laut.de-Kritik

Die werfen dich lachend die Treppe runter.

Review von

Auf dem Cover von "Honeys" windet sich ein Yuppie vor einer Treppe. Seinen Sturz haben Pissed Jeans gleich im ersten Song vertont. Schreiend und zeternd schubst die Band den armen Kerl die Stufen herab. Einige Knochenbrüche und Platzwunden später liegt er blutend am Boden und wird dann auch noch im zweiten Song von einer Schildkröte (siehe Albumrückseite) angeknabbert. Im weiteren Verlauf des Albums wiederholt sich dieses Schauspiel: Die Band schleift den Anzugträger mühselig hoch und wirft ihn dann wieder polternd hinunter.

"Bathroom Laughter", "Romanticize Me" oder "Health Plan" sind Songs, die einfach nur brutal und ohne Kompromisse im freien Fall nach unten gehen. Pissed Jeans verneigen sich, ähnlich wie Ceremony, vor den Punk und (Post-)Hardcore-Größen der 80er: Black Flag, Cro-Mags, Fugazi. Zwei Riffs, zwei Beats, alles bis zum Anschlag verzerrt und ab dafür. Matt Korvette brüllt, keift und schreit dazu seine sarkastischen Texte über Gesundheits-Tipps, Erwachsenwerden und Romantik: "See I'm really kind of wonderful / it's all about the way you choose to view it / So you should be really thankful / when I say: let's do it".

"Cafeteria Food" oder "Loubs" versumpfen bis zum Kinn in dumpfen Noise-Morast. Wie bei Future Of The Left sorgt vor allem der alles zerstörende Wummer-Bass für einen soliden Grund-Lärm, aus dem sich die E-Gitarre mal mit quäkenden Soli ("Teenage Adult") befreit, dann aber wieder gehorsam folgt. Eingängiger Noise-Rock geht definitiv anders.

Eingängigkeit ist halt genau das, was Pissed Jeans unter allen Umständen vermeiden wollen. Die Riffs werden zu Tode geritten, angetrieben und gepeitscht vom gnadenlosen Schlagzeug. Wenn das mal schweigt, schalten die Jeans gleich mehrere Gänge zurück und gehen im Rauschen unter. "Chain Worker" ist fast unerträglich langsam. Die verzerrten Bass-Schwaden werden ab und zu von Rückkopplungen, Becken-Schlägen und einzelnen Gitarren-Tönen durchschnitten. Matt brüllt wie aus dem Neben heraus: "And I cry red angry tears that no one sees / Sometimes mistaken for blood". Danach geht's wieder ab.

"Honeys" ist anstrengend und unzugänglich. Es ist rücksichtslos und fies. Es spuckt und schreit, schlägt um sich und liegt dann wimmernd am Boden. Es packt dich am Hemd, schüttelt dich kräftig durch und wirft dich dann mit lautem Gelächter die Treppe runter. Und wenn du dann unten bist, kommt eine blutrünstige Schildkröte und knabbert an deinem Kopf herum.

Trackliste

  1. 1. Bathroom Laughter
  2. 2. Chain Worker
  3. 3. Romanticize Me
  4. 4. Vain In Costume
  5. 5. You're Different In Person
  6. 6. Cafeteria Food
  7. 7. Bonus
  8. 8. Male Gaze
  9. 9. Cathouse
  10. 10. Loubs
  11. 11. Health Plan
  12. 12. Teenage Adult

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