laut.de-Kritik

Rap, Reggae, Anarchie und IKEA.

Review von

Ja, wo laufen sie denn? Nach den Dilated Peoples joggt auch der schwedische Music-Maniac Promoe durch das Rapgame. Synthetische Bläserfanfaren, Scratches und Piano-Bombast steigern bereits im "Marathon"-Intro die Anspannung vor dem Startschuss, der mit treibenden Titeltrack "Long Distance Runner" stilecht fällt. Im Refrain zeigt Promoe, mit Flow-Melange aus B-Real und Beenie Man raptechnisch austrainiert, seine momentane Gemütsverfassung, seinen momentanen Struggle.

"Like an athlete, a long distance runner. on the trackmeet spring, fall, winter, summer. They attack me, but it gon' make me stronger. Get at me dawg when your patience longer." Im Opener outet sich der Looptroop-Frontmann zudem als gesund lebender Veganer und holt sich wie Dead Prez die Willensstärke aus Körperertüchtigung. "No alcohol, no weed. No cigarettes, no e's. No milk, no cheese. No eggs, no meat. Just meditation and peace."

Nach diesem Wahnsinnsauftakt fällt es dem schwedischen Rasta-Anarcho leicht, den Hörer bei seiner Revoluzzer-Stange zu halten. Noch einen Tick konsequenter als auf Looptroops letztem Meilenstein "The Struggle Continues" umrahmt er seine sozialkritischen, intimen Texte mit eingängigen, fast poppigen Hooks und vor allem vielschichtigem Reggae-Flair.

Er kickt als Mogli mit Dancehall-Artist Ward 21 "In The Jungle" Babylon- und David gegen Goliath-Styles, wettert mit Bushman gegen die fleischfressende "Fast Food World", fordert mit Anthony B "Justice", macht in "Fit You Haffe Fit" auf Jan Delay und liefert mit "A Likkle Supm Supm" und "Dog Day Afternoon" das Sommer-Hymnendoppel schlechthin ab.

Promoes feilt auf seinem zweiten Soloalbum jedoch auch an seinen Storytelling-Skills. Auf der ersten Single "These Walls Don't Lie" bricht er eine Lanze für alle Graffitti-Writer, wenn er das tragische Ende eines Sprühers pathetisch interpretiert. Der Konzeptsong "Calm Down" beschließt das Album. Dort erzählt Promoe die Geschichte eines IKEA-Angestellten, der nach seiner Entlassung Amok läuft, indem er seinen Arbeitsplatz als Selbstmordbomber in die Luft sprengt.

Im Gegensatz zu den Dilated People geht Promoe die Strecke wesentlich kämpferischer und mit mehr Tempo, mehr Esprit an, die von Alan Sillitoe beschriebene "Loneliness Of A Loneliness Runner" immer in melancholisch hörbarer Ego-Nähe. Eine Medaille hat er sicher.

Trackliste

  1. 1. Marathon
  2. 2. Long distance runner
  3. 3. In the jungle
  4. 4. These walls don't lie
  5. 5. Constant consumption
  6. 6. Fast food world
  7. 7. Justice
  8. 8. Kkkampan
  9. 9. Dog day afternoon
  10. 10. A likkle supm supm
  11. 11. Mah grrri
  12. 12. Fit you have fit
  13. 13. Calm down

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1 Kommentar

  • Vor 9 Monaten

    Ich mag den schwedischen Rastamann einfach! Allein wegen „These walls don’t lie“ 5/5 Punkte. Live war das Album damals auch ziemlich geil. In Köln mit lokaler Liveband und Promoe mega entspannt und sympathisch.