laut.de-Kritik

Vom Lieben und Leben mit dem bittersüßen Zeitgeist.

Review von

Mit SZA liefert nun das einzige weibliche Signing auf Top Dawg Entertainment das Label-Debüt ab. Ein junges Gesangstalent mit wilder Mähne behauptet sich mühelos zwischen den Giganten Kendrick Lamar und Schoolboy Q. So lautet zumindest das Versprechen, das das TDE-Logo vor der digitalen Haustür abliefert und das hiesigen Jüngern einen nervös-aufgeregten Magen beschert.

Trotz, vielleicht auch gerade wegen der so wohlklingenden Begleitumstände trifft "Ctrl" unerwartet tief. Eine markant kräftige und gleichzeitig so brüchige Stimme bewegt sich in sachtem Singsang über reduzierte Gitarren- und Schlagzeugsphären. Was SZA mit "Supermodel" eröffnet, klingt nicht unbedingt nach dem großen Sturm der Gefühle, sondern vielmehr nach der Ruhe danach. Die Stimmgewalt bricht ungewollt aus ihr heraus, dabei will sie sich doch eigentlich eher zurückhalten. Unsicher steht sie nun im Gehörgang ihres Publikums und präsentiert einen Abschlussbericht einer verflossenen Liebe: "Why can't I stay alone by myself? / Wish I was comfortable just with myself/ But I need you".

Ihre Worte klingen ehrlich. Die reduzierten, vor allem aber überraschend ruhigen Produktionen von "Ctrl" geben SZA nicht nur massig Raum, sondern verstärken das Gefühl der Einsamkeit, das sie dem Hörer vermittelt. Das Hadern mit den eigenen Schritten, dem eigenen Ich und den Menschen um sie herum sind das zentrale Thema auf ihrem sanften Debüt, das sich so wunderbar an den Stärken eines Konzeptalbums bedient. "Ctrl" erzählt von der reflektierenden Phase nach einer zerbrochenen Beziehung. Ein Muster schimmert durch die bisherigen Begegnungen, und SZA stellt sich dieselben Fragen, die sich so viele junge Frauen auch stellen: Bin ich gut genug? Warum liebt mich niemand so wie ich bin? Warum sind Männer verdammt noch mal nur so schwanzgesteuert?

"Why you bother me when you know you don't want me? / Why you bother me when you know you got a woman?" fragt sie Travi$ Scott ganz unverblümt auf "Love Galore". Dessen Antwort "Ass and titties, titties / the only thing that stuck with me" erscheint Frau, nun ja, eher unbefriedigend. Auch Papa Kendricks Erklärung auf "Doves In The Wind", die Jagd nach der Pussy sei nur ein Ausdruck von eigener Unsicherheit, ersetzt nicht das erhoffte Pflaster auf dem Riss im Herzen. Deswegen begibt sich SZA nun allein auf die Suche nach Antworten.

Dabei liefern ihre Zweifel an der Aufrichtigkeit des Gegenübers und die Unsicherheit über das eigene Verhalten einen extrem hohen Wiedererkennungswert für junge Frauen. "Sorry, I just need to see you / I'm sorry I'm so clingy I don't mean to be a lot / Do you really wanna love me down like you say you do? / Give it to me like you say you do? / 'Cause it's hard enough you got to treat me like this / Lonely enough to let you treat me like this / Do you really love me? Or just wanna love me down?" ("Drew Barrymore"). Auch wenn wir wissen, dass es nicht okay ist, lassen wir uns immer wieder auf Spielchen ein, in der Hoffung, doch endlich die große Liebe zu finden.

"The Weekend" bringt diese Perspektive auf den Punkt: "Knowing I'm desperate / Gettin' all your love, fallin' all over your love like /Do it to last, last / hanging out the back, roll up in your lap" Ebenso das Verhältnis zur Nebenbuhlerin: "You're like nine to five, I'm the weekend / Make him lose his mind every weekend / you take wednesday, thursday, then just send him my way / Think I got it covered for the weekend" und die sinnlose Hoffnung, die sich jedes Mal wieder den Weg ins eigene Herz bahnt: "Monday I'll be at your door / ready to take her place / ready to give you what you've been missin' on weekdays".

SZA erzählt auf eindrucksvoll unaufgeregte Weise von dem Wunsch nach Liebe und fängt somit den bittersüßen Zeitgeist der 'Alles-ist-möglich'-Ära ein. Wir wollen uns ausprobieren, Freiheiten leben, doch sind gefühlstechnisch eigentlich nicht dafür gemacht. Wir lassen uns öfter verletzen, als uns gut tun würde und sind aufgrund der Zurückweisung so unsicher, dass wir uns selbst im Weg stehen, so wie in "Garden (Say It Like That)".

