laut.de-Kritik

Delta-Blues auf Speed und Koks.

Review von

Ein Mann mit einem coolen Namen, eine zerbeulte Gitarre, eine Stimme zwischen Sandsturm und Terpentin sowie Texte, die vom harten Leben da draußen handeln - eine Beschreibung, die auf mehrere Musiker passt. Etwa auf Seasick Steve, der sich mit über 60 Jahren plötzlich internationalen Ruhms erfreuen durfte.

Und auch auf Reverend Deadeye, der aber nach wie vor weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit musiziert. Dabei macht er alles richtig: Verstärker voll aufdrehen und los geht's.

Wie vom Teufel besessen, erzählt er im Opener von einem Traum, in dem er über einen Berg an Besitztümern klettert, um in einer Wolke Jesus zu treffen. "Du kannst nichts mitnehmen, wenn du stirbst", lautet die gemeinsame Erkenntnis.

Unorthodoxe religiöse Erfahrungen sind an der Tagesordnung. "Du bist besoffen und nicht in der Kirche", echauffiert sich die Mutter am Sonntagmorgen. Nicht er sei schuld, sondern Jesus, unser Herr. Mit dem habe er am Abend davor ein kleines Abenteuer gehabt, so die Begründung des Sohnes. Eine Ausrede, die man sich für ein zukünftiges Leben aufheben sollte.

Die Texte sind gut, die Darbietung inbrünstig. Der mit Speed und Koks gespickte verzerrte Delta-Blues vom Reverend mit dem toten Auge besitzt einzig den Makel, über zehn Stücke ziemlich anstrengend auszufallen. Selbst wenn die ruhigen, melancholischen "Chased Ol' Satan", "Coldest Heart" und "Her Heart Belongs To The Wind" für Verschnaufpausen sorgen.

Fest steht: Auch wenn der Reverend das Leiden als festen Bestandteil seines Künstlerlebens im Albumtitel festnagelt, hat er Besseres verdient, als unbekannt in verrauchten Kneipen aufzutreten.

Trackliste

  1. 1. Can't Take It With You
  2. 2. Backstabbin' Savior
  3. 3. Chased Ol' Satan
  4. 4. Drunk On Jesus
  5. 5. Coldest Heart
  6. 6. Led His Children Out Of Bondage
  7. 7. Jesus On The Mainline
  8. 8. Her Heart Belongs To The Wind
  9. 9. Drinkin' On The Building
  10. 10. Train (Medley)

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