen Ursprung in der Sanskrit-Sprache und bedeutet Einheit. Auf die Band bezogen bedeutet das, dass man sich ein Outfit als PS-gestählte …

3 Kommentare mit 10 Antworten

  • Vor 10 Monaten

    Die waren mir neu, aber Herr Vogel hat in seiner Rezi natürlich all die richtigen Referenzen in den Ring geworfen, um mich hinterm Ofen hervor zu locken. "Sirens" gecheckt, Album bestellt.

    • Vor 10 Monaten

      Das Artwork erinnert übrigens sehr an die Arbeiten von John Dyer Baizley für u.a. Baroness, Kylesa oder auch Darkest Hour. Auf dessen Seite aperfectmonster.com sind Samavayo jedoch (noch?) nicht gelistet. Stellt sich wohl erst raus, wenn die Platte in physischer Form hier ist.

    • Vor 10 Monaten

      Kvelertak nicht zu vergessen. Da kommt es schon echt sehr nah ran.

    • Vor 10 Monaten

      Jetzt ernsthaft? Sehe ehrlich gesagt überhaupt nicht, wie man vermuten könnte, das wäre vom selben Künstler. Nur weil das beides etwas Art Nouveau-ish ist? Stilistisch unterscheiden tut es sich doch trotzden massiv und das Cover hier ist handwerklich doch nichtmal halb so ausgereift, wie alles was man auf der von souli verlinkten Webseite findet.

    • Vor 10 Monaten

      Also 200x200 px runterskaliert ist es schon echt ähnlich

    • Vor 10 Monaten

      Oh ok, das ist dann wahrscheinlich tatsächlich etwas Anderes. Auf'm Handy im Hochformatmodus zeigt es einem das Cover halt gleich in voller Breite an.

    • Vor 10 Monaten

      Sehe auch keine Ähnlichkeit bisher, sonst wären unbekleidete Frauen und merkwürdige Fantasiewesen drauf zu sehen.

    • Vor 10 Monaten

      Jo, nach Einsatz von SRGT+Mausrad beurteile ich es auch ein wenig anders, aber vorher halt das, was Rekta sagte. Die Freude auf die Platte bleibt dadurch natürlich ungebrochen.

    • Vor 10 Monaten

      *STRG, sollte klar sein

    • Vor 10 Monaten

      Hatte die Band bisher positiv in Erinnerung, zumal sie in Berlin und Umgebung schon seit Jahren regional bekannt ist, aber mit der neuen Platte scheint sie tatsächlich noch einmal einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben.

    • Vor 10 Monaten

      Durchaus sehr ansprechendes Album. Die Band bündelt ihre Einflüsse zu mitreißenden, kompakten Tracks und fügt ihnen etwas Eigenes hinzu- etwa im hervorragenden Titelstück. Da schimmert auch sehr viel Tool durch, vor allem die frühe, etwas rohere Phase. Leider etwas zu dumpf und schepprig produziert, wie oftmals in dem Bereich.

  • Vor 10 Monaten

    Taugt nix! Ein Bass der mir nicht die Eingeweide breit tritt, eine Gitarre die sich hinter vor sich hin dümpelden Trommeln versteckt und eine Stimme die nicht für Melodieersatz sorgt. Für Stoner Rock mir zu wenig, vereinzelte Momente (Mittelteil Hate Of Thousends) retten vor dem Totalabsturz, wegen des flierenden Keyboard, hurra!

    2,5/5

  • Vor 10 Monaten

    Das VÖ-Datum ist wohl ein Druckfehler … :-)