laut.de-Kritik

Ein würdiger Abschiedsgruß.

Review von

Es gibt Bands, bei denen hat man das Gefühl, dass sie einen selbst "überleben" könnten. Frei von öffentlickeitswirksamen Skandalen, medialem Marketing-Getue und aufgesetztem Image begleiten solche Combos mit ihren regelmäßig gehaltvollen Outputs jene Menschen, die sich in diesen schnelllebigen Zeiten noch mehr mit dem Inhalt als mit der Verpackung beschäftigen.

Um so reißender strömen die Tränenbäche gen Boden, wenn eine solche Institution ßt ihrem Treiben ein Ende bereitet. R.E.M. gehörten dreißig Jahre lang zu jenen Bands, die sich nicht inszenieren mussten, um zu überzeugen. Fast schon unauffällig verkauften sich innerhalb von drei Jahrzehnten 85 Millionen Tonträger und fast ebenso sicher gingen die meist ausverkauften Tourneen der Mannen um Sänger Michael Stipe im Gegensatz zu den bombastischen Spektakeln ihrer Branchen-Kollegen unter.

Doch nur die wenigsten der zeitgleich operierenden Opulenz-Garde schrieben ähnlich zeitlose Klassiker wie "Everybody Hurts", "Nightswimming" oder "Losing My Religion". Diese drei Songs und 37 weitere Perlen aus dem schier unbegrenzten Fundus der Band bilden dieser Tage den krönenden Abschluss der "Band who saved America", wie das Quartett vom renommierten amerikanischen "Uncut"-Magazin genannt wird.

Chronologisch und detailverliebt rocken sich die vier vom Jahr 1982 bis in die jüngere Vergangenheit und tischen dabei sowohl für die eingefleischte Fan-Fraktion, als auch für die eher oberflächliche Anhängerschaft ein mehr als aussagekräftiges Menü auf. Doch "Part Lies Part Heart Part Truth Part Garbage" ist nicht nur eine herkömmliche Best-Of-Retrospektive, sondern wartet zudem in Form von "A Month Of Saturdays", "We All Go Back To Where We Belong" und "Hallelujah" mit drei bisher unveröffentlichten Tracks auf.

Während das balladeske "We All Go Back To Where We Belong" bereits seit Oktober reichlich Airplay genießt und auf beeindruckende Weise Stipes stimmliche Entwicklung seit den Anfangstagen der Band unter Beweis stellt, sorgt vor allem "Hallelujah", mit unterschwelliger Mystik, Moll-lastigen Streichern und eher unkonventioneller Harmonieführung für Gänsehautstimmung. "A Month Of Saturdays" fällt hingegen etwas ab. Lediglich das markante Gitarren-Thema bleibt nach knapp zwei Minuten nachhaltig hängen.

Die im Booklet festgehaltenen persönlichen Anekdoten der vier Protagonisten zu jedem einzelnen Song auf dem Album verleihen dem Abschiedsgruß der Band noch zusätzlichen Wert. So erfährt man beispielsweise, dass "Imitation Of Life" seinerzeit hinter der Bühne während eines Pop-Festivals in Europa geschrieben wurde und Michael Stipe sich nicht mehr an die Aufnahmen zu "Nightswimming" erinnern könne, aber sich immer wieder wundert, wie klar seine Stimme damals klang. Nette kleine Geschichtchen, die das Gesamtpaket zusätzlich aufpeppen.

"Part Lies Part Heart Part Truth Part Garbage" ist ein würdiger Abschluss einer Band, deren zeitloses Schaffen wohl auch in den kommenden dreißig Jahren immer wieder präsent sein dürfte.

