laut.de-Kritik

Inhaltsleer, kapitalistisch, kalkuliert.

Review von

Der dritte Teil der "Palmen aus Plastik"-Reihe lässt sich sehr leicht in drei Worten zusammenfassen: Inhaltsleeres, kapitalistisches Kalkül.

Damit könnte diese Rezension eigentlich auch schon wieder enden. Denn wenn man dem "Intro" von RAF Camoras & Bonez MCs neuester Kollaboration glauben schenken darf, war's das dann auch mit Tropenpflanzen aus Polyethylen - "It's a trilogy" sagt dort ein Patois-Sprecher. Üblicherweise endet eine Trilogie ja mit dem dritten Teil. Da sich aber weder RAF noch die 187er bisher durch überbordende Mathematik-Fähigkeiten einen Namen gemacht haben, darf man befürchten, dass die Kunststoff-Sauerei auch nach "Palmen aus Plastik 3" noch in irgendeiner Form weitergeht. Von daher müssen hier wohl leider auch noch ein paar Worte mehr fallen.

Hangeln wir uns doch vielleicht einfach an den drei Schlagworten entlang und beginnen bei 'Inhaltsleer'. Viel mitzuschreiben gibt es für Rezensent*innen von "Palmen aus Plastik 3" nicht. Hier und da ein minderbemittelter Vers, mindestens eine frauenverachtende Zeile pro Song, das übliche eben. RAF Camora ist ja seit jeher für seine Rumheulerei bekannt. Hat er sich früher darüber beschwert, dass er nichts hat, jammert er eben jetzt darüber, dass er Geld hat, aber immer noch nichts fühlt. Und Minderwertigkeitskomplexe, die hier und da ein wenig zum Vorschein kommen. Kein Wunder, bedenkt man, mit wie viel Nonsens dieser Kerl Asche macht. Bonez betreibt derweil ebenfalls Eigenanalyse - und die fällt überraschend präzise aus: "Keine Hobbies außer Instastory / so behindert aber schwimm' im Money." Mal abgesehen von der Wortwahl, kann man dieses Statement tatsächlich so stehen lassen.

Mehr passiert aber auch wirklich nicht auf den vierzehn Songs. Die restlichen Verszeilen werden mit Markennamen und Geldbeschwörungen aufgefüllt, womit wir beim zweiten Schlagwort wären: 'kapitalistisch'. Denn die Herren Rapper, die sich vermutlich tatsächlich in der Aufwendung aller ihr zur Verfügung stehenden Kräfte bis an die Spitze der Charts gekämpft haben, nutzen ihre Plattform jetzt dafür, das ausbeuterische Laufrad des Kapitalismus weiter zu befeuern. Keine Ahnung, wie du ab Mitte des Monats Essen auf den Tisch kriegst? Arbeite härter, um dir ein absurd-hochpreisiges Auto zu kaufen, das macht dich glücklich. Du hast nix? Tu was dagegen, um dir teuren Alkohol kaufen zu können und deine Sorgen wegzutrinken. Ach ürbigens, wir haben jetzt auch einen Vodka mit unserem Namen drauf. Kriegst du schon für 20 € die Flasche. Wert ist der vielleicht nur acht Euro, aber du weißt ja, die Marge zählt. Dass dabei zwei lautstarke Systemsprenger derart systemstabilisierend wirken, kann den Kapitalismus eigentlich nur freuen.

Kommen wir nun also zum dritten Schlagwort, dem 'Kalkül'. Denn so minderbemittelt wie RAF und Bonez bisweilen wirken, die beiden haben die Funktionsweise des Systems verstanden und machen es sich zu eigen. Alles an "Palmen aus Plastik 3" ist kalkuliert. Die verwendeten Samples und Melodien, die altbekanntes aufgreifen, um sicherzugehen, dass das Zeug gehört wird. Die ins Mikro gebrüllten Markennamen, die den Hörenden versichern, dass die Welt noch nach denselben Mechanismen funktioniert. Ganz nach dem Motto: Keine Angst, es ergibt immer noch Sinn, auf den Mercedes hinzusparen, der ist noch was Wert. Die offensichtlich eingestreuten Lines über "Schlampen", "Blondinen" und "Brünette" um auch auf der Gegenseite für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Denn das ist es, was die beiden ganz dringend benötigen: Aufmerksamkeit. Nicht nur, um vielleicht die potenzielle Leere im Inneren zu füllen, sondern auch aus ganz praktischen Gründen: Wenn die Aufmerksamkeit des Publikums woanders hinzieht, ist es ganz schnell vorbei mit Benz, Beamer und Gold im Unterkiefer. Dann können sie wieder "Plomben verteilen", wie Knastbruder Gzuz es sein halbes Leben gemacht hat, nur diesmal die echten. Bisher, so scheint es leider, geht das Kalkül von Bonez MC & RAF Camora allerdings wunderbar auf.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Diamant
  3. 3. Letztes Mal
  4. 4. Sommer
  5. 5. Taxi (Feat. Gzuz)
  6. 6. Wer Hat Angst (Feat. Bounty Killer)
  7. 7. September
  8. 8. Alles Umsonst
  9. 9. Problem
  10. 10. Butterfly
  11. 11. Eine Idee
  12. 12. Unterwegs
  13. 13. Zu Spät
  14. 14. Destination

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10 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 11 Tagen

    Die zwei zweitrealsten Dudes im Game!

  • Vor 11 Tagen

    Ja, ist schon klar, dass das nur aus Kalkül entstanden ist und die Texte behindert (Wortwahl) sind. Aber statt 100 mal das Wort Kapitalismus zu schreiben und so zu tun als wenn ein Mercedes nur ein Zeichen von Unsicherheit und innerer Leere ist, hätte die Rezensionistin auch mal sagen können warum das Album so kacke ist, dass es nur 1 Stern bekommt. Wie sind die Beats und die Produktion? Ist es wirklich unhörbar? Keine Ahnung. Muss ich jetzt auf Spotif hören um das rauszufinden. Danke Anastasia, damit hast du zu den Pennern mehr Streams eingebracht.

  • Vor 11 Tagen

    Ich überlege mir gerade vor ein hochpreisiges Studiomikrofon zu scheißen, die Qualität der dadurch erzeugten Töne wäre ähnlich hoch wie bei diesem Erguss hier.