laut.de-Kritik

Nix zu meckern, dafür viel zu entdecken.

Review von

Nachdem Sieges Even München in den 80ern zur Progressive Metal-Hauptstadt ernannten, kam in dem Bereich aus der Bayern-Metropole zunächst lange Zeit nichts nach. Erst nach der Jahrtausendwende keimte ein zartes Pflänzlein namens Obscura zwischen all dem Hopfen und der Gerste, um sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten an die Spitze einer (härtetechnisch deutlich extremeren) Bewegung zu setzen.

National gelten Obscura wohl unangefochten als Nummer eins im technischen Extrem-Metal, doch mit Over Your Threshold bekommen sie mittlerweile Konkurrenz aus der eigenen Nachbarschaft. Freundschaftlich, weil Obscura-Gitarrist Christian Münzner neben Hokum-Klampfer Jonas Fischer für Gastsoli im Studio vorbei geschaut hat. Nette Geste, die das gute Verhältnis untereinander verdeutlicht. Aber nötig haben Over Your Threshold die Schützenhilfe eigentlich nicht.

"Facticity" ist als Album mehr als stark genug, um für sich allein zu stehen, auch wenn Vergleiche mit Obscura gar nicht ausbleiben können. Ähnlich wie die Kollegen scheuen Over Your Threshold nicht vor diversen Fusion-Elementen und komplexen Kapriolen an ihren Instrumenten zurück. Ähnlich wie die Kollegen pfeifen sie oft auf gängige Songstrukturen und Muster. Und ähnlich wie die Kollegen streuen sie immer wieder Riffs ein, die die Songs bei aller Technik nachvollziehbar machen.

Trotz dieser Parallelen bieten Ausführung und Umsetzung genügend Raum und Möglichkeiten, sich voneinander abzugrenzen. Das geschieht vor allem in der Art des Songwritings. Wo Obscura bereits den Dreh heraus haben, technisch komplexes Material eingängig zu gestalten und mit fast schon simplen Metallica-Riffs zu mischen, gehen Over Your Threshold noch ein wenig selbstverliebter zu Werke.

Sämtliche Musiker gehen als absolute Meister an ihren Instrumenten durch. Dank des differenzierten Mix' von Triptykon/Dark Fortress-Gitarrist V. Santura hört man vor allem das Spiel von Basser Christian Siegmund und Drummer Julian Matejka sehr gut. Genauso natürlich die Gitarrenarbeit von Lukas Spielberger und Shouter/Gitarrist Leonhard Pill, den mittlerweile
Ludwig Walter am Mikro und Kilian Lau an der Gitarre ersetzten.

Einzelne Songs hervor zu heben erübrigt sich bei der Klasse des Materials eigentlich, da sich die Band aus Bayern nirgends eine Blöße gibt. Seien es kurze Congas-Einsätze in der der Einleitung von "Self Exhibition", disharmonische Soli in "Abdicated" oder das schöne akustische Gitarrenoutro im abschließenden Titeltrack. An "Facticity" gibt es nicht viel zu meckern, dafür um so mehr zu entdecken. Anchecken ist Pflicht!

Trackliste

  1. 1. Cortical Blindness
  2. 2. Contextual Fluctuating
  3. 3. Obscure Mind Stasis
  4. 4. Self Exhibition
  5. 5. Desolation Row
  6. 6. Antic
  7. 7. Abdicated
  8. 8. Body Part Illusion
  9. 9. Facticity

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