laut.de-Kritik

Samba-Eurodance mit Features aus der Hölle.

Review von

Ein Schädel, der die Welt bedeutet. Pitbull, Weltbürger von Beruf, verkauft - im Gegensatz zu manch anderem - seine Musik wenigstens nicht als etwas, das sie nicht ist. Nämlich irgendwie interessant, anspruchsvoll oder tiefgründig. Stattdessen verschreibt sich Armando Christian Pérez seit Jahren der Produktion wahnsinnig stupider Fetenhits - eine Kunst, die er zugegebenermaßen fantastisch beherrscht.

Drehen sich Cover-Artwork, Titel und Booklet noch vollkommen um unseren Planeten, kommt die Feature-Liste garantiert nicht von dieser Welt, sondern direkt aus der Hölle: Sean Paul, Chris Brown, Jennifer Lopez, Ne-Yo, Jason Derulo springen in gewohnter Manier immer dann ein, wenn Pitbull versagt: beim Singen der Hooks. Ob eben Genannte diese Disziplin wirklich so viel besser beherrschen, darf jedoch zumindest diskutiert werden.

Sean Paul jedenfalls macht im Opener einen guten Job. Das liegt vielleicht daran, dass er genau vier Zeilen auf den Leib geschneidert bekommt. Zumindest gefühlt dieselben vier wie immer: "All the ladies when you're ready / Let me, let me know / Dats it dats it dats it dats it dats it / Ready set she go." Das wars schon. Bravo, Sean. Oder Paul. Wie auch immer.

Dieses Prinzip wiederholt sich erwartungsgemäß in den meisten der elf Stücke. Beiträge von Chris Brown in "Fun" oder Jason Derulo in "Drive You Crazy" werden somit auf minimalen Schaden reduziert, während Pitbull selbst seinen altbekannten Sangria-Eimer-Flow auspackt und über Miami, L.A., Sonne, "booties" und Poolpartys "rappt".

Alles halb so schlimm, erstaunlicherweise. Denn wenn der Crazy Frog in Menschengestalt im von John Ryan geschriebenen "Fireball" gleichzeitig "Rapper's Delight" und "Walk This Way" verunglimpft, und das auch noch über einen Samba-Eurodance-Beat, der an ein verkapptes Donkey Kong-Theme erinnert, ist das eher lustig als traurig.

Dann auch noch im von einem Country-Reggae-Mix angehauchten "Day Drinking" die erste Punchline in Pitbulls Karriere bezeugen zu dürfen - unbezahlbar: "I got gifts and hoes, call me Santa." Zusammen mit Jason Derulo schärft der Beachbar-Philosoph seine Lyrical Swords auch im doppeldeutigen "Drive You Crazy", das Three 6 Mafioso Juicy J um semi-geniale Auto/Sex-Symbolik à la "Spread it open, let me go inside / Let me slide in between and park my stretch Limousine" bereichert.

Gastsängerin Chloe Angelides hofft in "Sexy Beaches" derweil, einen "sexy stranger in the lobby" zu treffen. Schade, ist dann aber letztlich doch nur Pitbull. Der kriegt sie trotzdem alle, wie er in seinen Trademark-Versen betont, die er seit jeher immer wieder in leicht abgewandelter Form auftischt.

Selbst das vollkommen generische "Celebrate" mit obligatorischem Rare Earth-Sample oder das nicht minder ausgesaugt wirkende "Wild Wild Love" lassen jedes Mal wieder schmunzeln, wenn Armando mit seinen völlig überdrehten und stets überzogen gut gelaunten Raps loslegt. Dazu gesellen sich die üblichen Bums-Beats mit trashigen Dance-Klängen und noch trashigeren Gitarren. Und Chris Brown. Oder J-Lo. Wer eben gerade greifbar ist.

Klingt genau wie 2006, man möchte fast sagen: kultig. Genau das zu bekommen, was wohl jeder von einem Pitbull-Album erwartet hätte, erzeugt ein irgendwie merkwürdiges, aber fast schon wohltuendes Gefühl der Bestätigung.

Trackliste

  1. 1. Ak Leke feat. Sean Paul
  2. 2. Fun feat. Chris Brown
  3. 3. Fireball feat. John Ryan
  4. 4. Time Of Our Lives feat. Ne-Yo
  5. 5. Celebrate
  6. 6. Sexy Beaches feat. Chloe Angelides
  7. 7. Day Drinking feat. Heymous Molly
  8. 8. Drive You Crazy feat. Jason Derulo & Juicy J
  9. 9. Wild Wild Love feat. G.R.L.
  10. 10. This Is Not A Drill feat. Bebe Rexha
  11. 11. We Are One (Ole Ola) feat. Jennifer Lopez

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