Trackliste

  1. 1. Gardening At Night
  2. 2. Radio Free Europe
  3. 3. Talk About The Passion
  4. 4. Sitting Still
  5. 5. So. Central Rain
  6. 6. Rockville
  7. 7. Driver 8
  8. 8. Life And How To Live It
  9. 9. Begin The Begin
  10. 10. Fall On Me
  11. 11. Finest Worksong
  12. 12. It's The End Of The World As We Know It
  13. 13. The One I Love
  14. 14. Stand
  15. 15. Pop Song 89
  16. 16. Get Up
  17. 17. Orange Crush
  18. 18. Losing My Religion
  19. 19. Country Feedback
  20. 20. Shiny Happy People
  21. 21. The Sidewinder Sleeps Tonite
  22. 22. Everybody Hurts
  23. 23. Man On The Moon
  24. 24. Nightswimming
  25. 25. What's The Frequency, Kenneth?
  26. 26. New Test Leper
  27. 27. Electrolite
  28. 28. At My Most Beautiful
  29. 29. The Great Beyond
  30. 30. Imitation Of Life
  31. 31. Bad Day
  32. 32. Leaving New York
  33. 33. Living Well Is The Best Revenge
  34. 34. Supernatural Superserious
  35. 35. ÜBerlin
  36. 36. Oh My Heart
  37. 37. Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter
  38. 38. A Month Of Saturdays
  39. 39. We All Go Back To Where We Belong
  40. 40. Hallelujah

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LAUT.DE-PORTRÄT R.E.M.

Als R.E.M. am 5. April 1980 ihr erstes Konzert in der Kirche ihrer Heimatstadt, Athens/Georgia, geben, hört die Band noch auf den Namen Twisted Kites.

12 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    R.I.P.R.E.M. - das beste was man machen konnte- die Band auflösen!
    NIcht weil der musikalische Output schlecht war, ich fand das letzte Album sogar sehr gut, aber gemessen am Mittelwerk der Band war es einfach nicht mehr so sehr von Bedeutung.
    Umso besser, mit dem versöhnlichen Abschluß "Collapse Into Now" dem Schicksal von U2 oder den Stones entgangen zu sein!
    So werdet Ihr immer Teil meines Lebens sein und mir im Gegensatz zu den zuvor genannten nie auf die Nerven fallen!
    Dank für alles!

  • Vor 9 Jahren

    R.I.P.R.E.M. - das beste was man machen konnte- die Band auflösen!
    NIcht weil der musikalische Output schlecht war, ich fand das letzte Album sogar sehr gut, aber gemessen am Mittelwerk der Band war es einfach nicht mehr so sehr von Bedeutung.
    Umso besser, mit dem versöhnlichen Abschluß "Collapse Into Now" dem Schicksal von U2 oder den Stones entgangen zu sein!
    So werdet Ihr immer Teil meines Lebens sein und mir im Gegensatz zu den zuvor genannten nie auf die Nerven fallen!
    Dank für alles!

  • Vor 9 Jahren

    Nur ein Lied von der Reveal (Imitation of Life)?

    Ich fand gerade das Album als R.E.M. Nicht-Experte mit am besten.

    So tolle Lieder drauf wie I´ve been high, all the way to Rheno und she just wants to be.

  • Vor 9 Jahren

    Ja mei REM eine meiner absoluten Lieblingsbands schiebt ein tolles Farewell hinterher. Sowas Lob ich mir. Ich finds schade das aftermath nicht dabei ist ist einer meiner Lieblingssongs. Aber Riesenplatte da -wie bereits erwähnt- beide Labels vereint wurden. Ich hol sie mir sicher.

    Cheers REM und wer weiss... vielleicht gibts ja doch irgendwann ne Reunion

  • Vor 9 Jahren

    Bin als Anfang 20er wohl viel zu jung um viel von REM mitbekommen zu haben, kannte dementsprechend bislang auch nur Losing My Religion und Everybody Hurts. Aber als ich gestern so die erste Hälfte des Albums durchhörte, sprang der Funke sofort über, geiler Sound und tolle Titel die gut und schnell ins Ohr gehen. 2 CDs randvoll mit guter Musik zum normalen Albumpreis, jedem nur zu empfehlen!