Eine Antwort auf das Warum findet SZA nicht. Aber sie kommt in "Anything" mit James Fauntleroy an den Punkt, an dem das Warum egal wird. "Just give as much as you take / forgive as much as you hate / or get the fuck out". So gerne sie das "type of girl you take over to Mama / The type of girl, I know my daddy would be proud of" wäre, sie ist einfach kein "Normal Girl". Am Ende von "Ctrl" steht die Erkenntnis, dass vermutlich jede Frau um die "20 Something" diesen Parcours der Gefühle durchläuft, bevor sie merkt, dass sie sich selbst lieben muss um geliebt zu werden.

Trackliste

  1. 1. Supermodel
  2. 2. Love Galore
  3. 3. Doves In The Wind
  4. 4. Drew Barrymore
  5. 5. Prom
  6. 6. The Weekend
  7. 7. Go Gina
  8. 8. Garden (Say It Like That)
  9. 9. Broken Clocks
  10. 10. Anything
  11. 11. Wavy (Interlude)
  12. 12. Normal Girl
  13. 13. Pretty Little Birds
  14. 14. 20 Something

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2 Kommentare mit 13 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    "Am Ende von "Ctrl" steht die Erkenntnis, dass vermutlich jede Frau um die "20 Something" diesen Parcours der Gefühle durchläuft, bevor sie merkt, dass sie sich selbst lieben muss um geliebt zu werden."

    Ich würde die Rezi noch an Joy, Glamour und wie die ganzen Frauenzeitschriften heißen verkaufen. Da kommt sowas bestimmt gut an.

  • Vor 3 Jahren

    Heftig was ist das nur für eine schwule und eklige Rezi. Und dann noch zu so einer tollen Künstlerin, wollt ihr mich verarschen? Da steht kein einziger Satz zu der Musik. Zu tiefst peinlich.

    • Vor 3 Jahren

      Hast Du etwa gerade "schwul" in einem negativen Kontext benutzt?????

    • Vor 3 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 3 Jahren

      Und dann auch noch einfach Mal so das gender des Künstlers assumed... krass...

    • Vor 3 Jahren

      Da müssen wir wohl gleich mal die Gender- und PC-Polizei rufen. Kabelwitz, übernehmen Sie! :ill:

    • Vor 3 Jahren

      Wenn man sich hier über was aufregen sollte, dann über die Gayness dieser Review-Schreiberin. Diese Anastasia gehört gekündigt. Aber die Journalisten die laut.de in letzter Zeit anschleppt werden eh immer merkwürdiger... ihr habt doch Dani, ihr habt Kabelwitz, ihr habt Kubanke, können die nicht einfach alle Rezis schreiben?

    • Vor 3 Jahren

      Seit wann kann man den einer Praktikantin kündigen?

    • Vor 3 Jahren

      Anastasia ist eigentlich Ehrenchaya. Werde die Vorwürfe aber prüfen.

    • Vor 3 Jahren

      Wieso dürfen Praktikanten Rezis schreiben? :D

    • Vor 3 Jahren

      Ich mach demnächst auch Praktikum bei laut.de und zeig euch wo Hammer hängt. So.

    • Vor 3 Jahren

      In der Tat finde ich, dass dieser Daniel Fromm keine Reviews mehr zu weiblichen Künstlern schreiben sollte. Dieses miese Chauvi-Arschloch zerreißt doch alles, was ihm nicht auf die Mette passt. Wirklich, in jeder zweiten Rezension suppen doch seine zutiefst verstörenden und wirklich kruden 'HerrenMANN'-Thesen durch.
      #aufschrei #danielfrommuntermensch #lautgegenfrauen

    • Vor 3 Jahren

      Absolut nicht! Beispiel gefällig?

      Zitat Daniel Fromm zum vorletzten Beyoncé-Album:
      "Hätte sie statt fetten Beinen eine fette Stimme, wäre Beyoncé auch noch fett im Geschäft und nicht nur fett auf der Couch."
      Weiter schreibt Fromm davon, die Frau Jay-Zs sei "so weit von echtem Talent entfernt, wie sie Nahe an einer Tracht Prügel für zu lange vernachlässigte Pflichten im Haushalt" wäre. "Vielleicht sollte das Kind sein Schicksal vielleicht doch in der Küche suchen."

      Sorry, aber so ein Niveau kann sich Laut.de einfach nicht länger erlauben.

      #firefromm #totehosedanielfromm #liebertrumpalsfromm

    • Vor 3 Jahren

      Langweilig.