laut.de-Kritik

Hut ab: Die Kalifornier interpretieren ihre Wurzeln neu.

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Bevor ihr selber googeln müsst: "Feral" lässt sich am besten mit wild oder ungezähmt übersetzen. Kaliforniens Top-Classic-Rock-Band möchte 2019 also zurück zu den wilden Wurzeln ihrer Anfänge, und um ehrlich zu sein, hat man diese auf dem eher müden Vorgänger "Hollow Bones" auch selten gehört. Zu oft beschlich einen das Gefühl, die Band um Gitarrist Scott Holiday könne mit ihrem großen Frontman Jay Buchanan nicht mehr so recht mithalten.

Nun also das neue Album, gleich mal auf neuem Label und mit gewohnt beeindruckendem Artwork, für das diesmal der New Yorker Künstler Martin Wittfooth verantwortlich zeichnet. Der Opener "Do Your Worst" lässt direkt ein ziemliches sexy Riff vom Stapel und Buchanan zeigt sich ab Takt eins in Hochform, diesmal wieder als verschworene Einheit mit seinen Musikern, Stadion-Chorus inklusive. "Sugar To The Bone" kommt ähnlich daher, garniert mit einer Orgel, die einen angenehm schrägen Unterton in den Song bringt.

In "Back In The Woods" klingen die wilden Wurzeln anschließend nicht nur im Songtitel an, es folgt ein Bluesrocker in bester Rival-Sons-Manier, inklusive "Oooh"-Chor und einer ordentlichen Spielwiese für Holiday, dessen Vortrag hier noch einmal an Eigenständigkeit gewinnt. Vieles geht vielleicht nicht mehr ganz so geschmeidig ins Ohr wie früher, doch gerade dieses Sperrige ist ein Grund für die zunehmende Unverwechselbarkeit der Band.

"Look Away" macht zum ersten Mal deutlich, was die vier Kalifornier mit dem Albumtitel wirklich meinen. "Feral" lässt sich nämlich auch mit "ursprünglich" übersetzen und genau so tönt die Americana-Ballade und unterstreicht das Standing der Sons als eine der besten zeitgenössischen Rock-Bands. Erst recht der Titeltrack, einer der besten Sons-Songs seit langem, der einen unweigerlich in seinen Bann zieht: In der klassischen Rock-Ballade mit Psychedelic-Touch scheint sich Buchanan seiner Rock-Olymp-Ambitionen bewusster denn je zu sein.

Erdig und bluesy geht es mit "Too Bad" weiter, Drummer Mike Miley und Bassist Dave Beste bilden in jedem Moment ein ordentliches Fundament für Holiday und Buchanan. Wie tief die Band im Blues verwurzelt ist, belegt "Stood By Me" mit seiner melancholischen Atmosphäre deutlich. Das anschließende "Imperial Joy" zündet dagegen nicht so richtig und bleibt im Vergleich etwas zurück.

Dass Männer mittleren Alters vielleicht nicht mehr so wild, sich dafür aber ihrer Ursprünge bewusst sind, zeigt das getragene "All Directions". Singvogel Buchanan zwitschert so schön wie immer und gegen Ende schwingt sich der Song zu einer energetischen Power-Ballade auf. Das effekt-verzerrte Intro von "End Of Forever" will zuerst nicht so recht in die Ursprünglichkeit passen, entwickelt sich aber zu einem stimmungsvollen Kontrapunkt, der dem Album noch einmal eine unerwartete Wendung verleiht.

Zum krönenden Abschluss bekommt der Hörer auf "Shooting Stars" sogar noch Gospel-Chöre geboten. Die bereits auf den zwei letzten Alben begonnene Neuinterpretation der eigenen Wurzeln kanalisierten die Rival Sons dieses Mal in ein unverwechselbares und starkes Album. Hut ab!

Trackliste

  1. 1. Do Your Worst
  2. 2. Sugar On The Bone
  3. 3. Back In The Woods
  4. 4. Look Away
  5. 5. Feral Roots
  6. 6. Too Bad
  7. 7. Stood By Me
  8. 8. Imperial Joy
  9. 9. All Directions
  10. 10. End Of Forever
  11. 11. Shooting Stars

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